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Als ich an meinem ersten Tag auf Station kam, erlebte ich dort gleich "Psychiatrie live", so wie man es sich klischeehaft vorstellt. In den zwei folgenden Monaten sollte ich viel sehen - interessante Krankheitsbilder und Therapieverfahren. Eine „Wahnsinns“-Famulatur in einer Stadt, die niemals schläft – eine Zeit, an die ich gerne zurückdenke. Motivation & Bewerbung
Unterkunft
Das St. Hedwig-Krankenhaus und seine Psychiatrie
Stationsalltag/Abläufe
Meine Tätigkeit im Krankenhaus
Freizeit in der Bundeshauptstadt
Mein Fazit - erster & letzter Eindruck
Motivation & Bewerbung Blick von der Siegessäule |
| Ehrlich gesagt, wollte ich schon lange mal in Berlin, der "Stadt, die niemals schläft", wohnen und/oder arbeiten. Und als Medizinstudent hat man leicht die Möglichkeit, mal zum Arbeiten woanders hinzukommen. Daher bewarb ich mich unmittelbar nach dem "Physikum" für einen Famulaturplatz zum Ende des 1. klinischen Semesters an Europas größtem Universitätsklinikum, der Charité.
Genau genommen waren dies ca. drei Monate vor Beginn der geplanten Famulatur. Da ich mich für Hirnforschung und Geisteskrankheiten interessiere, bewarb ich mich für die Psychiatrie. Eine Email an das Lehrsekretariat der Psychiatrischen Klinik genügte.
Ich erhielt auch relativ schnell - nach ca. einer Woche - eine Antwort, in der mir quasi schon eine Zusage erteilt wurde. Allerdings sollte ich pro forma noch eine schriftliche Bewerbung mit Lebenslauf, Kopie des Physikumszeugnisses, sowie einem betriebsärztlichen Untersuchungsbefund (Unbedenklichkeitsbescheinigung, Hepatitis-Titer, Antikörper-Nachweis bestimmter Infektions(kinder)krankheiten) nach Berlin schicken. Es wird einem zwar angeboten, diese Untersuchung beim Betriebsarzt in Berlin durchführen zu lassen, in diesem Fall sollte man sich aber dann schon so früh wie möglich um einen Termin bemühen. Man kann dies jedoch auch zuhause beim Hausarzt seines Vertrauens erledigen. Die Charité hat zu den angeforderten betriebsärztlichen Untersuchungen ein Merkblatt herausgegeben, das jedem Bewerber zugeschickt wird.
UnterkunftDie Charité bietet für Famuli, PJ’ler, Gastärzte etc. von außerhalb Berlins Unterkünfte an. Die Kontaktadresse wird, wie in meinem Fall, mit der Famulaturzusage versendet. Da meine Familie jedoch glücklicherweise eine kleine Wohnmöglichkeit in der Hauptstadt besitzt, war ich nicht auf das Angebot des Klinikums angewiesen. Deswegen kann ich dies leider nicht weiter beurteilen. Von anderen Famuli habe ich aber gehört, es sei auch anderweitig nicht sehr schwer, etwas zu finden, z.B. über Internet-Wohnungssuchen.
Das St. Hedwig-Krankenhaus und seine Psychiatrie St. Hedwigs-Hospital |
| Die St.Hedwig-Kliniken sind eine Einrichtung in kirchlicher Trägerschaft, nämlich der Gesellschaften der Alexianerbrüder. An Fachrichtungen sind dort vertreten: Anästhesie/Intensivmedizin, Chirurgie, Innere Medizin, Urologie (Deutsches Beckenbodenzentrum), Radiologie sowie Psychiatrie/Psychotherapie.
Seit Mai 2001 besteht eine Kooperation zwischen den St.Hedwig-Kliniken und der Charité im Bereich der Psychiatrie. D.h. in Sachen Patientenversorgung ist die Klinik der Charité Teil des St.Hedwig-Krankenhauses, in der Angelegenheit Forschung & Lehre das St.Hedwig-Krankenhaus Teil der Charité - Universitätsmedizin Berlin. Die psychiatrische Universitätsklinik PUK der Charité im St. Hedwig-Krankenhaus, so die offizielle Bezeichnung, verteilt sich auf drei Standorte: Moabit (St. Hedwig-Krankenhaus, Turmstraße) und Mitte (Tagesklinik, Müllerstraße und St. Hedwig-Krankenhaus, Große Hamburger Staße). Der Standort Moabit war eine Interims-Lösung, geplant war ein Umzug in die Große Hamburger Straße 5-11, welcher bis Ende des Jahres vollzogen sein sollte.
Die PUK hat die Verpflichtung der Vollversorgung für zwei Bereiche: Wedding und Tiergarten, Bezirk Berlin-Mitte. Das therapeutische Angebot richtet sich jedoch auch an Betroffene außerhalb dieser Gebiete. Zu den angebotenen Leistungen gehören stationäre Krisenintervention, Verhaltenstherapie für Angst-, Zwangs- und depressive Störungen, Gerontopsychiatrie, Behandlung von Abhängigkeitserkrankungen, Ergo- und Physiotherapie.
Als Famulant war ich der Versorgungsregion Wedding zugeteilt. Dieser Teil der Klinik gliedert sich in ein Zentrum für die Behandlung von Abhängigkeitserkrankungen, ein Gerontopsychiatrisches Zentrum, zwei allgemeinpsychiatrische Stationen (St. 36 & 37), eine Allgemeinpsychiatrische Tagesklinik mit Institutsambulanz (Müllerstraße), eine Gerontopsychiatrische Tagesklinik (Große Hamburger Straße), eine Psychiatrische Institutsambulanz (Große Hamburger Straße), ein Schlaflabor und einige therapeutische Dienste.
Die Klinik stellt 85 stationäre und 35 tagesklinische psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlungsplätze, außerdem zwei Ableiteplätze im Schlaflabor. Das Behandlungsspektrum umfasst Diagnostik, Therapie und sozialpsychiatrische Maßnahmen für alle psychiatrischen Störungen. Ein besonderes Therapieangebot besteht für Patienten mit Abhängigkeitserkrankungen, Patienten mit Störungen aus dem gerontopsychiatrischen, affektiv-, schizophrenpsychotischen Formenkreis sowie für Patienten mit Schlafstörungen.
Die allgemeinpsychiatrische Station 36, auf der ich arbeitete, ist eine fakultativ geschlossene Aufnahme- und Behandlungsstation. Während meiner Zeit war sie eigentlich immer geschlossen, da einige Patienten fluchtgefährdet bzw. selbst- oder fremdgefährdend waren. Die Station versorgt speziell die westliche Region des Bezirks Berlin-Wedding, ist jedoch auch für Patienten aus anderen Regionen verfügbar. Das Angebot der geschützten Region auf Station ist vor allem an Patienten mit psychischen Krisen, manischen und schizophrenen sowie Zwangs- und Angststörungen gerichtet. Außerdem besteht eine Kooperation mit dem Sozialpsychiatrischen Dienst Berlin-Mitte, den niedergelassenen Ärzten und ambulanten Trägern der Gesundheitsfürsorge sowie mit der Tagesklinik und der Institutsambulanz, wodurch eine optimale Reintegration der Patienten ins Berufs- und Alltagsleben angestrebt wird.
Station 36 hat 25 Patientenbetten, fünf teilstationäre Plätze, bietet kognitives Training, Teilnahme an einer Depressionsgruppe, türkischen Frauengruppe (es besteht ein großer Anteil an Türken unter den Patienten), Psychose- und Stimmenhörergruppe, Angehörigengruppe und türkischsprachiger Angehörigengruppe sowie die Nutzung eines Offenen Ateliers (dient der Förderung und Entwicklung von Kreativität und Ausdruck durch Malen, Basteln und andere künstlerische/gestalterische Tätigkeiten).
Stationsalltag/AbläufeDa ich zu einem Zeitpunkt mit meiner Famulatur dort anfing, zu dem noch nicht so viele Famuli da waren, überließ mir der studentenbetreuende Oberarzt die freie Wahl, auf welche Station ich gehen möchte. Zur Auswahl standen Allgemein-, Gerontopsychiatrie oder die Suchtstation. Da ich das Fach Psychiatrie an der Universität noch nicht durchgenommen hatte, entschied ich mich für eine der beiden allgemeinpsychiatrischen Stationen - Station 36.
Als ich Montagmorgens gegen ca. 9.30 Uhr auf "meiner" Station ankam, war gerade gemeinsames Stationsfrühstück. Davor findet in der Regel unter anderem die tägliche Übergabe statt, danach montags die Stationsvisite - Stationsärzte, Pflegepersonal, einige Therapeuten (Ergo-, Musik-, Tanztherapie etc.), Psychologen.
Diese verläuft etwas anders, als Visiten auf Stationen anderer Fachrichtungen. Das Team sitzt um einen runden Tisch versammelt in einem Besprechungsraum und geht kurz gemeinsam durch, was sich bei dem betreffenden Patienten verändert hat bzw. stellt den Patienten, wenn es sich um eine Neuaufnahme handelt, kurz vor. Dann wird der Patient hereingebeten und es findet ein Visitengespräch zwischen ihm und seinem behandelnden Stationsarzt (auf St. 36 zuletzt drei an der Zahl) statt, in dem über die wahrgenommenen Veränderungen und die beabsichtigten Untersuchungen/Therapien gesprochen wird. Für psychiatrische Patienten ist diese Form der Visite optimal, da so gegenüber den anderen Patienten die Privatspähre gewahrt bleibt. Je nachdem wie viele Patienten gerade auf der Station sind, endet die Visite zwischen 12.00 und 13.00 Uhr.
Zum Mittagessen gingen wir in der Regel in eines der kliniknahen Lokale (z.B. in der Turm- oder Kirchstraße), da das Krankenhaus keine eigene Mitarbeiterkantine betreibt. Die Preise bewegten sich dennoch in für Studenten erschwinglichen Bahnen. Nachmittags finden einige Einzelgespräche statt, wenn z.B. ein Patient diesen Wunsch bei der Visite am Morgen geäußert hat, weil es ihm unangenehm war, einzelne Themen in der Gruppe anzusprechen. Mein Tag endete immer so zwischen 15.30 und 16.00 Uhr, mal früher und auch mal später.
Der für die Station zuständige Oberarzt (OA) kam meistens auf Station, wenn es Neuaufnahmen gegeben hat. Die Neuaufnahmen kamen entweder über die Ambulanz zugewiesen oder direkt, wenn sie schon einmal dort stationär aufgenommen worden waren, auf Station. Ersteres war - zumindest während meiner Zeit dort - die Regel. Die Assistenzärzte, später auch ich als Famulus, stellten dem OA dann kurz den Patienten vor und äußerten Therapievorschläge. Der Oberarzt explorierte den Patienten dann selbst und beriet die Assistenten bei Fragen zu Medikamentendosierungen, weiterem Verfahren etc.
Zwischen dem für die Station 36 zuständigen OA, den Stationsärzten und dem restlichen Team herrschte eine sehr angenehme Arbeitsatmosphäre. Niemals bekam man betont Hierarchien zu spüren, sondern fühlte sich stets als Teil des Teams. Einmal wöchentlich kam der Oberarzt zur Visite, ich meine, es war donnerstags, welche ähnlich wie die oben beschriebene Teamvisite ablief, nur in Anwesenheit des OA eben, der dann das Patientengespräch führte.
Zweimal wöchentlich, montags und donnerstags, fanden zwischen 8.30 und 9.00 Uhr Frühbesprechungen mit den Chef-, Ober-, Assistenzärzten, Psychologen, PJ’ler und Famuli statt. Dort berichtete der diensthabende Arzt von den Neuaufnahmen oder Zwischenfällen des Tages bzw. der Nacht bzw. des vergangenen Wochenendes, was mitunter recht amüsant sein konnte. Man erfuhr dabei auch, was auf den anderen Stationen so los war und wurde über anstehende Vorträge und diverse andere Veranstaltungen informiert.
Überhaupt wurden einige ziemlich interessante Vorträge von der Charité angeboten, z.B. ein Gastvortrag von Wolf Singer, dem Direktor des Max-Planck-Instituts MPI für Hirnforschung in Frankfurt/Main, aber auch einige andere namhafte Dozenten wurden zu Vorträgen eingeladen. Einmal wöchentlich, mittwochnachmittags, gab es eine Mitarbeiterfortbildung, bei der ein Arzt - vom Assistenz- bis zum Chefarzt - oder ein anderer Dozent über ein bestimmtes Thema referierte, was meistens ebenfalls sehr interessant war. Zusätzlich wurden weitere Fortbildungsmöglichkeiten, wie z.B. ein EEG-Kurs, angeboten, so dass insgesamt ein überaus interessantes Angebotsspektrum geboten wurde.
Zum Ende der Woche hin, donnerstags oder freitags, gab es auf Station 36 eine Teambesprechung (mit Kurvenvisite), an der fast alle Stationsmitarbeiter teilnahmen. Diese fand immer im Ergotherapieraum statt. Dort versammelten sich dann Stationsärzte und Famuli, Pflegepersonal, Ergo-, Musik-, Sporttherapeuten, Sozialarbeiter und Psychologen zur großen Runde. Es wurden Therapievorschläge und -fortschritte, Erfahrungen/Probleme mit einzelnen Patienten angesprochen und mit allen Berufsgruppen diskutiert, so dass am Ende jeder über die einzelnen Schritte des anderen im Bilde war. Ich fand die Teambesprechungen immer sehr gut, da man so mitbekam, wie sich der Patient, mit dem man selber noch gesprochen und ihm bestimmte Dinge vorgeschlagen hat, bei anderen verhielt - mitunter ganz anders als gegenüber einem selbst.
Meine Tätigkeit im Krankenhaus Psychiatrische Klinik der Charité - St. Hedwigs-Krankenhaus/Moabit |
| Da ich für acht Wochen dort famulierte und nach einiger Zeit die generellen Abläufe kannte, konnte ich irgendwann schon recht selbständig arbeiten. Meine Tätigkeit umfasste Blutabnehmen und Venöse-Zugänge-legen, Patientenbegleitung zu Untersuchungen, die "außerhalb" vorgenommen wurden, z.B. MRTs. Desweiteren habe ich - zunächst unter Aufsicht, später selbständig - Patientenaufnahmegespräche geführt, inklusive körperlicher Untersuchung, und Psychopathologische Befunde erhoben. Diese habe ich dann den Ärzten vorgestellt, zunächst den Stationsärzten, später dann auch dem Oberarzt und einmal sogar dem Chefarzt. Die Anamnesedaten mussten dann immer noch im Computer dokumentiert werden, was ich irgendwann auch zu meinen Aufgaben zählen durfte.
Andere Tätigkeiten waren Telefonjobs (z.B. Aktenanforderungen), Botengänge oder wenn zwischendurch Zeit war, Patientenaktenstudieren – entweder, um für die Ärzte etwas nachzuschlagen oder aber auch um selbst im Bilde zu sein. Gespräche mit Patienten fanden ab und an auch mal beim gemütlichen Spaziergang im Klinikpark statt, wo die Atmosphäre ungezwungener war als auf Station und einige Patienten dann eher geneigt waren, offener zu sprechen. Da das St.Hedwig-Krankenhaus ein Lehrkrankenhaus ist, laufen dort einige Studien, bei denen ich gelegentlich auch helfen durfte, z.B. EEG-Ableitungen oder Pipettierarbeiten.
Zu den Highlights meiner Tätigkeiten dort gehörten für mich, ohne Frage, meine ersten Arztbriefdiktate und die Lumbalpuktion, die ich - unter Anleitung - durchführen durfte.
Mein Arbeitstag begann immer um 8.00 Uhr und war, wie schon erwähnt, zwischen 15.00 und 16.00 Uhr, mal früher oder später, zu Ende.
Freizeit in der Bundeshauptstadt Es gibt viel zu sehen in der Hauptstadt |
| Tja, ... was gibt's dazu zu sagen. In Berlin hat man so ziemlich alle Möglichkeiten, etwas zu unternehmen. Kinos, Clubs, Diskos, Bars, Kneipen, Theater, Kleinkunstbühnen, Flohmärkte, Museen und und und. Um nicht den Überblick zu verlieren, sollte man sich ein Programm besorgen, d.h. konkret z.B. "Tip" oder "Zitty". Beides sind Kulturkalender mit dem aktuellen Programm, jeweils zwei Wochen umfassend, erscheinen wöchentlich im Wechsel und sind eine sehr große Hilfe. Selbst die einheimischen Berliner nehmen diese zur Hand. Man findet außer zahlreichen Veranstaltungsterminen auch die Adressen der einzelnen Veranstaltungsorte sowie Kleinanzeigen und einige interessante Artikel zum Leben und zur Szene in Berlin. Also: Sehr empfehlenswert. Kleiner Tipp noch von mir: Donnerstags kommt man ab 18.00 Uhr kostenlos in sämtliche Museen.
Man sollte sich auch ein VBB-Ticket für den öffentlichen Nahverkehr besorgen. Wenn man mindestens einen Monat in Berlin ist, lohnt es sich, sich im Lehrsekretariat auf dem Campus Mitte eine Bescheinigung ausstellen zu lassen, dass man hier in Berlin famuliert. Gegen Vorlage dieses Schriftstückes erhält man dann ein Monatsticket zum Studentenpreis - dies verrät einem eigentlich keiner, ich musste viel nachhaken! Ein Ticket lohnt auf jeden Fall, egal wie lange man in Berlin ist, da die Hauptstadt ein hervorragendes Verkehrsnetz vorzuweisen hat. Mit U-, S-Bahn oder Bus kommt man in Berlin so ziemlich überall und jederzeit hin.
Mein Fazit - erster & letzter Eindruck Der neue Berliner Hauptbahnhof |
| Als ich an meinem ersten Tag auf Station kam, erlebte ich dort gleich "Psychiatrie live", so wie man es sich klischeehaft vorstellt. Es wurden zwei Patientinnen, die akut psychotisch und selbst- bzw. fremdgefährdend geworden waren, zwangsbehandelt, d.h. fixiert und mediziert. Eine Patientin ging sogar in ihrem Wahn auf einen der Stationsärzte los, verletzte ihn aber nur leicht. Das Ganze nahm zum Glück ein gutes Ende und die Patienten wurden unter medikamentöser Behandlung schnell wieder ruhiger. Hinterher erfuhr ich, dass solche Vorkommnisse auf der Station eher Seltenheitswert haben, was ich im Nachhinein nur bestätigen kann.
Ich habe in den zwei Monaten Psychiatrie-Famulatur viel gesehen - interessante Krankheitsbilder und Therapieverfahren. Z.B. wurde ich Zeuge des beeindruckenden Einflusses von Schlafentzügen bei schwer depressiven Patienten, die nach einer durchwachten Nacht symptomfrei erscheinen, wodurch ihnen aufgezeigt werden soll, dass ihre Hoffnungslosigkeit, die mit der Depression einhergeht, nur ein Symptom ihrer Erkrankung ist, die man medizinisch behandeln kann.
Einige Male durfte ich richterlichen Anhörungen beiwohnen. Wenn gesetzliche Zwangseinweisungen erforderlich waren, kam ein Richter, der die betreffenden Patienten begutachtete, sich mit ihnen über die Maßnahme unterhielt und nachher die Einweisungsbeschlüsse ausstellte.
Nicht zuletzt war ich auch von einer deutschen Psychologin beeindruckt, die fließend Türkisch sprach, was in der Klinik in Moabit unheimlich hilfreich ist, da im Stadtteil Wedding, für den die Station primär zuständig ist, ein erheblicher Prozentsatz türkischer Mitbürger lebt.
Insgesamt wurde ich, trotz der Tatsache, dass ich an einer Uniklinik war, vorbildlich eingearbeitet, angeleitet und supervidiert, also wirklich gut betreut. Die Arbeitsatmosphäre war sehr angenehm. Zeitweise waren wir zwei Famuli auf Station 36. Auf Station 37 gab es den einzigen PJ’ler, den ich während meiner ganzen Zeit dort angetroffen habe. Ich könnte mir ebenfalls vorstellen, mich dort für ein PJ-Tertial zu bewerben.
Es war eine schöne und lehrreiche Zeit, an die ich gerne zurückdenke.
R., K.
Heidelberg, Dezember 2006 |