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Zur Neurochirurgie nach Berlin. Warum? Ich wollte einfach schon sehr früh herausfinden, ob eine neurochirurgische Laufbahn für mich das Richtige sein könnte. Eine Famulatur bietet hierzu eine sehr gute Möglichkeit. Und was meine Entscheidung für Berlin betrifft, so ist diese Stadt einfach unverwechselbar und großartig. Warum gerade Neurochirurgie und warum gerade Berlin?
Bewerbung
Unterkunft
Die Klinik
Der praktische Teil / Stationsalltag
Fazit
Warum gerade Neurochirurgie und warum gerade Berlin? Eingang zum Virchow Klinikum |
| Seit Anbeginn meines Studiums in München musste ich feststellen, dass mich insbesondere die Themen Neuroanatomie, -physiologie und -biochemie faszinieren. Nicht zuletzt ist sicher auch eine Reihe von Dozenten daran schuld, die mir anhand spannender Vorträge diesen Bereich „schmackhaft“ gemacht haben. Da ich nach Abschluss des Studiums als praktischer Arzt weiterarbeiten möchte und mir darüber hinaus die Chirurgie am meisten zusagt, spielte ich schon häufig mit dem Gedanken, die neurochirurgische Laufbahn einzuschlagen.
Aus diesem Grunde war es für mich wichtig herauszufinden, ob das angestrebte Fernziel auch haltbar wäre. Also ging ich sozusagen in medias res und wählte die Neurochirurgie trotz ihrer Spezialität als erste Famulatur. Dies hatte zudem neben dem Erwerb von Fachwissen den Vorteil, die Ärzte mit allmöglichen Fragen löchern zu können. Zum Beispiel, ob sie selbst die Entscheidung zu diesem Fach bereut haben, was ihnen besonders gefällt oder als negativ bewerten und was sie mir in Bezug auf einen erfolgreichen Werdegang raten würden.
Berlin hatte ich aus zweierlei Gründen gewählt. Zum einen ist das Stadtleben einfach unverwechselbar großartig und zum anderen hatte ich an der Charité bereits einige Zeit gearbeitet und war von dem Spektrum, das diese Einrichtung in jeder Beziehung bieten kann, sehr beeindruckt.
BewerbungDie Organisation des Famulaturplatzes war recht einfach und verlief Dank der sehr netten Sekretärin reibungslos. Nach meinem Beschluss den Fachbereich Neurochirurgie näher unter die Lupe zu nehmen, suchte ich einfach die entsprechende Website der Charité – Universitätsmedizin Berlin auf und fand unter der Rubrik „Lehre“ die entsprechenden Hinweise. Zunächst hielt ich mit besagter Sekretärin telefonisch Rücksprache, wobei mir mitgeteilt wurde, dass ein kurzes Anschreiben mit der Angabe des Famulaturzeitraums, des gewünschten Standorts und ein Kurzlebenslauf mit vollständiger Postadresse genügen. Gesagt getan und nach etwa einer Woche erhielt ich die Bestätigung mit der Post.
Es ist sicherlich ratsam, sich nicht zu kurzfristig zu bewerben, da für diejenigen, die sich für die Neurochirurgie interessieren, die Charité als Famulaturadresse nicht ganz unattraktiv zu sein scheint, zumal Berlin berechtigter Weise gern besucht wird.
UnterkunftEine geeignete Unterkunft in Berlin zu finden, ist überhaupt nicht schwer. Viele Studenten geben während der Semesterferien ihre Zimmer zur Untermiete frei. Eine große Auswahl an preislich günstigen Angeboten findet man im Internet (siehe Weiterführende Links). Darüber hinaus bietet die Charité ihren Famuli und PJ‘lern ebenfalls eine Möglichkeit der Unterkunft an.
Es ist übrigens sehr zu empfehlen, sich eine Unterkunft am Prenzlauer Berg zu besorgen. Denn dort gibt es ein großes Angebot an Ausgehmöglichkeiten - am bekanntesten z.B. die Kulturbrauerei mit ihren vielen Bars, Clubs, Kinos etc. Zudem ist dies ein ausgesprochen junges Viertel, in dem sich viele Studenten herumtreiben.
Die Klinik Mittelallee auf dem Klinikgelände |
| Die Neurochirurgischen Kliniken der Charité befinden sich zum einen am Standort „Campus Benjamin Franklin“ in Steglitz und zum anderen am Standort „Campus Virchow-Klinikum“ in Wedding. Aus verkehrstechnischen Gründen habe ich mich letztendlich für das Virchow-Klinikum entschieden.
Die dortige Neurochirurgische Einrichtung umfasst insgesamt 80 Betten, die sich auf drei Stationen aufteilen, die da wären: eine Intensivstation und zwei Normalstationen mit Überwachungsbetten und Betten für Privatpatienten. Des Weiteren gibt es eine Poliklinik, in der sich die Patienten ambulant vorstellen können. Nach Absprache mit dem diensthabenden Arzt ist es möglich, einen oder mehrere Tage in der Ambulanz tätig zu sein.
Der praktische Teil / StationsalltagDer Tag begann immer um 7.00 Uhr mit einer kurzen Morgenvisite, in der sich die Assistenzärzte der Station über die zu betreuenden Patienten einen Überblick verschafften und dabei eine Checkliste erstellten, was an diesem Tag alles erledigt werden musste. Bereits zu dieser frühen Stunde war es ratsam, gut aufzupassen, denn plötzlich hieß es: „Die Röntgenanmeldung von Frau X übernehmen sie oder die Fäden von Herrn Y können nach Revision gezogen werden, Patient Z braucht noch einen Zugang“ usw.
Um 7.30 Uhr war dann Frühbesprechung, in der neu aufgenommene Patienten übergeben wurden und angeregt über therapeutische Verfahren diskutiert wurde. Zum Schluss der Besprechung wurde noch kurz der OP-Plan für den jeweiligen Tag besprochen. Danach ging es dann schnell zur Visite auf die neurochirurgische Intensivstation, die allerdings nur bedingt geeignet war, etwas Neues zu lernen, da die Zimmer stets von medizinischem Personal überfüllt waren.
Waren all die genannten Besprechungen und Visiten absolviert, begann in aller Regel die normale Stationsarbeit. Die Standards, die ein Famulant zu erledigen hatte, waren Blutabnahmen, Zugänge legen (letztendlich mehr als ich vermutet hatte), Aufnahmen mit ausführlicher neurologischer Anamnese und körperlichen Untersuchung, Verbandswechsel, Fäden ziehen, Aufklärungsgespräche über eine anstehende Untersuchung führen etc. Die Aufnahmen wurden im Anschluss gemeinsam mit den Stationsärzten besprochen und bei Bedarf noch einmal gemeinsam untersucht.
Dank einiger engagierter Assistenzärzte wurde man des Öfteren beiseite genommen, um aktuelle MRT-Bilder zu befunden und typische Krankheitsbilder zu besprechen. Nicht selten wurden sogar kleine Aufgaben zur Eigenrecherche vergeben und am folgenden Tag gemeinsam erörtert. Ausgesprochen interessant fand ich vor allem, sich bestimmte Patienten noch einmal postoperativ anzusehen und sich mit ihnen über das allgemeine Befinden zu unterhalten. Es ist schon erstaunlich, wie gut manch einer noch beisammen ist, obwohl ihm ein paar Tage zuvor ein annährend faustgroßes Stück Großhirn entfernt worden war.
Um 15.00 Uhr fand noch eine Mittagsbesprechung statt und unmittelbar im Anschluss ein kurzes Meeting mit den Neuroradiologen. Danach, also meist so gegen 16.00 Uhr, war der Tag dann in aller Regel beendet.
Ob man in den OP gehen oder lieber Stationsarbeit machen wollte, konnte man selbst entscheiden und richtete sich bei mir ganz nach den anstehenden OPs. Insgesamt hatte man vier neurochirurgische OP-Säle zur Auswahl, wobei einer stets für die Kinderneurochirurgen reserviert war. Prinzipiell ist es nicht ganz einfach, bei den neurochirurgischen Operationen assistieren zu dürfen. Meist übernimmt dies ein Assistenzarzt, während der Facharzt operiert. Aber hin und wieder, besonders bei den Wirbelsäulenspezialisten, ist man vorn mit dabei, während man den schwitzenden Assistenzarzt beim Operieren unterstützt und einen unglaublich plastischen Einblick durch das OP-Mikroskop in das komplexeste Organ unseres Universums bekommt.
Besonders genau sollte man sich den OP-Plan anschauen, wenn der Chef persönlich im Hause ist, was dreimal die Woche der Fall ist. Bei ihm bekommt man ganz besonders spezielle und zugleich äußerst komplizierte Operationen zu sehen, wie zum Beispiel Bypässe bei Durchblutungsstörungen oder das Clipping von Aneurysmen an der Schädelbasis. Höchst interessant war ebenfalls ein Laborbesuch für einen Tag und damit verbunden eine kleine Einführung in die neurochirurgische Forschung.
Der Zufall wollte es, dass am letzten Tag meiner Famulatur die Jahrestagung der Sektion „Vaskuläre Neurochirurgie“ stattfand. Die Sekretärin unserer Abteilung verpasste mir kurzerhand einen Mitarbeiterausweis und schon war ich dabei. Es wurden Vorträge zu neusten Erkenntnissen der Forschung gehalten, angeregt über Behandlungsstrategien diskutiert, Erfahrungen ausgetauscht und geplante Projekte in Gang gesetzt. In den Pausen gab es nicht nur sehr gutes Essen, sondern bot es sich vor allem an, mit namhaften Neurochirurgen einen kleinen Plausch zu halten und neue Kontakte zu knüpfen. Alles in allem ein runder Abschied von vier erlebnis- und lehrreichen Wochen in der Neurochirurgie.
FazitDas absolut Entscheidende ist, dass man mit gutem Recht seine Lehre einfordert und zugleich Engagement zeigt. Dies beugt längerfristig einem monotonen Alltag vor und macht aus der Famulatur etwas ganz Besonderes. Man darf nicht immer warten, bis jemand einem die Aufgaben zuträgt, sondern besorgt sie sich einfach selbst und fragt lediglich um Erlaubnis.
Niemand hat etwas dagegen einzuwenden, wenn der Famulant mal eben zum Telefonhörer greift, die Neurologie ein Stockwerk höher anruft und nachfragt, ob er die nächste Lumbalpunktion durchführen darf. Bei einer Klinik wie der Charité mit einem großen Durchsatz an Famuli ist es nicht selbstverständlich, dass immer jemand zur Stelle ist und die Betreuung übernimmt. Bemerken die Ärzte jedoch ein beständiges Interesse und Leistungsbereitschaft, geben sie dies auch in angemessener Form zurück, bemühen sich stets um eine gute Einbindung und nehmen sich viel Zeit zum Erklären.
Die Charité ist ein Krankenhaus der Maximalversorgung und bietet ein imenses Spektrum an medizinischen Leistungen, das man sich selbst zu Nutze machen kann und sollte. Wer dies beherzigt und zudem Interesse für die Neurochirurgie mitbringt, dem kann ich die Famulatur am Campus Virchow-Klinikum sehr empfehlen.
Viel Spaß und Erfolg im Studium.
H., J.
München, März 2008 |