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Man sollte bekanntlich auf die inneren Werte achten. Am Beispiel der Klinik für Urologie und Kinderurologie des Krankenhauses Cuxhaven möchte ich die Vorzüge einer kleinen, effizienten und sehr persönlichen Klinik anpreisen. Zumindest für den, der sie zu schätzen weiß. Klinikporträt
Arbeitsalltag
Leistungsspektrum der Klinik
Ausbildung der Assistenzärzte
Dienstbelastung und Verdienst
Fazit
KlinikporträtDas Krankenhaus Cuxhaven gehört seit dem Jahr 2003 dem Rhönkonzern an und ist ein ca. 300 Betten-Haus der erweiterten Grund- und Regelversorgung. Die Fachabteilungen sind: Viszeral- und Gefäßchirurgie, Unfallchirurgie und Orthopädie, Innere Medizin (Schwerpunkte: Kardiologie, Gastroenterologie und Pneumologie), Pädiatrie, Gynäkologie und Geburtshilfe, Urologie, HNO (Belegklinik) sowie Radiologie, Anästhesie und Intensivmedizin.
Das Krankenhaus wird gegenwärtig vollständig neu gebaut und soll in drei Jahren bezugsfertig sein. Der jetzige Bau wird größtenteils abgerissen. Fotos sind im Internet mit Verweis auf die einleitenden Worte somit höchstens auf den Schwarzmarktseiten zu finden.
Im Krankenhaus Cuxhaven wird eine interdisziplinäre Bettenbelegung betrieben, die stationäre Belegung ist also von der aktuellen Fallzahl abhängig. Der Stellenschlüssel beträgt 1-1-3. Chefarzt Dr. Jürgen Haselberger übernahm die Klinikleitung 1989 und verfügt über die volle Weiterbildungsermächtigung. Diese schließt die Ausbildungsermächtigung „spezielles urologisches Röntgen“ ein. Zudem betreibt er eine Ermächtigungsambulanz in den Klinikräumlichkeiten, aus der etwa zwei Drittel der stationären Fälle generiert werden. Er und Oberarzt Dr. Stephan Schmidt verfügen beide über eine extensive operative Erfahrung und können diese für mein Empfinden didaktisch außergewöhnlich gut vermitteln.
Die Klinikausstattung schließt alle heutzutage üblichen stationären Arbeits- und Untersuchungsplätze ein. Einzig eine ESWL ist nicht in den Klinikräumlichkeiten vorhanden. In den selten notwendigen Fällen werden diese Patienten von uns in einer benachbarten Klinik betreut.
ArbeitsalltagDer Tag beginnt in der Regel um 07.30 Uhr mit einer ca. 30-minütigen Stationsvisite, die an den Tagen Dienstag (Chefvisite) und Donnerstag belegungsabhängig auf bis zu anderthalb Stunden ausgedehnt wird. Elektive operative Eingriffe werden an den Tagen Montag, Mittwoch und Freitag durchgeführt. An Montagen werden in der Regel ambulante und kinderurologische OPs bevorzugt, mittwochs und freitags größere und endoskopische Operationen.
Die vorstehend genannte Ambulanz wird montags ab 11.00 Uhr, dienstags und donnerstags ab 09.00 Uhr betrieben. An diesen Tagen ist ein Assistent für die in diesem Rahmen anfallenden, vom Chefarzt delegierten Untersuchen zuständig. Die nicht für die Ambulanz eingeteilten Assistenten managen die Station bzw. führen diagnostische und therapeutische Eingriffe an stationären Patienten durch. Ferner sind sie - gemeinsam mit dem Oberarzt Dr. Schmidt - für die konsiliarischen Anforderungen der anderen Fachabteilungen zuständig.
Der Arbeitstag endet offiziell um 16.00 Uhr (40 Stundenwoche), danach beginnt ein Rufbereitschaftsdienst bis 07.30 Uhr des nächsten Tages (15,5 Stunden). Im Regelfall teilen sich die monatlichen Rufdienste auf drei Assistenten auf. Die Wochenenddienste (ebenfalls Rufbereitschaftsdienste) dauern samstags und sonntags je 24 Stunden. An beiden Tagen visitiert der Diensthabende die urologischen Patienten. Zur Vergütung bzw. zur Arbeitsbelastung während der Dienste unten mehr.
Im Regelfall ist der jeweils Diensthabende dazu befugt, Überstunden zu leisten und diese gesondert abzurechnen (s. unten). Ab 16.00 Uhr übernimmt der Diensthabende verbleibende Tätigkeiten aus der Ambulanz und unerledigte stationäre Aufgaben. An den OP-Tagen, insbesondere mittwochs und freitags, fallen Überstunden für die Beteiligten zudem nach 16.00 Uhr bei längeren OPs an.
Leistungsspektrum der KlinikFür eine Klinik dieser Größenordnung ist das operative Spektrum eindrucksvoll. Es deckt die gesamte konventionelle Urologie und Kinderurologie ab. Im kinderurologischen Bereich sind insbesondere Operationen des offenen Processus vaginalis bzw. des nicht deszendierten Hodens häufige Eingriffe.
Endoskopisch häufige Eingriffe: Ureterorenoskopische Steinentfernungen mit semirigidem und flexiblem Gerät, perkutane Nephrolitolapaxie, TUR-Blase. Offene Eingriffe: Nephrektomien, radikale Prostatektomien, Zystektomien mit allen Arten der Harnableitung. Ferner supravesikale Adenomenukleationen.
Hodeneingriffe werden ebenso in größerer Anzahl durchgeführt. Erwähnenswert ist, dass sich Cuxhaven in Nordwestdeutschland eine gewisse Bekanntheit für den Einbau artifizieller Harnröhrensphinkter bzw. Schwellkörperimplantate (sog. Penisprothese) erworben hat.
Kleinere interventionelle Eingriffe wie Harnleiterschienungen, Nierenfistelungen (perkutane Nephrostomie), suprapubische Vesikostomie (SPK) fallen unabhängig davon in größerer Anzahl an.
Ausbildung der AssistenzärzteDer klinischen und im Besonderen der operativen Ausbildung kommt in der Cuxhavener Urologie ein übergeordneter Stellenwert zu. Diese Versprechungen und der Eindruck einer sehr persönlichen, hierarchisch flachen Zusammenarbeit innerhalb der Klinik haben mich 2006 dazu bewogen, die angebotene Stelle anzunehmen. Keine leeren Versprechungen, eher noch Untertreibungen, wie ich nach anderthalb Jahren Erfahrung resümieren kann!
In Gesprächen mit Gleichgesinnten anderer Kliniken stelle ich immer wieder mit einer Mischung aus Genugtuung und Erschrecken fest, wie viele Ausbildungsjahre vergehen, bis wir Assistenten das Operieren tatsächlich beigebracht bekommen. Dabei wird von Seiten der Ausbilder im Kontext der internationalen Wettbewerbsfähigkeit immer wieder betont, dass die Technik des Operierens reine Übungssache ist.
Früh übt sich. Warum also lernt erst ein Facharzt, wie eine Prostata von Anfang bis Ende reseziert wird? Warum operiert in Deutschland erst ein Oberarzt eine radikale Prostata oder eine IPP? Wer sich die Bedingungen näher ansieht, zu denen urologische Fachärzte ihre Qualifikation erhalten, staunt nicht schlecht. Einer transrektalen Prostatabiopsie oder einer Vasektomie wird zumindest auf dem Papier der gleiche Stellenwert zuteil, wie einer TUR-Prostata oder der Operation einer Induratio penis plastica.
Möge sich jeder seine eigenen Gedanken dazu machen, welchen Wert die Qualifikation „Facharzt für Urologie“ beinhalten soll. Wer die Entscheidung trifft, Operieren nicht erst als Oberarzt zu erlernen, der ist in Cuxhaven höchst willkommen. Am Beispiel meiner Person kann ich mit nicht wenig Dankbarkeit, diese gilt dem gesamten Team, feststellen, innerhalb von anderthalb Jahren den urologischen Facharztkatalog fast vollständig „durchoperiert“ zu haben.
Die Eingriffe, die in besonderer Zahl durchgeführt werden, nannte ich bereits und es ist durchaus üblich, bereits im ersten Halbjahr der Ausbildung an eine Nephrektomie und PCNL herangeführt zu werden. Die selbständige Durchführung aller vorstehend genannten Interventionen unter permanenter Anleitung entweder des Chefs oder Oberarztes trägt wesentlich zum Erlernen des Handwerks und zuletzt der Routine bei.
Nicht vernachlässigen, will ich die didaktisch gute Art und Weise, wie man ans Zystoskopieren und an die damit verbundenen Eingriffe herangeführt wird. Während einer zweijährigen Ausbildungszeit in Cuxhaven kann man sich mehr als nur eine solide Grundlage im Bereich der urologischen Röntgendiagnostik, des interventionellen Röntgens, der Harnableitungen, des Zystoskopierens und in der urologischen Sonografie erarbeiten.
Innerhalb der Klinik wird die externe Weiterbildung explizit gefordert und verlangt. Zu Hospitationen in anderen Kliniken und Weiterbildungen wird man unproblematisch freigestellt. Wir Assistenzärzte initiieren gegenwärtig ein zweiwöchentliches Training im Umgang mit flexibler Renoskopie. Hierzu stehen tierische Organpräparate zu Übungszwecken zur Verfügung.
Dass ich unter dieser Überschrift keine Nachteile erwähne hat seinen Grund: Es gibt für mein Empfinden keine.
Dienstbelastung und VerdienstWie bereits erwähnt, gibt es keinen urologischen Hausdienst. Der Diensthabende wird entweder von der Notaufnahmeschwester oder von der Station ins Haus gerufen. In der Regel ist die Dienstbelastung nicht wesentlich, ab 23.00 Uhr kann man normalerweise durchschlafen.
Am Wochenende und während der Touristensaison im Sommer, dann leben ca. 100.000 Menschen in Cuxhaven und Umgebung, kann der Dienst allerdings schon mal stressig werden. Dafür wird er anständig bezahlt, d.h. die Bereitschaft ohne Anwesenheit nach Stufe A, jede anwesende Stunde mit dem Stundenlohn einer Überstunde. Überstunden werden zudem vollständig in Freizeit und zzgl. zu 25% vom Überstundensatz vergütet.
Die Grundvergütung eines nicht fachärztlichen Assistenten liegt über der des Tarifvertrages öffentlicher Dienst.
FazitDie landschaftlich schöne Region „Cuxland“ ist - außer im Winter - eine echte Perle, insbesondere für Wassersportbegeisterte (Surfen, Kitesurfen, Segeln, Kat-Segeln, Wasserskifahren) bieten sich in der wärmeren Jahreszeit attraktive Freizeitangebote. Wer Berge zum Wohlfühlen braucht,...na ja, was soll ich sagen? In den Wintermonaten sieht es ehrlicherweise eher unerfreulich aus. Aber irgendeinen Haken hat wohl jeder Ort.
Bremen ist mit dem Auto in einer guten Stunde zu erreichen, ohne alle Geschwindigkeitsgebote zu missachten. 100 km Fahrt sind aber nicht jedermanns Sache, zumal nicht nach der Arbeit. Cuxhaven ist für akademisches Jungvolk schon ein echtes Nest. Der Schwerpunkt der Regionalpolitik wurde vor Jahrzehnten auf die Attraktivität fürs ältere Völkchen gesetzt. Die Auswirkungen sind noch allgegenwärtig.
Wen ein etwas trostloser Winter nicht stört, wer im Sommer Wassersport begeistert oder überhaupt „outdoor“ orientiert ist und vor allem, wessen Wahl für Cuxhaven ausbildungsorientiert ausfällt, der ist an der Klinik für Urologie und Kinderurologie bei Herrn Dr. Haselberger und seinem Team herzlich willkommen.
Ob der Aktualität möchte ich noch anmerken, dass (Stand 08/2007) in absehbarer Zeit eine Ausbildungsstelle vakant werden wird.
H., O.
Cuxhaven, September 2007 |