Motivation und Bewerbung
Allgemeines
Mein Arbeitstag
Fazit
Motivation und BewerbungMein erstes Krankenpflegepraktikum machte ich nach Ende des 1. vorklinischen Semesters auf der Augenstation im Klinikum Kassel. Dazu bewarb ich mich drei Wochen vorher, indem ich ein Bewerbungsschreiben aufsetzte und an die dortige Personalabteilung schickte. Nach einer Woche hatte ich bereits die Zusage und konnte in meinen Frühjahr-Semesterferien 2002 das Pflegepraktikum antreten.
Ich fand es ganz sinnvoll, das Praktikum nach dem 1. Semester zu machen, damit man nach der ganzen Lernerei für die vorklinischen Fächer auch mal sehen konnte, wofür diese eigentlich doch ganz nützlich sind. Auch tat es gut, endlich mal was Praktisches zu machen.
Durch meinen Bruder, der auf der dortigen Augenstation Arzt ist, kam ich überhaupt darauf, auf dieser Station das Praktikum zu absolvieren. Ich hatte natürlich insgeheim dabei gehofft, dass ich vielleicht schon mal ein paar Blutentnahmen machen dürfte. Drei Stück durfte ich tatsächlich auch unter Aufsicht durchführen.
Auch mein zweites Krankenpflegepraktikum machte ich auf derselben Station und zwar im Sommer 2002. Dies hatte den Grund gehabt, dass ich ja schon durch mein vorangegangenes Praktikum bekannt war und mir nun die Schwestern schon einiges mehr zutrauten.
AllgemeinesAn meinem ersten Praktikumstag musste ich um 08.00 Uhr morgens zur Personalabteilung gehen, die mich dann von dort aus auf die Augenstation schickte. Dort angekommen, stellte ich mich den Schwestern vor und sie zeigten mir die verschiedenen Räumlichkeiten, wie z.B. Küche, Buffetraum, Arztzimmer, Visitenzimmer, Waschraum usw. Nachdem ich mir dann die übliche Arbeitskleidung angezogen hatte, hielt ich mich an eine Krankenpflegeschülerin, die mir alles erklärte und zeigte. Darüber war ich sehr glücklich, da ich so nicht das Gefühl hatte, alleine dazustehen. Ein normaler Stationsalltag fing dann natürlich um 06.00 Uhr morgens an und dauerte bis 14.00 Uhr.
Bei meinen Eltern, die in Kassel wohnen, habe ich noch ein Zimmer und brauchte mich somit nicht um eine Unterkunft bemühen. Jedoch ist es sicherlich kein Problem, in dem dortigen Schwesternwohnheim zu wohnen. Man sollte sich allerdings rechtzeitig darum kümmern.
Mein ArbeitstagUm 06.00 Uhr war erst mal Stationsübergabe. Dort wurde dem Frühdienst dann berichtet, was in der Nacht vorgefallen war, was die jeweiligen Patienten hatten, welche Untersuchungen für den Tag anstanden und welche neuen Medikamente hinzugekommen waren bzw. abgesetzt wurden. Diese Besprechung dauerte so ca. 15 Minuten, jedoch blieben die Schwestern meistens noch eine viertel Stunde sitzen und diese Zeit nutzte ich, um den Wäschewagen schon mal auszuräumen. Anschließend bin ich dann mit einer Schwester mitgegangen und wir gingen dann in ihrem Bereich immer von Zimmer zu Zimmer. In jedem Zimmer wurden dann die Betten gemacht, dann Blutdruck, Puls, Temperatur und Blutzucker gemessen.
So gegen 07.00 Uhr kam dann immer der Frühstückswagen. Das war meistens immer ziemlich chaotisch. Auf den Essenskarten standen zwar die Namen von den Patienten und die dazugehörigen Raumnummern, wo sie lagen, aber das Essen wurde durcheinander in den Wagen gestellt, so dass man sich immer genau merken musste, wer in welchem Zimmer schon essen hatte und wer nicht. Das war mittags auch immer dasselbe. Hinzu kam noch, dass man den Patienten, die eine OP vor sich hatten, nicht morgens aus versehen Essen hinstellte. Es gab zwar einen Plan, wo drauf stand, wer einen OP-Termin hatte, aber so früh morgens daran zu denken, war schon eine echte Gedankenakrobatik.
Nachdem das Frühstück ausgeteilt war und man innerlich beruhigt war, dass nun jeder etwas zu essen hatte, wurde besprochen, wer zu welchen pflegebedürftigen Patienten ging, um ihnen Essen anzureichen. Das war auf dieser Station nicht selten, da hier nun mal sehr viele ältere Menschen stationär lagen. Auch musste man manche Patienten waschen, die aufgrund einer Behinderung oder Altersschwäche es nicht mehr selber konnten. Am Anfang wurde mir das natürlich immer noch gezeigt, bis ich mir dann von alleine zutraute, diese Aufgabe zu übernehmen.
Anschließend ging ich an die Vorbestellungen für den nächsten Tag. Dazu gab es immer vorgefertigte Zettel, wo man nur die Zahlen einzutragen brauchte, wie viel man jeweils von den einzelnen Teesorten haben wollte, wie viel Zwieback, wie viel Besteck usw.. Anschließend musste man dies dann an die Küche faxen. Nachdem dies dann erledigt war, musste man dann die Frühstücktabletts wieder einsammeln und in den Essenswagen zurückstellen.
Nun folgte für die Patienten die Visite. Da es auf einer Augenstation unmöglich ist, mit den ganzen Untersuchungsgeräten zum Patienten ins Zimmer zu gehen, mussten die Patienten immer ins Visitenzimmer/Arztzimmer kommen und sich vorher in dem dortigen Wartezimmer versammeln. Dies hatte dann zur Folge, dass man bei den Essenskartenschreiben, wofür ich zuständig war, manche Patienten im Wartezimmer zu suchen hatte. Ich musste wirklich in jedes Zimmer einzeln hineingehen und jeden Patienten befragen, da es nun mal logisch ist, dass die Patienten auf dieser Station ihre Karten nicht selber ausfüllen konnten. Diese Arbeit kostete mich immer extrem viel Zeit, wie man sich vielleicht vorstellen kann. In dieser Zeit waren die Schwestern mit den Patientenaufnahmen beschäftigt und eine von ihnen war immer mit im Visitenzimmer. Von 09.00 bis 9.30 Uhr stand uns immer eine Frühstückspause zu. Das empfand ich auch immer als sehr gemütlich und notwendig, da man durch das frühe Aufstehen extrem viel Hunger hatte.
Meine Essenskarten mussten immer so zwischen 11.15 und 11.30 Uhr fertig sein, da dann schon das Mittagessen kam und diese dann auch gleich mitgenommen wurden. Nach dem Essenausteilen deckte ich unseren Buffetraum. So einen Raum kannte ich bisher auch noch nicht. Dort deckte ich dann die einzelnen Tische und stellte die Brotkörbe, Teekannen und Obst auf. Diese Einrichtung fand ich ganz gut, da sich so die Patienten, die quasi „nur“ etwas an den Augen hatten, abends immer in diesem Raum trafen und sich somit noch mit anderen Leidensgenossen austauschen konnten. Es wurde aber keiner gezwungen, dorthin zu gehen. Man sollte die Patienten bei dem „Essenskarten-Rundgang“ natürlich über diese Möglichkeit informieren und sie auch ermuntern, dieses Angebot zu nutzen.
Nach dem Abräumen vom Mittagessen musste man sich die Patienten von einer Tafel im Schwesternzimmer abschreiben, die mittags noch mal Blutdruck-, Puls-, Temperatur- und Blutzuckerkontrollen bekamen. Dann kehrte zum Glück etwas Ruhe ein und mir stand dann nur noch das Auspacken der Apothekenlieferung bevor. Diese kam immer, außer mittwochs. Von 13.30 bis 14.00 Uhr war dann Übergabe und um 14.00 Uhr endete dann mein Arbeitstag.
So sah ein ganz normaler Arbeitstag für eine Pflegepraktikantin/einen Pflegepraktikanten aus. Hinzu kam dann noch, dass man dafür zuständig war, das abgenommene Blut von den Patienten ins Labor zu bringen, je nachdem wann die Blutgefüllten Röhrchen im Aufbewahrungsbehälter standen. Auch musste man jeden Tag zur Röntgenabteilung laufen und die Bilder, die in unserem Fach standen, auf die Station bringen. Bei kleineren OP-Eingriffen, durfte ich dann die Patienten aus dem OP abholen.
Ich musste immer von montags bis freitags arbeiten und war jedes Mal für den Frühdienst eingeteilt. Die Schwestern meinten, dass das sinnvoller sei, da in dieser Schicht einfach mehr zu tun und zu sehen sei.
FazitIch kann eigentlich nur jedem empfehlen die Pflegepraktika auf ein und derselben Station zu absolvieren, da die Schwestern einem dann auch mehr zutrauen. Durch mein erstes Praktikum wusste ich schon den gesamten Ablauf und niemand brauchte mir auch mehr zu sagen, was ich zu tun hatte. Ich wusste ganz genau, mit welchen Tätigkeiten ich die Schwestern entlasten konnte. Ich versuchte auch immer meine mir zugetragenen Aufgaben zügig und vollständig zu erledigen. Das wirkte sich dann auch sehr positiv aus, indem ich dann ab und zu etwas Interessantes gezeigt bekam. Mir wurde z.B. gezeigt, wie man die Infusionen wechselt, Insulin spritzte und die Aufnahmen von Patienten machte.
Auch durfte ich sogar einen Tag in den OP mitgehen. Das war wirklich sehr interessant. Ich habe bei einer Strabismus-OP (Schiel-OP), Ptosis-OP (hängendes Oberlid-OP) und Kataract-OP (grauer Star- OP) zugeschaut.
Abschließend kann man sagen, dass ein zweimonatiges Krankenpflegepraktikum für das Medizinstudium sehr sinnvoll ist, da man hierdurch einerseits Einblicke in den Aufgabenbereich der Pflegekräfte und deren Schwierigkeiten erhält und man andererseits aber auch ein Gefühl für die Bedürfnisse und die Notwendigkeit von begleitenden Maßnahmen zur Unterstützung des Aufenthalts der Patienten gewann.
R., C.
Göttingen, August 2004 |