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Für die internistische Weiterbildung gibt es ja doch verschiedene Varianten. Ich habe mich für eine Weiterbildung an einem Haus der Maximalversorgung, das auch akademisches Lehrkrankenhaus ist, entschieden. Ein Weg, der einige Vorzüge mit sich bringt. Klinikporträt
Warum Ludwigshafen?
Arbeitsalltag
Ausbildung der Assistenzärzte
Leistungsspektrum der Klinik
Dienstbelastung und Vergütung
Die Umgebung
Fazit
Klinikporträt Klinikum Ludwigshafen |
| Das Klinikum Ludwigshafen (Homepage siehe Weiterführende Links) ist ein Haus der Maximalversorgung mit ca. 1.000 Betten. Die Lage im Rhein-Neckar-Raum bietet einiges an Möglichkeiten, Mannheim und Heidelberg sind nur einen Katzensprung entfernt. In diesem Raum gibt es mehrere Maximalversorgungs-Häuser, darunter zwei Universitätsklinika. Insofern besteht große Konkurrenz unter den verschiedenen Kliniken.
In Ludwigshafen gibt es drei internistische Kliniken mit insgesamt etwa 300 Betten in den Abteilungen Kardiologie/Pulmologie/Intensivmedizin, Gastroenterologie/Diabetologie und Hämatologie/Onkologie/Nephrologie. Insbesondere die beiden erstgenannten sind sehr profilierte Abteilungen mit ausgeprägten Forschungsaktivitäten.
Warum Ludwigshafen?Zunächst einmal komme ich aus der Region, habe in Heidelberg studiert und bin auch irgendwie Heimat verbunden. Auf der anderen Seite habe ich nach einer Stelle gesucht, wo anspruchsvolle Medizin betrieben wird, ohne den Forschungsdruck einer Universitätsklinik.
Ich hatte mein AiP an einer nephrologischen Uniklinik verbracht - eine interessante Erfahrung und eine relativ wohlbehütete Möglichkeit zum Arbeitsbeginn. Letztlich hatte mich allerdings die extreme Spezialisierung gestört; auch die Aussicht auf Forschungsaufenthalte in irgendwelchen Labors war nicht direkt mein Wunschtraum. Insbesondere klinische Forschung macht mir aber auch Spaß und ist eine nette Abwechslung zum Arbeitsalltag. Insofern entschied ich mich zu einer mehr klinisch orientierten Stelle, die aber auch Möglichkeiten zu Forschungsaktivitäten bietet.
Ludwigshafen war zunächst nicht meine 1. Wahl. Aufmerksam geworden bin ich auf die Stelle über eine Anzeige im deutschen Ärzteblatt. Im Vorstellungsgespräch war die Atmosphäre dann allerdings sehr angenehm. Zusätzlich war bei genauerer Betrachtung der Bekanntheitsgrad der Klinik sehr hoch und der Ruf der Gastroenterologie sehr gut, so dass ich mich nach einigem Überlegen zur Weiterbildung am Klinikum Ludwigshafen entschlossen habe.
ArbeitsalltagWie in der Inneren meist üblich, beginnt der Arbeitsalltag um 8.00 Uhr. Im Gegensatz zu den meisten anderen Kliniken allerdings nicht mit Blutabnahmen, denn dafür hat man hier Phlebotomisten eingestellt – eine großartige Erfindung!
In der Regel hat man eine Station, die am Morgen zunächst einmal visitiert wird und die Neuaufnahmen der Nacht werden angeschaut. Anschließend stellen sich schon die ersten elektiven Neuzugänge vor, die über ein Prozessmanagement einbestellt werden. Meist sind dann die entsprechenden Untersuchungstermine schon organisiert und es kann für den Patienten direkt losgehen. Dies ist einerseits für den Patienten sehr angenehm, da ein zügiger Ablauf gewährleistet ist. Für den Stationsarzt bedeutet dies allerdings auch einen hohen Patientendurchsatz, ist aber in DRG- Zeiten wahrscheinlich nicht anders zu machen.
Zwischendurch wird man immer wieder zu Untersuchungen gerufen. Je nach Ausbildungsstand assistiert man zunächst bei Endoskopien, erlernt die Funktionsuntersuchungen oder macht Ultraschalluntersuchungen. Später führt man Ensoskopien eigenverantwortlich durch.
Gegen Mittag gibt es dann die „Mittagsbesprechung“, hier werden mit der gesamten Abteilung die Neuzugänge besprochen. Zusätzlich werden aktuelle Röntgenbilder durch einen Radiologen präsentiert und sämtliche ERCP- Befunde anhand der Bilder besprochen. In der Regel werden dann auch die interessantesten Befunde aus der Endoskopie demonstriert. Anschließend ist dann Zeit für die Mittagspause. Bis zum Dienstschluss um 16.30 Uhr bleibt dann noch die Stationsarbeit zu erledigen. Einmal in der Woche sind Oberarzt- und Chefarztvisiten auf den Stationen, in der Regel auch nachmittags.
Ausbildung der Assistenzärzte Klinikum Ludwigshafen |
| Die Laufbahn der Assistenzärzte sieht folgendermaßen aus: Als junger Assistent wird man zunächst von einem erfahrenen Kollegen in die Stationsarbeit eingearbeitet. Anschließend führt man seine Station dann selbständig mit einem Oberarzt, die Oberärzte sind dabei immer ansprechbar und hilfsbereit.
Nebenbei erlernt man erste Untersuchungsmethoden wie z.B. Ultraschall oder Funktionsuntersuchungen. Hier ist es allerdings wichtig, Eigeninitiative zu zeigen und selbst in die Funktionsabteilungen zu gehen, da es hierfür keinen festen Plan gibt. In der Endoskopie wird man zunächst zu einfacheren Tätigkeiten wie z.B. Assistenz bei Coloskopien eingesetzt. Nach der ersten Zeit auf Station lernt man die weiteren Abteilungen der Klinik, wie z.B. die onkologische Tagesklinik, kennen. Für die Diabetologie gibt es einen Posten als „Diabetes-Assistent“, der für die diabetologischen Konsile und Schulungen zuständig ist. Hierhin wird sechs Monate rotiert.
Nach zwei bis drei Jahren in der gastroenterologischen Klinik wird es in der Regel Zeit zur Rotation. Feste Rotationsvereinbarungen bestehen mit den beiden anderen internistischen Kliniken, den medizinischen Kliniken A und B. In diese Kliniken wird jeweils sechs Monate rotiert, in denen man dann schwerpunktmäßig Kardiologie und Hämatologie/Onkologie lernt. Zusätzlich besteht eine Rotation mit der medizinischen Intensivstation und der Notaufnahme. Hier beträgt die Rotationszeit ein Jahr. Die Rotationen zur Intensivstation sind soweit problemlos, bei Rotationen in die anderen Kliniken kann es zu Engpässen aufgrund der wenigen Rotantenstellen kommen. Hier kann man sich gegebenenfalls mit Kollegen der anderen Kliniken absprechen.
Im Anschluss an die Rotationen geht es dann mit großen Schritten auf den Facharzt zu. Jetzt wird man auch in die Endoskopie eingearbeitet. In der medizinischen Klinik C wird Endoskopie auf höchstem Stand betrieben. Dementsprechend wird hier auf eine sehr breite und ausgiebige Ausbildung Wert gelegt. Man endoskopiert zunächst für einige Monate unter Aufsicht von erfahrenen Kollegen oder Oberärzten, anschließend fragt der Chef in einer kleinen Prüfung die wesentlichen Kenntnisse ab. Dann gastroskopiert man selbst. Ähnlich verläuft dann später das Erlernen der Koloskopie.
Im Verlauf der Weiterbildung bestehen natürlich noch weitere Möglichkeiten zur Spezialisierung, so bin ich z.B. in Kooperation mit den Radiologen für die Auswertung der MRT-Befunde zuständig. Aber auch bei Interesse für Hepatologie oder Onkologie kann man sich hier besonders engagieren.
In den Klinikalltag sind verschiedene Ausbildungsveranstaltungen integriert. Hier ist insbesondere die Mittagsbesprechung zu nennen, die durch das Diskutieren aller Patienten und das Demonstrieren der interessanten Befunde das gesamte Spektrum der Klinik zeigt. Einmal in der Woche gibt es eine offizielle Fortbildung, die von Assistenten und Oberärzten vorbereitet wird.
Pathologische Konferenzen finden in der Regel in zweiwöchigen Abständen statt. Für Fortbildungsmaßnahmen außerhalb der Klinik kann man Sonderurlaub nehmen. Bei Relevanz für die klinische Tätigkeit werden manche von diesen Fortbildungen auch finanziert, so wurden mir z.B. die Kosten für zwei Sonokurse erstattet, was durchaus nicht überall üblich ist.
Die Klinik ist auch bei der Organisation von Seminaren und Kongressen sehr aktiv, hier gibt es in der Regel freien Eintritt für die Mitarbeiter des Hauses. Eine Teilnahme an solchen Aktivitäten ist dabei vom Chef ausdrücklich gewünscht.
Leistungsspektrum der KlinikDie medizinische Klinik C bietet das gesamte Spektrum einer modernen Gastroenterologie. Neben einer großen endoskopischen Abteilung gibt es eine Abteilung für Diabetologie. In der onkologischen Tagesklinik wird die gastroenterologische Onkologie abgedeckt. Zur Klinik gehört zusätzlich die Infektionsstation des Klinikums Ludwigshafen.
Eine besondere Spezialisierung liegt sicherlich im Bereich der Gallenwegserkrankungen und der interventionellen Endoskopie. Es werden zahlreiche ERCP- Untersuchungen und auch viele Interventionen wie Papillotomien, Gallenwegsdrainagen, Steinextraktionen, PTCDs oder Cholangioskopien durchgeführt.
Positiv ist sicherlich, dass die Klinik sehr rasch über alle Neuigkeiten in der Gastroenterologie verfügt. Man erhält hier frühzeitig einen Einblick in Techniken wie z.B. die Kapsel-Endoskopie, Doppel-Ballon-Enteroskopie oder Kontrastmittelsonographie.
Dienstbelastung und VergütungDie Dienstbelastung ist insgesamt moderat mit ca. 2-3 Diensten im Monat. Hierbei gibt es insgesamt drei Dienststufen. Die jüngeren Kollegen machen zunächst den 3. Dienst, der im Haus die anfallenden Arbeiten - häufig Blutabnahme und Nadeln - erledigt. Hier kann der 2. Dienst zu Hilfe gerufen werden, der ein erfahrener Kollege ist und je nach Bedarf auch in der Notaufnahme und der Intensivstation aushilft. In der Notaufnahme ist der 1. Dienst, ein Assistent mit Intensiv- Erfahrung. Insofern ist man erfreulicherweise nie allein im Krankenhaus.
Alle Dienste sind Bereitschaftsdienste, so dass man während des Dienstes auch schlafen kann, wenn Ruhe herrscht. So ca. vier Stunden Schlaf sind meistens möglich. Dazu kommen noch Visitendienste am Samstag (drei Stunden) und später Intensivdienste am Wochenende. Die Dienste werden mit 90 Prozent des normalen Stundensatzes vergütet.
Ansonsten erfolgt die Vergütung nach TV-Ä. Erfreulich ist hier in Ludwigshafen, dass inzwischen sämtliche Überstunden voll bezahlt werden. Je nach Einsatzbereich fallen auch durchaus Überstunden an, 20-30 Stunden im Monat sind bei großen Stationen möglich.
Die UmgebungDer Rhein-Neckar-Raum und die Pfalz sind auch vom Landschafts- und Freizeitwert nicht zu verachten. Je nach Bedarf ist hier von der Grosstadt Mannheim bis zum beschaulichen Pfälzer Weinort alles vorhanden und bequem zu erreichen, so dass auch neben der Arbeit einiges geboten ist. Ludwigshafen selbst ist vor allem industriell geprägt, insbesondere durch die BASF. Die Stadt bietet aber auch durchaus kulturelle Aktivitäten wie z.B. ein bekanntes Kunstmuseum oder ein Festival des deutschen Films.
FazitSehr empfehlenswert!
Land und Leute in der Vorderpfalz sind auf jeden Fall eine Weiterbildung wert.
Die Klinik bietet Gastroenterologie auf höchstem Niveau und somit für eine nicht Universitätsklinik gute Aufstiegschancen. Dabei ist aber immer ein sehr guter Teamgeist zu spüren, so dass ich mich in diesem Team immer sehr wohl gefühlt habe.
Insgesamt ist Ludwigshafen eher attraktiv für diejenigen, die sich spezialisieren wollen als für den zukünftigen Allgemeinmediziner. Wer hier seine Chance ergreift und initiativ ist, hat dann allerdings auch die Aussicht auf eine Top-Ausbildung am Pulsschlag der Gastroenterologie. Ich persönlich habe an dieser Stelle geradezu ideale Bedingungen vorgefunden.
B., M.
Ludwigshafen, Oktober 2007 |