Motivation
Bewerbung
Ankunft und Unterkunft
Das Kreiskrankenhaus Berchtesgaden
Meine Famulatur
Freizeit
Fazit
MotivationDa ich gerne Ski fahre und die Berge liebe, entschied ich mich im Herbst 2003 zu einer Famulatur im Kreiskrankenhaus Berchtesgaden. Leider waren zu dieser Zeit schon alle Famulaturplätze für März 2004 belegt. Also bewarb ich mich einfach schon für das darauf folgende Jahr und bekam auch sofort eine Zusage für eine Famulatur in der Anästhesie.
Da ich im Sommer 2005 eine Anästhesie-Famulatur in Edinburgh machen werde, wollte ich gerne schon mal in Deutschland ein paar Erfahrungen in diesem Fach sammeln, bevor ich dann in Schottland mit der Sprache kämpfen muss. Außerdem hatte eine Kommilitonin im Jahr davor auf derselben Station famuliert und war sehr begeistert.
Als erste Famulatur finde ich die Anästhesie allerdings nicht so geeignet, da man doch schon einen guten Überblick über Pathologie und vor allem Pharmakologie haben sollte. Schließlich ist es in der Anästhesie extrem wichtig, die Wirkung der Medikamente zusammen mit dem körperlichen Zustand des Patienten ins Auge zu fassen und dann die Art der Narkose so optimal wie möglich zu wählen.
Ich hatte meine erste Famulatur in der Kardiologie gemacht, um am Anfang des klinischen Studiums erstmal allgemeine Stationsarbeit kennen zu lernen. Meine zweite war dann in einer Chirurgischen Praxis, da ich gerne etwas Nähen lernen wollte und jeden Tag im OP stehen zu müssen. Die dritte und vierte nun also in der Anästhesie, weil mich dieses Fach einerseits interessiert und es andererseits im Studium viel zu kurz kommt.
BewerbungDie Bewerbung ist als Email, Brief oder Telefonanruf an Frau Herzinger im Personalbüro zu richten und dies am Besten so früh es geht.
Bis März 2005 waren Verpflegung und Unterkunft für Famuli noch kostenlos. Ab April 2005 soll dies aber wohl geändert werden. Genaueres weiß ich allerdings noch nicht, sehr teuer wird es sicher nicht werden, - und es lohnt sich, denn ein billiger einmonatiger Skiurlaub ist es sicherlich.
Ankunft und UnterkunftZusammen mit drei Kommilitonen aus Frankfurt am Main kam ich also am Samstag vor dem Beginn meiner Famulatur in Berchtesgaden an. Bei der Anreise mit dem Auto muss man unbedingt beachten, dass es so kurz vor der Grenze zu Österreich, vor allem in den Ferien oft zu langen Staus kommt. Vor allem bei vereister Fahrbahn. Zum Teil steht man zwischen München und Salzburg ganze Tage lang im Stau. Mit dem Zug reist man anscheinend am besten über Salzburg an.
Unsere Zimmerschlüssel waren uns am Empfang im Krankenhaus hinterlegt worden. Gegen eine Kaution erhielten wir ebenfalls Plastikkarten zum Bestellen der Mahlzeiten. Das Mitarbeiterwohnheim liegt ca. fünf Gehminuten vom Krankenhaus entfernt. Der Komplex besteht aus vier älteren Häusern, die einen - im Winter tief zugeschneiten - Pool umgeben. Wir Famuli waren alle im selben Haus untergebracht, jeder in einem kleinen Zimmer mit Bett, Tisch, Waschbecken, Telefonanschluss und Balkon. Auf dem Flur teilt man sich meist zu zweit Toilette, Badewanne, Dusche, Küche und Bügelzimmer. Die Küchen sind je nach Etage zum Teil komplett (bis hin zum Brotbackautomat) bis kaum (Backofen, Herd und Spüle) ausgestattet. In dem Haus wohnten also insgesamt sieben Famuli, ein Zivi und zwei Schwestern bzw. Küchenkräfte. Letztere beschwerten sich ab und zu über angeblichen Lärm, so dass wir uns leider abends nicht in den Sitzecken im Flur treffen konnten. Aber eines unserer Zimmer war immer groß genug zum Kartenspielen etc.
Bettwäsche ist vorhanden, Handtücher muss man selbst mitbringen. Die Waschmaschinen und Trockner im Keller sind ziemlich neu und für jeden kostenlos benutzbar.
Die Mahlzeiten bekamen wir dreimal am Tag im „Casino“ im Krankenhaus. Wir konnten einen Tag im Voraus immer die Bestellung samt Essensmarke abgeben und bekamen meistens auch das gewünschte Essen, was eigentlich immer sehr lecker war.
Das Kreiskrankenhaus BerchtesgadenDas Krankenhaus in Berchtesgaden ist mit den Krankenhäusern in Freilassing und Bad Reichenhall verbunden und beherbergt nur die drei Fachbereiche Innere Medizin, Chirurgie und Anästhesie. Es gibt zwei Innere, drei Chirurgische, eine Intensivstation und zwei OPs sowie die Bereiche für Physiotherapie und die Ambulanzen bzw. Notaufnahme.
In der Chirurgie werden vor allem unfallchirurgische Eingriffe durchgeführt. Die Spezialität des Hauses sind Hüft- und Knieendoprothesen. Aber man sieht auch laparoskopische und offene Eingriffe an Gallenblase, Blinddarm etc. Einmal die Woche operiert eine HNO-Ärztin ihre Patienten ambulant, an einem anderen Tag kommen zwei Orthopäden mit ihren Patienten in einem der OPs unter. Die Anästhesie kümmert sich dann natürlich auch um diese Patienten.
Die Famuli waren wie folgt aufgeteilt: vier in der Chirurgie, drei in der Inneren und ich alleine in der Anästhesie. Das ist schon relativ viel für ein so kleines Haus.
Man muss aber auch sagen, dass sich die Ärzte hier, obwohl sie jeden Sommer und Winter eine solche Menge an Famuli betreuen, sehr bemühen, dass jeder etwas lernt. Das Klima ist sehr freundschaftlich und dies sogar unüblicherweise zwischen Chirurgie und Anästhesie.
Meine FamulaturAm ersten Tag meiner Famulatur wurde ich vom Chefarzt der Chirurgie aufgesammelt und zur Morgenbesprechung der Anästhesisten gebracht. Diese erklärten mir gleich, was mich die nächsten Wochen so erwarten wird, dass ich vor allem viel Braunülen legen, Maskenbeatmen und Intubieren üben solle und befragten mich nach meinem derzeitigen Kenntnisstand im Bereich Anästhesie - der bis dahin fast null war.
Der Chefarzt der Anästhesie ist zugleich auch Chefarzt in Freilassing, so dass ich ihn nur maximal zweimal pro Woche sah. Ansonsten arbeiten von den vier Anästhesisten immer zwei bis drei pro Tag - je nachdem, ob jemand Urlaub hat.
Der Tag beginnt um 7.30 Uhr mit der Chirurgischen Intensivvisite und Vorbesprechung des OP-Tages mit den Chirurgen. Meistens ging dies sehr schnell, da selten mehr als zwei chirurgische Patienten auf Intensiv lagen und meistens nur zwischen vier bis acht OPs geplant waren. Die OPs begannen so um 8.30 Uhr.
Nachdem ich den Ablauf zwei Tage mehr oder weniger beobachtet hatte, konnte ich mich schnell ganz gut integrieren und wurde auch immer wieder gerufen, wenn es etwas zu tun gab. Ich legte den neu im OP-Bereich eintreffenden Patienten Braunülen und schloss Infusionen und Monitor an. Ich half beim Einschleusen und dann kurz vor der OP beim Einleiten der Narkose. So bekam ich die unterschiedlichsten Narkose und Anästhesieverfahren zu sehen. Viele Patienten, vor allem bei Knie- und Arm-OPs, bekamen Nerven-Katheter zur Schmerzbekämpfung während und nach der OP gelegt. Es gab einige Spinalanästhesien und Plexusblockaden und bei den Vollnarkosen verschiedene Arten der Beatmung (Larynxmaske, Intubation). Interessant waren auch die Narkosen bei den kleine Kindern, die von der HNO-Ärztin operiert wurden. So lernte und übte ich ausführlich das Beatmen per Maske, das einführen von Larynxmasken und das Intubieren.
Wenn während einer Operation dann nicht mehr so viel zu tun war, stellten mir die Anästhesisten immer wieder verschiedenste Fragen zur Wirkung der Medikamente, zu Indikationen der verschiedenen Vorgehensweisen usw. Dabei war es allerdings nicht wichtig, dass ich die richtige Antwort parat hatte. Wenn ich keine Ahnung hatte, wurde mir alles sofort genau erklärt, so dass ich auch viel Theorie lernen konnte.
Natürlich konnte ich auch bei den Operationen zuschauen und wurde oft vom Operateur auf interessante Befunde hingewiesen. Das Klima im OP war allgemein immer sehr entspannt. Nicht einmal erlebte ich einen unfreundlichen, gereizten Chirurgen, selbst bei kniffligen Operationen. Meistens erzählte sogar irgendwer die neuesten Witze.
Der OP-Tag ging meist bis ca. 14.00 Uhr, dann standen manchmal noch Prämedikationen für die Anästhesisten an. Dabei wurden die zu operierenden Patienten über die Narkose aufgeklärt, kurz untersucht und Medikamente ab- oder angesetzt. Doch meistens gab es nachmittags für mich nichts mehr zu tun, so dass ich regelmäßig so um 13.00 Uhr zu Mittag essen ging und danach gehen konnte.
FreizeitMan kann in Berchtesgaden so viel unternehmen, dass man kaum dazu kommt, mal etwas in seinen Lehrbüchern nachzuschlagen oder ansonsten viel Zeit in seinem Zimmer zu verbringen. Wir Famuli waren meistens alle zusammen unterwegs. Salzburg ist in ca. 30 Minuten mit dem Auto erreichbar. In Berchtesgaden gibt es viele schöne Cafés und nette Kneipen, zwei Kinos mit den neuesten Filmen, eine Therme, eine Schnapsbrennerei (mit leckeren Schnäpsen und Likören zum Probieren), die Dokumentation Obersalzberg aus der NS-Zeit, Rodelbahnen und natürlich mehrere Skipisten und unzählige Wanderwegen. Dreimal die Woche kann man dort abends bei Flutlicht Ski fahren.
Am Wochenende lockten uns aber die großen Skigebiete in Österreich. Bis Kitzbühel, Mühlbach oder Zell am See braucht man mit dem Auto maximal eine Stunde und wird mit tollstem Schnee und kilometerlangen Pisten belohnt. Wer keine eigenen Skier und Schlitten dabei hat, kann beides überall leihen oder im März zu extrem günstigen Winterschlussverkauf-Preisen kaufen.
Insgesamt muss man sagen, dass man hier wirklich viel unternehmen kann, vor allem da man davon ausgehen kann, dass man hier auf viele andere Famuli trifft. Es ist aber nicht schlecht, wenn zumindest ein Auto zur Verfügung steht. Zwar fahren auch Busse zu den Skigebieten in der Nähe und Bahnen nach Salzburg und München, aber zum Skifahren nach Österreich kommt man ansonsten nicht. Außerdem ist das Tanken in Österreich viel, viel billiger als in Deutschland und die nächste österreichische Tankstelle ist von Berchtesgaden aus in ca. 20 Minuten zu erreichen.
FazitWer seine Famulatur gerne in Deutschland verbringen will und viel Wert auf eine nette Atmosphäre in der Klinik und viel Spaß in der Freizeit legt, der ist in Berchtesgaden absolut richtig. Ich habe sehr viel gelernt, vor allem Dinge, die in der Uni gar nicht oder nur sehr stiefmütterlich behandelt werden, hatte in der Klinik und in der Freizeit immer nette Leute um mich herum und war umgeben von dick verschneiten Bergen. Wir hatten zwei Wochen lang sehr kaltes Winterwetter und es schneite fast jede Nacht bis zu 50cm Neuschnee und zwei Wochen lang schönsten Sonnenschein und Temperaturen bis zu 20°C, bei denen man aber in den Bergen trotzdem noch Skifahren konnte.
Ich habe keinen Vergleich zu Anästhesie-Famulaturen anderswo, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es viele Kliniken gibt, in denen man soviel selbst machen kann. Und auch wenn das Intubieren bis zum Schluss nicht so doll klappt, wird niemand ungeduldig. Man darf es halt immer wieder ausprobieren.
Ob ich mal in der Anästhesie arbeiten werde, wird sich wohl nach der Famulatur in Schottland und dem PJ-Tertial herausstellen. Ganz abgeneigt bin ich allerdings nach dieser positiven Famulatur nicht.
M., M.
Frankfurt am Main, April 2005 |