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Mein Plan stand fest. Gleich im Anschluss an das erste klinische Semester wollte ich auch meine erste Famulatur absolvieren. Meine Erwartungen an diese Famulatur waren hoch, ebenso die gesteckten Ziele. Ganz bewusst hatte ich mich dafür entschieden, an ein kleineres Krankenhaus zu gehen. Motivation und Ziele für meine Famulatur
Bewerbung und Vorbereitung
Meine Arbeit auf Station
Die Stadt Ratzeburg
Mein Fazit
Motivation und Ziele für meine Famulatur Ich hatte beschlossen, möglichst früh nach dem Physikum (im Sommer 2007) mit Famulaturen zu beginnen, um so viele wie möglich absolvieren zu können. Denn schließlich lernt und sieht man bei einer Famulatur sehr viel mehr als sonst im Studium.
Generell erwartete ich mir von meiner ersten Famulatur:
- den Alltag auf Station aus Sicht der Ärzte kennenzulernen (Visite, Arztbriefe schreiben, Patientenbetreuung, Befundbeurteilung, die Hierarchie, den Ablauf im Dienst),
- Grundfertigkeiten wie das Blutabnehmen, Braunülenlegen usw. zu erlernen,
- die Technik anderer praktischer Tätigkeiten (z.B. Punktionen) gezeigt zu bekommen,
- die Kenntnisse aus dem Untersuchungskurs anzuwenden und zu verfeinern (inklusive Anamnese und Patientenvorstellung),
- an Diagnostikverfahren (z.B. Sonographie, Endoskopie usw.) teilzunehmen,
- die wichtigsten internistischen Krankheitsbilder zu sehen, sowie deren Diagnostik und Therapie kennenzulernen.
Um all diese Ziele zu erreichen, hatte ich mich für ein kleineres Krankenhaus entschieden, weil der persönliche Kontakt zu den Ärzten doch sehr viel persönlicher ist und daher auch die Bereitschaft, etwas zu erklären und man als Studentin/Student auch weniger im Weg steht, sondern noch eher gebraucht wird. Auch wollte ich im Inland auf jeden Fall erst einmal die wichtigsten Grundkenntnisse erwerben, bevor ich mich ins Ausland wage.
Ich studiere in Lübeck, komme aber aus Ratzeburg. In Ratzeburg leistete ich 2005 bereits mein Pflegepraktikum ab, wobei ich mich sehr wohl gefühlt habe. Deswegen stand es für mich sehr schnell fest, mich im Ratzeburger Kreiskrankenhaus, vor ca. einem Jahr ist es Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität zu Lübeck geworden, für meine erste Famulatur zu bewerben.
Das Krankenhaus ist zwar eher klein, bietet dafür aber doch ein relativ großes Spektrum in der Patientenversorgung in den Fächern Chirurgie, Unfallchirurgie und Innere Medizin an.
Ich entschied mich für die Innere Abteilung, weil mein Berufswunsch für später durchaus in diese Richtung geht. Außerdem war ich der Auffassung, dass man sich in der Inneren Medizin am ehesten, auch mit etwas weniger fachspezifischen Vorkenntnissen, zurechtfinden könnte. Ich hatte diese erste Famulatur gleich im Anschluss an das erste klinische Semester gemacht und daher bis auf den Untersuchungskurs nichts an Innerer Medizin gehört.
Bewerbung und Vorbereitung Fachliche Vorbereitung |
| Ca. ein halbes Jahr im Voraus hatte ich mich telefonisch beim Chefarzt der Inneren Abteilung persönlich beworben. Es wäre aber sicherlich auch kurzfristiger gegangen. Möglich ist auch eine Bewerbung per Email. Wir besprachen direkt den gewünschten Zeitraum und ich sollte mich ein bis zwei Wochen vor Beginn der Famulatur noch einmal melden, um den genauen Beginn und weitere Einzelheiten abzuklären, was ich dann auch getan habe. Er war dabei sehr freundlich und erklärte, er freue sich, dass ich bei ihnen eine Famulatur machen wolle.
Einen Kittel sowie die Untersuchungsutensilien sollte ich selbst mitbringen. Es war mir freigestellt, ob ich meine eigene Kleidung oder Schwesternbekleidung darunter ziehen wolle. Ich habe mich für Letzteres entschieden. Die Bekleidung habe ich mir aus der Umkleide der Krankenschwestern mit auf Station nehmen können.
Zur organisatorischen Vorbereitung musste ich mich nur in die Verwaltungsabteilung zur Erledigung verschiedener Formalitäten begeben und mich am ersten Tag im Sekretariat des Chefarztes melden.
Zur fachlichen Vorbereitung wiederholte ich die im Untersuchungskurs erlernten Techniken an Freunden und Verwandten und lieh mir das „Basislehrbuch für Innere Medizin“ zum Nachlesen aus.
Meine Arbeit auf Station DRK-Krankenhaus Mölln-Ratzeburg |
| An meinem ersten Arbeitstag sollte ich mich um 7.30 Uhr im Chefarztsekretariat melden. Dort las mich der leitende Oberarzt auf und nahm mich mit zur Frühbesprechung. Ich wurde sehr freundlich aufgenommen und die Assistenzärzte stellten sich mir alle mit Vornamen vor.
Nach der Frühbesprechung, in der die Aufnahmen des Abends und der Nacht, sowie radiologische Bilder vorgestellt wurden, verteilten sich die Ärzte auf die Stationen. Es gibt zweieinhalb internistische Stationen mit verschiedenen Schwerpunkten: die 1 ist v.a. pulmonologisch, die 2 und die 3 v.a. gastroenterologisch und die 4 kardiologisch geprägt. Ich kam auf die 3, weil der Arzt dort alleine war, während die anderen Stationen doppelt besetzt waren.
An den darauffolgenden Tagen und Wochen begann mein Arbeitstag immer um 7.00 Uhr mit den ersten Blutabnahmen. Nach der Frühbesprechung ging ich mit dem zuständigen Stationsarzt, die Stationsärzte tauschten auch mal die Stationen, meist erst einmal die Neuaufnahmen durch. Während der Stationsarzt noch die Arztbriefe für die Entlassungen des Tages ausdruckte o.ä., nahm ich weiter Blut ab, legte Braunülen, hängte Antibiosen an usw. Anschließend machten wir Visite, wobei mich die Ärzte richtig mit einbezogen und auch mit mir über die Patienten diskutierten. Ich konnte immer Fragen stellen und sie - einige mehr, andere weniger - stellten mir auch sehr gerne Fragen.
Besonders interessant war immer montags die Chefarztvisite, weil auch der Chefarzt mir gerne Fragen stellte und zudem viel erklärte. Die Oberarztvisite fand immer donnerstags statt. Hinterher wurden dann Arztbriefe diktiert sowie mit Pflegeheimen, Pathologen, Mikrobiologen und Angehörigen telefoniert. Einige Anrufe habe auch ich erledigt. Nach ca. zwei Wochen habe ich dann meine „eigenen“ Patienten zur Betreuung bekommen, für die ich dann gleichfalls die Arztbriefe diktiert sowie nach Absprache die Visite und den Therapieplan selbst gemacht habe.
An anderen Tagen bin ich während dieser Zeit in die Funktionsabteilung gegangen und habe bei der Endoskopie und Sonographie zugeschaut. Die Oberärzte haben mir dabei sehr bereitwillig alles erklärt und mich z.B. selbst mal tasten lassen. Nach einiger Zeit wurde ich sogar extra angerufen, wenn es interessante Befunde gab. Ich hatte sogar mein eigenes Telefon bekommen, von einer Ärztin, die für längere Zeit abwesend war. Auch bei Punktionen, TEEs, einer Bronchoskopie und kardiologischen Untersuchungen durfte ich dabei sein.
Nachdem ich bei mehreren Punktionen zugegen gewesen war, durfte ich unter Anleitung selbst eine durchführen. Der leitende Oberarzt, ein Kardiologe, hat mich mit in den OP zu einer Schrittmachereinpflanzung genommen, wo ich ihm am Tisch assistieren durfte. Einen Tag bin ich auch mit ihm nach Lübeck gefahren.
Bei Bedarf half ich in der Notaufnahme, wo ich die Patienten selbstständig aufgenommen und dann einem Oberarzt vorgestellt habe. Ich bekam ferner gezeigt, wie ich den Patienten im Computer aufnehmen müsse. Da ich über Ostern meine Famulatur absolvierte, habe ich am Karfreitag tagsüber am Dienst teilgenommen.
Morgens um 9.00 Uhr waren die Übergabe vom Vortag mit dem diensthabenden Oberarzt sowie die Begehung der Intensivstation. Außerdem habe ich an der „Klinischen Visite“ mit den PJ‘lern teilgenommen. Hierbei sollten wir bei einem Patienten eine Anamnese und körperliche Untersuchung durchführen, woraufhin wir darüber mit dem Chefarzt gesprochen haben. Nachmittags gegen 13.30 Uhr fand eine zweite Röntgenbesprechung statt. Zwischen 15.00 und 16.00 Uhr hatte ich in der Regel Feierabend.
Zu erwähnen wäre noch, dass ich am ersten Tag meiner Famulatur zudem an einem Reanimationstraining teilgenommen habe. Ferner fand einmal im Monat abends eine Tumorkonferenz statt und alle zwei Wochen eine interne Fortbildung.
Die Stadt Ratzeburg Der Dom zu Ratzeburg |
| Ratzeburg liegt mitten in einem Naherholungsgebiet mit vielen Seen in der Umgebung, wodurch sich im Sommer Wassersport absolut anbietet. Auch sonst ist die Gegend für Sportler sehr interessant. In Ratzeburg gibt es eine Ruderakademie, man kann hervorragend joggen, Rad fahren, Schwimmen und spazieren gehen.
Ansonsten ist es eine kleine Stadt - wenn auch die Kreisstadt vom Kreis Herzogtum Lauenburg - mit einem historisch sehr interessanten Dom, einigen Museen und schöner Landschaft drum herum.
Mein FazitInsgesamt war ich von der Famulatur in Ratzeburg absolut begeistert.
Mir haben besonders die tolle Zusammenarbeit mit den Ärzten sowie deren Bereitschaft, mir alles zu erklären und zu zeigen, gefallen.
Da ich für meine Zukunft eher die Arbeit an einem kleineren Krankenhaus bevorzuge, könnte ich mir durchaus vorstellen, später in Ratzeburg zu arbeiten.
T., M.
Lübeck, August 2008 |