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Psychosomatik, Charité, Berlin
(Gutes Arbeitsklima, interessante Beschäftigung, Möglichkeit zur Forschung, 16.09. - 16.12.2004)

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Beweggründe und Ziele
Vorbereitung und Bewerbung
Meine Arbeit an der Charité
Unterkunftsmöglichkeiten
Fazit und Ausblick

Beweggründe und Ziele

Meine dreimonatige Psychosomatik-Famulatur an der Charité- Universitätsmedizin Berlin und an den Neu-Ruppiner Kliniken habe ich absolviert, weil mir Auslandsfamulaturen nicht anerkannt wurden. Die Psychosomatik an der Charité kannte ich schon aus einem einwöchigen Innere Medizin-Praktikum, das ich zufällig auf dieser Station absolviert hatte. In dieser einen Woche hatte ich bereits einen sehr positiven Eindruck gewonnen, der sich in der Famulatur bestätigt hat. Zudem wollte ich nebenbei forschen, so dass sich das Universitätsklinikum mit seiner hervorragenden Bibliothek und den Zugriffsmöglichkeiten auf die E-Journals anbot.

Meiner Meinung nach sollte man sich vorher überlegen, welche Ziele man in der Famulatur erreichen will. Nur so kann man am Ende evaluieren, ob man diese auch erreicht hat bzw. im Verlauf gegensteuern.

Meine Ziele für die Famulatur waren:

  • Wichtige, sprich häufige, Krankheitsbilder der Inneren Medizin und der Psychosomatik kennen zu lernen
  • Herauszufinden, ob Innere Medizin und Psychosomatik für meine spätere Facharztweiterbildung relevant sind
  • Den Arbeitsablauf auf einer Station kennen zu lernen - auch mit Problemen - und wie diese zu lösen sind
  • Den Unterschied zwischen einer Uniklinik und einer Nicht-Universitätsklinik herauszuarbeiten und zu überlegen, wo ich später arbeiten möchte
  • Mich mit den verschiedenen Berufsgruppen (Ärzte der verschiedenen Hierarchien, Schwestern und Pfleger, Therapeuten, Praktikanten und PJ’lern) gut zu verstehen bzw. den Umgang mit allen Besonderheiten zu üben
  • Im Rahmen meiner kumulativen (Publikations-)Promotion eventuell. ein Forschungsprojekt zu beginnen
Die erste Famulatur sollte man so früh wie möglich machen, um herauszufinden, ob man überhaupt später klinisch arbeiten möchte. Es bieten sich ja - gerade auch im ersten klinischen Abschnitt - Fächer an, die keinen Patientenkontakt beinhalten. Ich empfehle also, die „Fühler“ in alle Richtungen auszustrecken und herauszubekommen, wo die eigenen Interessen und Befähigungen liegen. Es ist nicht so, dass man das von Anfang an oder „bloß früh“ wissen sollte. Aber nichts ist schöner, als zu merken, wo man „hinpasst“ oder Vorbilder zu finden (heute selten genug).

Ich hatte eine Bekannte, die mir das Haus im Vorfeld empfohlen hatte, da sie hier ebenfalls famuliert und auch PJ gemacht hatte. Sie hatte mir die Klinik und die Ärzte als sehr kommunikativ, freundlich, interessant und lehrreich empfohlen.

Warum nun hatte ich mich für dieses Fach entschieden? Die Klinik ist ein „Zwitter“ aus Innerer Medizin und Psychosomatik. Ein so breites und buntes Patientenkollektiv begegnet einem ansonsten sicher nur in der Allgemeinmedizin oder der Aufnahme. Es ist somit sehr vielfältig und differentialdiagnostische Fähigkeiten sind wichtig und können entwickelt werden.

Die psychische Komponente im Arzt-Patienten-Kontakt ist mir auch nach dem neuen Curriculum noch zu schwach entwickelt. In diesem Fach jedoch ist die Gegenübertragung nicht nur beachtenswert sondern spielt auch diagnostisch eine Rolle.

Innere Medizin und Psychosomatik im deutschen Raum zu machen, ist sicher nicht verkehrt. Zwar zieht es mich für das PJ in die USA, aber auch hierzulande gibt es viel zu lernen, wenn man nur an die richtigen Lehrer gerät und auch die eigene Motivation stimmt.

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Vorbereitung und Bewerbung

Bewerbungen sind kurzfristig möglich. Famulaturen sollten allerdings mindestens sechs Wochen dauern. Als Vorbereitung empfehle ich Untersuchungskenntnisse - für die Aufnahmen auf Station - und folgende Bücher:

  • Hoffmann SO, Hochapfel G u.a.: Neurotische Störungen und Psychosomatische Medizin. F.K. Schattauer Verlag, ISBN 3794519604, Stuttgart 1999
  • Herold G: Innere Medizin 2005.
  • Russ, Endres: Arzneimittel pocket plus 2005. Björn Bruckmeier Verlag, ISBN 389862238X.

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Meine Arbeit an der Charité

Die Charité- Universitätsmedizin Berlin, hervorgegangenen aus den Fachbereichen der Freien und der Humboldt Universität, ist mit 15.000 Mitarbeitern und 8.000 Studenten Europas größtes Universitätsklinikum. Zurzeit beginnt gerade ein Restrukturierungsprozess: 122 Kliniken und Institute werden demnächst in 17 Zentren aufgeteilt.

Die meiste Zeit in den drei Monaten habe ich an der Charité in Berlin verbracht. Hier fand ich mit der Station 124 der Klinik für Innere Medizin mit Schwerpunkt Psychosomatik die absolut netteste Station, die ich in meiner Studentenzeit erlebt habe. Besonders das Klima zwischen Ärzten und Schwestern/Pfleger habe ich so herzlich und kooperativ noch nie erlebt. Zudem gab es eine andere Berufsgruppe, die man sonst nie an Krankenhäusern findet: Psychotherapeuten - die meisten davon klinisch tätige Psychologen. Zudem gab es immer viele Praktikanten, darunter ebenfalls viele Psychologen. Alle paar Wochen sind wir zusammen abends weggegangen.

Als „medizinischer“ Praktikant waren meine Hauptansprechpartner die drei Stationsärzte. Alle waren außerordentlich bemüht, mich gut zu integrieren und mir etwas beizubringen. Die Visiten liefen so ab, dass wir, bevor wir in das Zimmer gingen, immer alle Aspekte von allen Anwesenden, inkl. Schwestern/Pfleger, Praktikanten und mir, zusammengetragen haben, um uns ein möglichst gutes Bild von den Patienten, die wir gleich sehen würden, machen zu können.

In den einmal pro Woche und Bereich stattfindenden Oberarztvisiten wurde dieses Bild noch einmal erweitert. Der Oberarzt der Station bekam häufig noch einmal mehr von den Patienten zu hören, was diese uns gegenüber nicht so geäußert hatten; teilweise redete er ihnen auch ganz schön ins Gewissen. Manchmal sprachen wir aber auch über medizinische oder philosophische Themen oder solche, die mit beidem zu tun hatten. Das einzig Unangenehme war, ab und zu regelrecht „examiniert“ zu werden. Allerdings auf eine äußerst herzliche Art und Weise.

Nach den Visiten wurde zusammen ein kurzer Kaffee genommen. Dann wurden die angefallenen Arbeiten erledigt, also über Patienten und Diagnosen sowie weitere Diagnostik und Therapie nachgedacht, Befunde organisiert, Arztbriefe geschrieben usw. Am späteren Vormittag war es dann Zeit für die Aufnahmen, die immer von den Famuli und PJ’lern durchgeführt wurden. Anschließend konnte man - wenn nötig - gemeinsam nachuntersuchen. Dann schrieb man die Anamnese und Untersuchungsbefunde auf, um sie mit dem zuständigen Assistenzarzt zu besprechen. Diese Besprechungen haben mir sehr viel gebracht, denn ich wurde stets aufgefordert, meine Eindrücke, mögliche Diagnosen und daraus resultierende Labor- und sonstige Diagnostik gleich mitzuliefern. Dafür wurde man oft gelobt, ggf. korrigiert und konnte alles fragen, was man wollte.

In den Abendbesprechungen konnte man dann die Neuaufnahmen noch dem Oberarzt vorstellen, der weiteren Input lieferte. Man war immer gefordert, sollte immer mitdenken, und mitarbeiten. Dazu kamen praktische Tätigkeiten wie Blutabnahmen, periphere Zugänge legen, Verbände usw. Als Famulant war man somit vollständig in Diagnostik und Therapie durch das Arztteam integriert.

In den Neu-Ruppiner Kliniken, akademisches Lehrkrankenhaus der Charité – Universitätsmedizin Berlin, sah es so ähnlich aus, mit dem einzigen Unterschied, dass es nur einen – allerdings auch besonders netten – Assistenzarzt gab sowie eine kleinere Gruppe von Patienten, die auch länger bleiben sollte (vier Monate oder länger als therapeutischer Aufenthalt im Vergleich zu 7-10 Tagen in Berlin). Somit hatte man noch mehr Zeit, sich um einzelne Patienten zu kümmern, Aufnahmen besonders gründlich zu machen und nebenbei etwas für die Doktorarbeit zu schreiben. Trotzdem bin ich nach kaum mehr als zwei Wochen wieder zurück gewechselt, weil ich die eine Stunde Fahrzeit pro Strecke sehr lang fand und zudem Zugang zu medizinischer Fachliteratur benötigte.

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Unterkunftsmöglichkeiten

In Berlin ist es kein Problem, eine günstige Wohnung zu finden - z.B. in einer WG über die üblichen WG-Suchmaschinen und Kleinanzeigen. In Neu-Ruppin werden Famuli eine eigene Wohnung zur Mitbenutzung angeboten.


Fazit und Ausblick

Nach den drei Monaten kann ich mir sehr gut vorstellen, weiter an einer Universitätsklinik zu arbeiten, obwohl mir die hohe Arbeitsbelastung und insbesondere der psychische Druck klar sind. Auch könnte ich mir vorstellen, an genau dieser Klinik zu arbeiten und dies aus den erwähnten Gründen: gutes Arbeitsklima, interessante Beschäftigung und Möglichkeit zur Forschung. Möglicherweise werde ich aber – egal, wo ich anfangen werde zu arbeiten – nach ein paar Jahren in eine nicht-klinische Tätigkeit wechseln.

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G., B.
Berlin, Februar 2005
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