Wie alles begann…
Das Haus und „Meine“ Station
Mein Weg zur Famulatur
Erster Eindruck
Aufgaben auf Station
Meine Arbeit im Kreißsaal
Meine Arbeit im OP
Arbeit in der ambulanten Versorgung
Mein Fazit
Wie alles begann…Ich studiere Medizin im achten Semester an der Justus-Liebig-Universität Giessen und als ich anfing, mir im zweiten klinischen Semester Gedanken über meine bevorstehende erste Famulatur zu machen, wusste ich anfangs überhaupt nicht, mit welchem Fach ich beginnen sollte. Ich hatte zwar durch meine Ausbildung als Krankenschwester schon gewisse Vorstellungen, was es auf keinen Fall sein sollte, aber eine definitive Entscheidung musste her!
Mein erster Schritt war die Auswahl des Hauses. Für mich persönlich schied die Uni-Klinik von Anfang an aus, da doch immer viele Famuli und PJ’ler, Krankenpflegeschüler und Hebammenschüler und so weiter betreut werden wollen, und ich befürchtete, als kleines Licht ganz am Anfang meiner Famulantenkarriere dort kläglich unterzugehen.
Das nette, kleinere Haus war dann auch schnell gefunden. Durch Freunde, Bekannte und Familie war ich schon öfter auf das katholische Krankenhaus aufmerksam geworden, da alle die hervorragende Betreuung und das freundliche Arbeitsklima gelobt hatten. Außerdem wurden 90 Prozent meiner Familie dort geboren und nach dem einen oder anderen Disaster wieder zusammengeflickt. Also lag es quasi auf der Hand, mich dort einmal umzuhören.
Das Haus und „Meine“ StationDas katholische Krankenhaus ist ein Haus der Grundversorgung mit 170 Betten, verteilt auf die Gebiete Viszeral- und Unfallchirurgie, Anästhesie, Gynäkologie/Geburtshilfe, Geriatrie und HNO. Es steht unter der Trägerschaft des Kloster Maria Hilf in Bühl und daraus folgte, dass viele meiner neuen Kollegen Ordensschwestern waren.
Das Krankenhaus hat eine eigene Krankenpflegeschule mit 60 Plätzen, einen Wohnheimtrakt, einen schönen Garten mit einer überaus leckeren Cafeteria und war 2003 erweitert und renoviert worden. Das gefiel mir alles sehr gut!
Meinen Fachbereich fand ich auch schnell. Das Haus hat eine Geburtenrate von circa 1000 Kindern im Jahr - mehr als unsere Uni-Klinik - und da mich die Gynäkologie sehr interessierte, war meine Entscheidung gefallen.
Zu damaligen Zeiten war die gynäkologische/geburtshilfliche Abteilung noch eine reine Belegarztstation (ist heute anders) mit fünf angestellten Ärztinnen in der Klinik. Zu betreuen gab es 38 Betten, dazu ambulante Patientinnen, konsiliarische Patientinnen von Nachbarstationen und mich als Famulantin!
Mein Weg zur FamulaturEr war ganz einfach. Ein Anruf circa drei Monate vor meinem geplanten Beginn genügte. Es war ein sehr nettes und informatives Telefonat, in dem ich schon mal etwas über meine zukünftigen Aufgaben erfahren konnte. Es wird sehr darauf geachtet, dass immer nur ein Famulant alleine auf der Station ist. Das ist erstens für die Betreuung super und zweitens für die Patientinnen angenehmer.
Ich hatte das Fach Gynäkologie in der Universität noch nicht gehabt, aber dies war dann überhaupt kein Problem. Es war immer jemand da, der mir etwas erklären konnte, und es gab viele Lehrbücher, die ich benutzen durfte.
Erster EindruckIch habe mich also überraschen lassen von meinem ersten Eindruck. Mein Tag begann morgens um sieben Uhr mit der Übergabe von der Dienst habenden Ärztin. Ich wurde von allen sehr herzlich empfangen und bin erst einmal durch das Haus geführt und bei der Verwaltung angemeldet worden. Dort habe ich auch einen Coupon erhalten, mit dem ich einmal am Tag umsonst in der Cafeteria essen durfte.
Ich konnte überall dabei sein, sprich bei den Visiten, im OP, im Kreissaal, bei den ambulanten Untersuchungen und ich habe auch die (lästigen) Schreibarbeiten mitbekommen. Der Tagesablauf war wie fast überall: Um sieben war die Übergabe vom Dienstarzt, dann ging es auf Visite. Danach wurden die Stationsarbeit erledigt, der Kreissaal betreut und die ambulanten Patienten versorgt.
Donnerstags war OP-Tag für die geplanten OPs, aber zwischendurch gab es natürlich immer mal wieder ungeplante Operationen.
Aufgaben auf StationDie Stationsarbeit war erst schon sehr typisch für eine Famulatur: Blutabnahmen, Zugänge legen, Infusionen verabreichen und Untersuchungen durchführen. Auch bei der so genannten U2, die vom Kinderarzt durchgeführt wurde, war ich oft dabei und habe dadurch auch ein paar „Raritäten“ (Herzecho beim Neugeborenen) mitbekommen.
Als dies alles geklappt hatte und ich den Stationsablauf kannte, durfte ich auch Drainagen versorgen bzw. ziehen, Fäden entfernen, Entlassungsgespräche führen usw. Ich habe auch viele sog. Problemschwangerschaften (Hypertonie, Diabetes, vorzeitige Wehen) mit betreut und konnte die Entwicklung der Schwangeren mitverfolgen.
Es wurde sehr großes Vertrauen in mich gelegt und ich konnte mit einem hohen Maß an Selbstständigkeit arbeiten. Dabei fühlte ich mich aber nie alleine gelassen. Ich konnte immer auf jemanden zurückgreifen, wenn etwas nicht klappte. Mir wurde auch mit einer Engelsgeduld ungefähr 7000-mal erklärt, wie man Zugänge legt. Das ist bei Schwangeren nämlich ein gar schwieriges Unterfangen…
Meine Arbeit im KreißsaalDies war absolut spitze! Neben den üblichen Aufgaben (Zugänge, Blutentnahmen, Untersuchungen) lernte ich hier das Lesen und Interpretieren von CTGs, ich habe Mutterpässe ausgefüllt, lernte viel über wichtige Medikamente in der Geburtshilfe und konnte die verschiedenen Stadien einer Geburt abschätzen (Muttermund Veränderungen, Lage des Kindes etc.). Ich habe auch den Anästhesisten oft bei den Periduralanästhesien über die Schulter geschaut und sie Löcher in den Bauch gefragt.
Das absolute Highlight waren natürlich die Geburten und davon habe ich wirklich viele gesehen! Da war oft meine aktive Mithilfe - auch in kritischen Situationen - gefragt, was mir natürlich sehr gefallen hat. Auch in der Nachgeburtsperiode gab es viel zu lernen für mich. Ich konnte den Neugeborenen Blut aus der Nabelschnur entnehmen, die Kinder (mit) untersuchen, die Nähte der Epis mit verfolgen usw.
Noch eine kleine Anmerkung, falls Ihr auch in der Geburtshilfe famulieren wollt. Der Umgang mit Gebärenden - und natürlich auch gynäkologischen Patientinnen - erfordert sehr viel Sensibilität und Feinfühligkeit, da es auch einen ziemlich intimen Bereich der Frau betrifft. Deshalb stellt Euch nicht erst die letzten fünf Minuten der Geburt dazu, sondern stellt Euch schon im Vorfeld vor, plaudert ein bisschen und schaut immer mal wieder vorbei. Das ist leider für viele nicht selbstverständlich! Außerdem ist es sehr interessant, wie sich die Frau im Laufe der Geburt verändert!
Meine Arbeit im OPZuerst war ich nicht darüber erfreut, mit in den OP zu gehen, da ich kein großer Freund des grünen Saales bin. Nach diesen vier Wochen habe ich es geliebt!
Im OP durfte ich von Anfang an in erster Assistenz mitarbeiten. Es wurde in zwei Sälen gleichzeitig operiert und ich habe meist bei den großen OPs (Sectio, UE, laparoskopische Eingriffe) assistiert und bei den kleineren (Abrasio, Hysteroskopie) zugeschaut. Das Eindrucksvollste waren natürlich die Sectiones. So kleinen Menschen auf die Welt zu helfen und sie abzunabeln, ist wirklich eine der schönsten Dinge, die ich gemacht habe.
Nach den OPs standen noch die Entlassungsgespräche für die ambulanten Patientinnen auf dem Programm. Nebenbei habe ich mal bei der Anästhesie reingeschnuppert und Intubieren gelernt. Auch im OP wurde ich prima betreut und bekam alles erklärt, was ich wissen wollte.
Arbeit in der ambulanten VersorgungBei der Versorgung der ambulanten Patientinnen habe ich das Schallen gelernt. Das heißt, dass ich jetzt mit den vielen Knöpfen am Sono-Gerät etwas anfangen kann und sogar weiß, was auf den Bildern zu sehen ist! Zu meinem großen Glück, war eine Stationsärztin gerade schwanger und somit konnte ich die Biometrie bis zum Abwinken üben. An dieser Stelle noch mal herzlichen Dank und liebe Grüsse an den Kurzen!
Weiterhin habe ich z.B. Amniozentesen und Doppler Untersuchungen der Nabelschnüre gesehen. Auch die Aufklärungsgespräche und Untersuchungen für die geplanten OP Termine habe ich hier mitbekommen bzw. machen dürfen.
Mein FazitIch war und bin immer noch begeistert von dieser tollen Famulatur! Die Betreuung vonseiten der Ärzte war toll. Ich durfte sehr selbstständig arbeiten, konnte aber immer mit Hilfe rechnen, wenn ich sie brauchte.
Es war für mich auch kein Nachteil, dass ich Gynäkologie noch nicht in der Uni hatte. Mir wurde alles erklärt und es gab auch viele Lehrbücher auf Station, mit denen ich arbeiten konnte. Ich hatte auch nie das Gefühl, als die „kleine“ Famulantin angesehen zu werden, sondern wurde eher als Kollegin behandelt.
Ich habe sehr viel gesehen und gelernt. Davon profitiere ich gerade in meinem jetzigen Semester, in dem ich Gynäkologie habe.
Obwohl die Gynäkologie/Geburtshilfe eine der sensibelsten Gebiete der Medizin ist, war es für mich der richtige Einstieg zur praktischen Arbeit als spätere Ärztin. Die Arbeit dort hat mich feinfühliger im Umgang mit meinen Patienten gemacht und mich darin geschult, auch zwischen den Zeilen zu lesen. Außer meiner praktischen Ausbildung habe ich hier gelernt, wie bedeutend eine ganzheitliche Medizin für eine gute Genesung bzw. eine gute Geburt ist.
Ich möchte mich nochmals herzlich bei dem ganzen Team der Station für diese tolle Erfahrung bedanken!
Z., S.
Giessen, Juli 2006 |
|
|