Wahl des Krankenhauses
Bewerbung und Unterkunft
Ablauf der Famulatur
Freizeit in Regensburg
Fazit
Wahl des KrankenhausesRegensburg liegt im Osten Bayerns und ist die Hauptstadt des Bezirks Oberpfalz - nicht zu verwechseln mit der Pfalz in Rheinland-Pfalz. Die Stadt hat ungefähr 150.000 Einwohner, eine Universität mit allen Fachbereichen einer klassischen Uni, eine Fachhochschule und einige große Industrieunternehmen wie BMW (1er und 3er werden hier gebaut) und Siemens VDO. Durch die Stadt fließt die Donau, was im Herbst und Winter leider auch zu den oft durch die Stadt wabernden Nebelbänken führt.
Regensburg hat die einzige voll erhaltene mittelalterliche Altstadt in Süddeutschland, mit der es sich derzeit bei der UNESCO um die Aufnahme in das Weltkulturerbe der Menschheit bemüht. Eine besondere Sehenswürdigkeit der Stadt ist die mittelalterliche „Steinerne Brücke“, die auch das Wappen der Universität darstellt.
Das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder ist das größte und bekannteste Versorgungskrankenhaus in Regensburg - mit einer höheren Bettenzahl als die Uniklinik. Gleichzeitig ist es das größte Ordenskrankenhaus Deutschlands. Es gehört zusammen mit seinem Schwesterhaus München in die Trägerschaft der bayerischen Ordensprovinz des katholischen Hospital-Ordens vom Hl. Johannes von Gott.
Die Abteilung für Unfallchirurgie von Prof. Neugebauer hat einen exzellenten Ruf - mit Elektivpatienten aus ganz Europa - und ich dachte, wenn ich schon eine chirurgische Famulatur mache, dann richtig. Ich würde mich in der Zukunft zwar eher als einen nicht schneidenden Arzt sehen, aber ein kleiner Einblick auf die andere Seite hat noch niemandem geschadet. Außerdem kannte ich das Haus bereits aus meiner Tätigkeit als Rettungssanitäter und Mitstudenten hatten es mir wärmstens für eine Famulatur empfohlen.
Bewerbung und UnterkunftDie Bewerbung ist auch sehr unkompliziert - im Gegensatz zu, wie ich feststellen musste, den meisten Auslandsfamulaturen, bei denen man ja meist ohne persönliche Beziehungen zu Entscheidungsträgern vor Ort da steht.
Man schreibt einfach eine Email mit seinem Anliegen und den gewünschten Zeiten und erhält innerhalb kürzester Zeit Antwort! Ein Vorlauf von ein paar Wochen sollte ausreichen, obwohl man natürlich mit einer früheren Planung auf der sichereren Seite ist.
Da ich in Regensburg studiere, war für mich die Unterkunft kein Problem, aber das Haus bietet wohl auch für externe Famuli Zimmer im Personalwohnheim an. Und dies auch für Praktikanten, die ihre Unipraktika extern machen können. Ich habe während meiner Zeit einen Studenten aus Giessen kennen gelernt, der das in Regensburg gemacht hat. Außerdem bekommt man Kleidung und Essen, in der wirklich nicht schlechten Personalkantine, kostenlos gestellt.
Ablauf der FamulaturAm ersten Tag wurde ich von einem Oberarzt in Empfang genommen und er hat mir die grundlegenden Sachen im Krankenhaus erklärt, also Kleidung, Essenskarte, OP-Plan, Tagesablauf.
Auch der Erwerb einer Parkplatzkarte für den Personalparkplatz wäre möglich gewesen. Um diese Ausgabe, obwohl es nur ein paar Euro gewesen wären, habe ich mich aber als etwas Ortskundiger gedrückt und hatte auch jeden Morgen Glück, einen Parkplatz mit nur ein paar Metern bis zum Nebeneingang des Hauses zu ergattern.
Um 7.30 Uhr begann der Tag mit der Röntgenbesprechung, die mit der Zeit immer interessanter wurde, aber doch noch recht früh für mich war. Auch wenn man mal ein bisschen später kam, wurde dies nicht als Makel gesehen. Nach der Röntgenbesprechung ging dann der OP-Plan von Hand zu Hand und ich sah bereits am ersten Tag meinen Namen im OP des Chefs verplant.
Um 8.00 Uhr war dann „Schnitt“ im OP angesetzt, wobei mir am ersten Tag der Chef selbst die verschiedenen „Dos & Don'ts“ erklärt hat. Ich hatte zwar schon bei meinem RS-Praktikum einen OP von innen gesehen, fand es aber trotzdem nett, dass sich der Chefarzt die Mühe mit einem „kleinen“ Famulus genommen hat.
In den folgenden Wochen bin ich dann durch die verschiedenen OPs rotiert, ein Tag Endoprothetik, ein Tag Handchirurgie usw. Alles was die Unfallchirurgie bzw. orthopädische Chirurgie halt so hergibt. Die körperliche Anstrengung des Hakenhaltens sollte man nicht unterschätzen. Ich bin eigentlich jeden Tag gerädert nach Hause gegangen.
Auf der anderen Seite ist der Umgangston in der Neugebauer-Abteilung sehr freundschaftlich, jeder der Ärzte war für Fragen offen und ich wurde nie als unwissend, unbedarft o.ä. hingestellt. Man durfte, wenn man wollte, auch die Hautnähte knüpfen. Röntgenbilder, OP-Planung und Vorgehen wurden immer erklärt. Wenn man aber mal keine Lust auf Lehre hatte, wurde man auch in Ruhe gelassen.
Gleichzeitig mit mir war ein Professor aus dem Iran als Gastarzt am Haus, mit dem ich einige sehr interessante Gespräche über Bayern, Persien und insbesondere unsere doch sehr verschiedenen Gesundheitssysteme führte. Seiner Meinung nach war vieles an hier durchgeführten Operationen und Prozeduren „overtreatment, just overtreatment“. Vielleicht auch mal ein interessanter, anderer Blickwinkel auf die Sache. Was dem einen schon als zu wenig, erscheint dem anderen als noch viel zu viel...
Wenn ich nicht auf dem OP-Plan stand, ungefähr jeder vierte Tag, dann konnte ich frei entweder auf die Station oder in die Aufnahme gehen. Auf der Station war ich nur einmal, da mich die zweite Alternative um einiges mehr interessiert hat. Dort wurde ich dann auch voll in den alltäglichen Ablauf einbezogen, behandelte die Patienten mit, bekam auf Wunsch oder planloses Blicken alles nett erklärt. Also Verlaufskontrollen, Verbandswechsel, Nähen und wieder Fäden ziehen, Briefe diktieren (alles in ein elektronisches Diktierprogramm), Röntgenbilder anschauen usw.
Zu der Tätigkeit auf Station kann ich nicht viel sagen, wird sich sicher aber nicht groß von den Tätigkeiten eines Famulanten auf anderen chirurgischen Stationen unterscheiden.
Auch ein Mitarbeiten in den Nachtdiensten wäre möglich gewesen, was ich aber nicht gemacht habe, da ich während der Zeit der Famulatur noch ein paar Nachtschichten in meinem Nebenjob als Sanitäter gefahren bin. Im Nachhinein vielleicht ein Fehler, nicht zumindest einen Nachtdienst mitgemacht zu haben.
Als ich mich am letzten Tag verabschiedet habe, war der leitende Oberarzt entsetzt: „Du stehst doch für Montag auf dem Plan? Magst du nicht noch kommen?“ Na ja, bei aller Liebe zur Chirurgie und der freundlichen Aufnahme in der Abteilung, war der anstehende Urlaub dann doch etwas zu verlockend.
Freizeit in RegensburgAls hiesiger Student kann ich über Regensburg - insbesondere im Sommer - nur Gutes berichten. Man hat in der Altstadt eine Unzahl an Kneipen, aus der man wählen kann. Das Angebot an Kinos ist gut - Altstadtkinos und „Regina“ als klassische, dazu die Kinos im „Leeren Beutel“ und im „Andreasstadl“ mit eher ausgefallenem Programm und das CINEMAXX kennt man ja. Auch ins Theater, z.B. Stadttheater mit verschiedenen Spielorten oder auch das „Turmtheater“, kann man gehen.
Vom Sportangebot aus gesehen, hat man in der Nähe der Barmherzigen Brüder das „Westbad“ als größtes der Regensburger Hallenbäder. Die Donau ist ein netter Platz zum Laufen und Radfahren, auch Grillen kann man dort gut. Als Ziele fürs Wochenende bieten sich München und Salzburg an, beide mit dem preiswerten Bayernticket von Regensburg aus zu erreichen (München direkt in 90 Minuten, Salzburg in 160 Minuten mit Umsteigen in Landshut).
FazitFalls sich jemand für eine unfallchirurgische oder jetzt ja auch orthopädische Weiterbildung nach dem Studium interessiert, könnte das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Regensburg wirklich eine Möglichkeit darstellen. Die Stimmung innerhalb der Abteilung war sehr gut, obwohl man sicher als Famulant in den paar Wochen nicht in die wirklichen Tiefen eines Betriebes wird blicken können.
Bzgl. der Planung einer chirurgischen Auslandsfamulatur würde ich in jedem Fall zuerst im Inland famulieren, um so das grobe Handling schon heraus zu haben. Dann stellt man sich in einer fremden Umgebung, obwohl auch Bayern für den einen oder anderen nördlich des Mains ja schon fremd und exotisch ist, nicht an wie ein totaler Anfänger, der man ja auch nicht mehr ist, und kann so schon mal einen kleinen Vertrauensvorschuss bei den dortigen Kollegen bekommen.
Eine kleine Anmerkung zuallerletzt: Das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Regensburg ist seit kurzem Lehrkrankenhaus der Universität Regensburg. Deshalb wird man als Famulant sicher einige zeitgleich arbeitende PJ’ler antreffen. Dies kann positive und nicht so positive Seiten haben. Mehr Medizinstudierende kann bedeuten mehr Kontakte, OP-Hakenhalten kann aufgeteilt werden, auf der anderen Seite verkürzt sich die Zeit der Ärzte für die einzelnen Studenten. Trotzdem ist das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder sicher auch in Zukunft eine, wie bereits dargestellte, gute Wahl für Famuli in Ostbayern.
H., C.
Regensburg, Januar 2006 |
|
|