Erste Famulatur – aber wo?
Die Station und die Uniklinik Heidelberg
Die Arbeit
Unterkunftsmöglichkeiten in Heidelberg
Mein Fazit
Erste Famulatur – aber wo?Wie ich zu meiner Famulatur in der Endokrinologie der Uniklinik Heidelberg gekommen bin? Meine Famulatur auf der Endokrinologiestation des Universitätsklinikums Heidelberg (Krehl- Klinik) war meine allererste Famulatur, und mein Weg dorthin hat sich dadurch, dass ich in Heidelberg studiere, praktisch von alleine ergeben. Nach dem Sommersemester 2005 hatten wir Heidelberger das erste Mal seit Beginn des Wintersemesters 04/05 lange Semesterferien (im Frühjahr gibt es diese nicht mehr, nur 2-wöchige vorlesungsfreie Zeiten entsprechend der Schulferien), weshalb ich zu diesem Zeitpunkt im August meine erste Famulatur begann. In die Innere Medizin wollte ich, da ich das komplette Sommersemester lang ausschließlich Innere Medizin hatte, und deshalb wollte ich meine Famulatur auch in diesem Bereich absolvieren.
Dass ich auf die Endokrinologiestation gegangen bin, lag daran, dass wir in den Endokrinologie-Seminaren einen super motivierten und sympathischen Arzt hatten, und ich habe ihn dann persönlich nach dem Block Endokrinologie angesprochen und problemlos, sofort und informell einen Famulaturplatz bei ihm auf Station erhalten. Von Famuli, die von auswärts nach Heidelberg an die Uniklinik gekommen sind, habe ich gehört, dass sie ebenfalls problemlos, nur eben über das Studentensekretariat, einen Famulaturplatz erhalten haben. Als zeitlichen Vorlauf reichten bei mir 14 Tage. Wenn man gezielt auf eine Station an der Uniklinik Heidelberg will, würde ich empfehlen, 6-8 Wochen vorher dafür anzufragen. Ist man nicht fixiert auf eine Station, so kann man auch kurzfristig einen Famulaturplatz erhalten.
Vielleicht noch ein Wort zur Vorbereitung auf meine Famulatur und warum ich in Deutschland und in Heidelberg geblieben bin. Als Vorbereitung war für mich ein Semester lang Innere Medizin natürlich perfekt. Ich habe gemerkt, wie unwahrscheinlich viel es ausmacht, wenn man bereits Scheine in einem Fachgebiet gemacht hat, in dem man famuliert. Es ist ein ganz anderes medizinisches Mitdenken und Arbeiten, man kann viel, viel mehr nachvollziehen und eigentlich nur so konkretes, effektives ärztliches Handeln lernen!
Für meine erste Famulatur war es mir wichtig, die „Basics“ wie Blut abnehmen, Nadeln legen, körperliche Untersuchung und Aufnahmegespräche etc. ohne Sprachprobleme erlernen zu können. Und Heidelberg ist, für alle die es nicht kennen, eine wunderschöne Stadt, in der ich seit dem 5. Semester studiere und es unwahrscheinlich toll finde, dort zu leben. So musste ich mich um keine Wohnung und nichts weiter kümmern und konnte einigen persönlich wichtigen Dingen in dieser Zeit, die mich an Heidelberg banden, neben der Arbeit im Krankenhaus weiter nachgehen.
Die Station und die Uniklinik HeidelbergDie Endokrinologie Station, Station „Naunyn“ heißt sie, auf welcher ich war, ist eine Station, auf der man nicht nur Patienten mit endokrinologischen Erkrankungen hat, sondern auf der das komplette internistische Spektrum liegt, was es wirklich sehr interessant und wertvoll macht, dort zu famulieren! Es reicht von Patienten mit PAVK, Herzinsuffizienz, COPD, Pneumonien, Pankreastumoren, Niereninsuffizienz über Patienten mit unklarem Fieber, mit Sepsis oder Magen-Darm-Erkrankungen bis zu Patienten im Zustand nach Lebertransplantation, und dazu kommt dann natürlich noch das komplette endokrinologische Krankheitsspektrum! Dies nur als ein paar Beispiele um zu verdeutlichen, dass man ein riesiges Spektrum mitbekommt, ob als Aufnahmegrund oder als Begleiterkrankung.
Sicherlich ist der Wert einer Famulatur immer davon abhängig, an welchen Stationsarzt man gerät, ob dieser motiviert ist und Lust hat, den Studenten Dinge zu erklären und zu zeigen und sie in seine Arbeit zu integrieren. Und ein zweiter, ebenfalls sehr wichtiger Punkt ist, ob der Stationsarzt bereits mehrjährige Erfahrung besitzt oder er ein „Neuling“ ist, denn neue Assistenzärzte müssen sich immer erst selber einarbeiten und zurechtfinden und können fachlich noch gar nicht so fit sein, dass sie selbst bei jeder Fragestellung sicher sind.
Ich habe diesen Gegensatz auf der Station kennen gelernt. Ich war die ganze Zeit meiner dreiwöchigen Famulatur bei einem erfahrenen Stationsarzt und einen Tag bei einer neuen Assistenzärztin, die gerade drei Wochen Arbeitserfahrung auf der Station hatte, und die gar nicht die Zeit und das Wissen hatte, mir und den PJ’lern, die noch da waren, viel zu erklären und zu zeigen. Was noch gut zu wissen ist bezüglich der Endokrinologie an der Uniklinik Heidelberg: es gibt neben der Station „Naunyn“ noch eine Station „Morawietz“, auf welcher nur Privatpatienten liegen. Zu den Ärzten dort kann ich leider nicht viel sagen, ich kenne nur die Ärzte von Station „Naunyn“.
Die Uniklinik Heidelberg ist eine unwahrscheinlich modern und perfekt ausgestattete Klinik, die Endokrinologie ist, wie manch anderes Fachgebiet, sehr bekannt, weil der Name des Chefarztes weit über Deutschland hinaus eine sehr gute Reputation genießt, und dementsprechend ist auch sehr gutes Personal dort! Es wird allerdings, siehe auch später in meinem Bericht, recht lang gearbeitet, bis 17.00 Uhr ist völlig normal.
Die Arbeit Arbeitsraum |
| Die Arbeit begann morgens um 8.00 Uhr mit Blutabnahmen, VIGOs legen und mit der Durchführung von endokrinologischen Tests bei verschiedenen Patienten.
Ich wurde an meinem ersten Tag sehr gut aufgenommen und bekam von einer anderen Famulantin alles gezeigt, und auch die Schwestern zeigten sich jederzeit bereit, mir zu helfen, falls ich etwas nicht fand oder sonstige Fragen hatte. Nach ein bis zwei Tagen kannte ich mich auf der Station einigermaßen gut aus. Es ist kein Problem sich dort zurecht zu finden und es ist eine sehr gut ausgestattete, neue Station.
Es war nie ein Problem, wenn Blutabnahmen oder Nadeln legen o.ä. nicht klappten. Dadurch dass noch PJ’ler da waren, die zum Teil wesentlich mehr Erfahrung damit hatten als ich, ging mir immer jemand zur Hand, wenn ich selbst es nicht schaffte. Und genauso wenig war es ein Problem, dem Stationsarzt zu sagen, dass ich es nicht geschafft habe, bei einem Patienten eine Nadel zu legen oder wenn sonstige Probleme auftraten. Diese Arbeit zog sich am Vormittag bis 9.00 Uhr, 9.30 Uhr hin. Dann wurden die ersten Aufnahmen vorbereitet und aufgenommen bzw. zuerst Visite gemacht und danach dann die Aufnahmen. Das war flexibel und nicht strikt vorgegeben.
Die Visite war supergut! Der Arzt nahm sich sehr viel Zeit, uns alle möglichen Krankheitsbilder zu erklären. Er fragte uns viel und band uns total ein, und wir, damit meine ich alle Famuli und PJ’ler, konnten alle Fragen stellen. Zum Teil machte er sogar nur für uns Visite! Besonders wertvoll war dies, wie ich ja schon erwähnte, weil es so viele verschiedene Krankheitsbilder auf der Station gab. Der Stationsarzt gab uns das Gefühl, ein richtiges Team zu sein und band uns total mit ein, und dies hat mir unheimlich gut gefallen und mich sehr motiviert! Die Visite ging unterschiedlich lange und richtete sich verständlicherweise in der ihrer Länge auch danach, wie viel Arbeit auf Station noch erledigt werden musste bzw. wie viele Neuaufnahmen kamen.
Die Neuaufnahmen erledigten wir Famuli und PJ’ler selber. Jeder bekam eine Aufnahme bzw. es wurde sich problemlos abgesprochen, und so konnte ich jeden Tag, wenn ich wollte, eine komplette Krankenvorgeschichte aus der Akte mir anschauen, eine komplette Anamnese und eine komplette körperliche Untersuchung durchführen. Nach dem Aufnehmen der Patienten schrieben wir das Deckblatt der Patientenakte am Computer und übergaben den Patienten dem Stationsarzt. Auch hier muss ich sagen, dass dies unheimlich viel gebracht hat. Wir mussten ihm den Patienten vorstellen und er fragte nach den wichtigsten Dingen, die er wissen wollte; wenn mal etwas von uns vergessen wurde, war dies überhaupt kein Problem, sondern, im Gegenteil, der Arzt erklärte uns, auf was wir achten müssten und was wichtig sei. Wir gingen dann einfach noch einmal zum Patienten hin, und der Lerneffekt war riesig! So lernte ich dadurch das zielgerichtete, medizinische Denken kennen und konnte auch hier mit jeder Frage und Unsicherheit zu meinem Stationsarzt kommen.
Das war in der Regel die Arbeit des Vormittags. Wir gingen dann alle zusammen Mittag essen. Die Mittagspause war gemütlich und mindestens eine Stunde lang und es gab viel Zeit für persönliche Gespräche oder Fragen rund um die Stationsarbeit und den Karriereweg im Krankenhaus etc. Ich persönlich fand diese Mittagspause immer unheimlich wertvoll! So kamen wir alle untereinander persönlich sehr gut in Kontakt und hatten nicht nur die Arbeit zusammen, was sich auf die Atmosphäre in unserem Team unheimlich positiv auswirkte. Der Stationsarzt war sehr offen und erzählte von vielen Einblicken in die Krankenhausarbeit und von vielen seinen Erfahrungen, und das finde ich selbst immer unheimlich toll, so etwas von einem praktisch fertigen Facharzt erzählt zu bekommen, um ein konkretes Bild zu erhalten, was nach dem Studium auf einen zukommt!
Der Nachmittag ging dann weiter mit den noch übrig gebliebenen Aufnahmen bzw. mit allem, was anfiel: Pleura- oder Ascitespunktion, Knochenmarksbiopsien, arterielle Punktionen, EKG schreiben, eventuell noch endokrinologische Tests durchführen, telefonische Absprachen mit Hausärzten der Patienten oder anderen Kliniken führen, wo die Patienten vorher waren, - es waren ganz viele verschiedene Aufgaben, die uns der Arzt alle selbständig unter seiner Leitung durchführen ließ!
Die PJ’ler gingen so um halb Vier von der Station, weil jeden Nachmittag für alle PJ’ler der Uniklinik Heidelberg ein PJ- Unterricht angeboten wird. Der ging bis 17.00 Uhr, und je nach anfallender Arbeit kamen sie dann noch mal oder auch nicht. Das heißt, dass ab dann wir Famuli bzw. in der letzten Woche ich als einziger Famulant alleine mit dem Arzt auf Station war. Dies war, bei der Menge an anfallender Arbeit, gerade wenn wir sehr kranke Patienten auf der Station hatten, unheimlich herausfordernd und zum Teil auch überfordernd, wenn man bei Patienten mit schlechten Venen einfach kein Blut findet oder keine Nadel gelegt bekommt, es aber absolut notwendig ist. Aber auch in diesen Fällen hatte ich den Stationsarzt immer hinter mir.
Es war wirklich ein tolles Verhältnis. Er nahm sich viel Zeit für uns Studenten, und wir gaben ihm dies mit unserer Arbeit zurück. Der Nachmittag endete meistens so um 17.00 Uhr, manchmal auch erst um 17.30 Uhr oder noch später, wobei es dann meine eigene Entscheidung war, länger zu bleiben als 17.30 Uhr, weil es noch interessante und herausfordernde Dinge zu tun gab.
Unterkunftsmöglichkeiten in HeidelbergDies ist für mich schlecht abzuschätzen, da ich selbst ein Zimmer in Heidelberg habe. Von einer Famulantin aus Wien, die in der Zeit mit mir zusammen famuliert hat, weiß ich, dass es über die Sommermonate einige Möglichkeiten gibt, zur Zwischenmiete irgendwo unterzukommen. Es gibt verschiedene Internetseiten zum Wohnungsmarkt in Heidelberg, die sehr gut sind und auf denen auch Zimmer zur Zwischenmiete aufgeführt sind, und es gibt das Studentenwerk als Möglichkeit, um in einem Wohnheim eine Unterkunft zu bekommen. Über Google oder andere Suchmaschinen sind diese Seiten leicht zu finden.
Mein FazitDas Fazit meiner Famulatur lautet: einfach spitze! Ich habe unheimlich viel gelernt und einen aus meiner Sicht unheimlich guten Einblick in die Arbeitswelt Krankenhaus bekommen.
Meiner Meinung nach war diese Famulatur so unheimlich gut, weil der Arzt, bei dem ich war, selbst schon sehr erfahren war (bereits fünf Jahre auf Station und fast fertiger Facharzt), und er selbst unheimlich gut und effektiv gearbeitet hat. Somit blieb viel Zeit über, um uns Studenten viel zu zeigen und zu erklären.
Was auch toll war, zu erleben, wie man in einem Team so gut auf Station zusammenarbeiten kann, und auch da hatte der Stationsarzt sehr großen Anteil daran.
Ich kann jedem nur diese Station empfehlen, weil es fast das komplette internistische Spektrum ist, das man kennen lernen kann. Ich würde nur jedem sehr raten nachzufragen, zu welchem Arzt man kommt, sprich wie lange der Stationsarzt schon auf Station ist, weil es da große Unterschiede gibt. Und mein so unheimlich positives Fazit meiner Famulatur bezieht sich auf die Arbeit mit dem erfahrenen Stationsarzt!
Ob ich mir, trotz der guten Famulatur, vorstellen könnte, später im Uniklinikum Heidelberg zu arbeiten, weiß ich nicht. Es ist eine sehr hohe Arbeitsbelastung mit Arbeitszeiten von 7.00-20.00 Uhr. Wenn man als Assistenzarzt beginnt, je nach Fach und wie sehr man sich noch einarbeiten muss, sind die Arbeitszeiten noch länger. Es ist sicherlich unheimlich interessant, verschiedene Bereiche wie Forschung, Lehre und die Arbeit als Arzt zu haben, aber die Frage, die sich für mich dabei stellt, ist die, zu welchem Preis ich dies machen würde. Und nur wegen der Karriere - die Uniklinik Heidelberg ist als bekannt gutes Universitätsklinikum ein unheimlich gutes Sprungbrett für viele, später als Oberarzt oder Chefarzt an einem anderen Krankenhaus zu landen - werde ich dies sicherlich nicht tun.
S., A.
Heidelberg, September 2005 |