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Allgemeinmedizin, Gesundheitszentrum Lauchhammer, Brandenburg
(Krankenhauskarriere oder in die Niederlassung? Eine Alternative, 02.03.2004)

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Vorgeschichte
Gesundheitszentren – eine Alternative
Gesundheitszentrum Lauchhammer
Fazit
Interesse?

Vorgeschichte

Wenn das GMG als Ganzes betrachtet sicher reichliche Ansätze zu kritischen Bemerkungen bietet, so ermöglicht es doch auch eine für Mediziner mit abgeschlossener Facharztausbildung überlegenswerte Karrierealternative. Hierzu nun mein Erfahrungsbericht.

Nach Studium und AiP-Zeit in Göttingen sowie drei sehr schönen Jahren chirurgischer Ausbildung in England landete ich in Heidelberg, um hier meine Ausbildung zum Allgemeinmediziner abzuschließen. Die sich nun stellende Frage: “Wo lässt du dich jetzt nieder?” wurde wesentlich durch die Frage nach dem nächsten Arbeitsplatz meiner Frau überlagert. Aber auch sonst fühlte ich mich, trotz einer wunderbaren und sehr lehrreichen Praxiszeit in Heidelberg, auf die Tücken einer Niederlassung nur höchst unzureichend vorbereitet. HVM, EBM, rote, gelbe und grüne Töpfe usw. bis hin zu Arbeitsverträgen der Helferinnen und Abschreibungsmodi der diversen Geräte - meine Güte, ich bin Mediziner und kein Betriebswirt! Aber erstens kommt es manchmal doch anders und zweitens, als man denkt.

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Gesundheitszentren – eine Alternative

Pünktlich zum Abschluss meiner Praxiszeit und der Klärung der Arbeitsplatzfrage meiner Frau - nach Dresden sollte die Reise nun gehen - fand ich eine Anzeige für einen Allgemeinmediziner im „Angestelltenverhältnis“ etwas nördlich von Dresden. Ein Gesundheitszentrum suchte eine Nachfolge für eine altersbedingt ausscheidende Kollegin. Ohne eigene finanzielle Aufwendungen fand ich hier die Chance, Praxis zu sammeln in des Wortes wahrer Bedeutung. Die Kündigungsfristen waren ebenso wie die finanziellen Bedingungen akzeptabel und so unterschrieb ich.

Exkurs: Insbesondere der Name der ehemaligen brandenburgischen Sozialministerin Regine Hildebrand ist mit dem Erhalt der alten DDR-Polikliniken im Land Brandenburg verbunden. So wurden damals Anfang der 90er Jahre gut funktionierende Strukturen von unterschiedlichen, meist kommunalen Trägern übernommen. Als “Gesundheitszentren” oder auch “311er-Einrichtungen” (nach § 311 SGB) lebten sie ein z.T. heftig und sehr polemisch angegriffenes Exotenleben im nun gesamtbundesdeutschen Gesundheitswesen, lokal eingeschränkt allerdings auf das Land Brandenburg. Das GMG gibt diesen Einrichtungen, nun unter der Bezeichnung “Medizinische Versorgungszentren”, mehr Luft zur kreativen Entfaltung. Zudem dürfen solche Einrichtungen nun auch im restlichen Bundesgebiet errichtet werden.

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Gesundheitszentrum Lauchhammer

Seit fünf Jahren arbeite ich hier nun im ASB-Gesundheitszentrum Lauchhammer als Hausarzt. Allein dieser lange Zeitraum mag Indiz genug sein für die meiner Ansicht nach überwiegend positiven Aspekte der Arbeit als Arzt innerhalb einer solchen Einrichtung.


Eines vorweg: außer ihrem geschichtlichen Hintergrund und überwiegend übernommenen Personal und Räumlichkeiten haben die Gesundheitszentren in Brandenburg mit den alten DDR-Polikliniken NICHTS mehr gemein. Wir arbeiten wie jede Praxis des niedergelassenen Kollegen oder der Kollegin unter den gleichen Rahmenbedingungen wie Punktwerten, Budgets und Regressgefahren - geschenkt wird uns auch nichts.

Eine gemeinsame Verwaltung übernimmt - unterstützt vom medizinischen Sachverstand - alle Verwaltungs- und Einkaufsaufgaben für die derzeit 14 Praxen, so dass wir Kolleginnen und Kollegen uns auf die Arbeit konzentrieren können, für die wir ausgebildet wurden. Unterschiedliche Fachrichtungen ( in meinem Fall Allgemeinmdiziner, Internisten, Pädiater, HNO, Neurologie und Augenärzte) innerhalb der Einrichtung vereinfachen dabei den fachübergreifenden Austausch von Wissen und Erfahrung.

Ein Grundgehalt zuzüglich eines ertragsabhängigen Bonus unterstützt das auch bei uns notwendige wirtschaftliche Denken aller Angestellten, abgesichert durch das komplette Netz der Sozialversicherung. Dieses Grundgehalt basiert auf einer 40-Stunden –Woche, welche sich wiederum nach den individuellen Bedürfnissen der Praxis aus Sprechstunden, Hausbesuchen, Diktaten etc. zusammensetzen. Selbst eine vorübergehende Kürzung der Wochenarbeitszeit - natürlich mit entsprechender Kürzung des Grundgehalts - wegen familiären Zuwachses war mir möglich.

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Fazit

Nun will ich aber nicht in unglaubwürdige Lobhudelei ausarten, denn sicher gibt es bei einem Betrieb mit derzeit etwa 50 Angestellten auch verbesserungswürdige Dinge, die positiven Aspekte überwiegen aber deutlich. Ich habe jedenfalls für mich den Schritt nicht bereut und meinen ursprünglichen Hintergedanken - “nun sammele mal einige Zeit Erfahrung und lass dich dann nieder” - wohl auf Dauer vergessen.

Ein paar Worte noch zum Umfeld. Als gebürtiger Hamburger hatte ich als Zukunftsperspektive auch immer einen Arbeitsplatz mit der Seenähe im Kopf. Nun sind es bis zur Ostsee gut und gern vier Stunden Fahrzeit und trotzdem: Selbst dieser Teil des “Ostens”, ehemals als ein Zentrum der DDR-Schwerindustrie und ob seiner hohen Emissionsbelastung verrufen, bietet sehr viel, so dass ich mich auch in dieser Hinsicht als “Wessi” hier sehr wohl fühle. Heute laden rekultivierte Landstriche zu Fahrradtouren ein, zahlreiche Seen liegen im Umkreis weniger Kilometer, Erzgebirge und Sächsische Schweiz sind ebenfalls nicht weit und Städte wie Dresden, Bautzen oder Görlitz sind immer einen Besuch wert.

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Interesse?

Auch an uns geht der Mangel an qualifiziertem ärztlichem Nachwuchs nicht spurlos vorbei. Interessierten Kolleginnen und Kollegen, insb. aus den Bereichen Innere Medizin, Pädiatrie, HNO und Augenheilkunde, aber auch aus anderen Fachbereichen, stehe ich gern mit weiteren Informationen zur Verfügung, Kontaktadresse gibt’s bei der Redaktion von Stethosglobe.


O., M.
Lauchhammer, März 2004
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