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Dass ich Medizin studieren wollte, stand für mich schon lange fest. Die Frage, vor der ich aber stand, war, ob ich bereits nach dem Abitur und damit vor Beginn des Studiums mein Krankenpflegepraktikum absolvieren sollte oder erst nach Studienbeginn. Zudem war es für mich wichtig, das hierfür richtige Krankenhaus zu finden als auch mich gezielt auf diese Zeit vorzubereiten, um den größten Nutzen aus diesem Praktikum zu ziehen. Überlegungen vor Beginn des Praktikums
Das Krankenhaus
Bewerbung
Mein Krankenpflegepraktikum
Fazit
Meine Empfehlungen
Überlegungen vor Beginn des PraktikumsMir war schon länger klar, dass ich Medizin studieren möchte. Nach dem Abitur hatte ich mir also überlegt, ob ich nicht vielleicht vor dem Beginn des Studiums das Krankenpflegepraktikum absolvieren sollte. Zu der Zeit kursierten im Internet – meiner Hauptinformationsquelle – je nach Universität bzw. Bundesland unterschiedliche Angaben über die Dauer des Praktikums. Deswegen hatte ich beschlossen, den Krankenpflegedienst erst nach Studiumsbeginn abzuleisten, nachdem ich mich über die Anforderungen des entsprechenden Landesprüfungsamtes informiert haben würde.
Zwar musste ich so einen Teil meiner Semesterferien für das Krankenpflegepraktikum einplanen und beneidete manchmal meine Kommilitonen, die mit ihrem Praktikum bereits fertig waren, doch es hat sich für mich sehr gelohnt, dieses Praktikum als Studentin zu machen. Besonders nützlich erwies sich für mich der Praktikumsteil, den ich nach dem zweiten Fachsemester auf einer chirurgischen Station absolviert habe.
Einer der Gründe dafür ist sicherlich der, dass man nach einem lehrreichen Semester mehr über den menschlichen Körper weiß. Dazu fällt mir als Beispiel mein zweimonatiges Praktikum ein, welches ich auf der Station für Innere Medizin nach dem ersten Fachsemester absolviert habe. Zusammen mit einer anderen Studentin, die ein Semester weiter war und auf der selben Station wie ich ihr Praktikum machte, durfte ich spontan bei einer endoskopischen Untersuchung zuschauen. Nachdem der Arzt erfahren hatte, dass wir Medizin studieren, hatte er freundlicherweise die Bilder auf dem Bildschirm kommentiert. Dabei benutzte er natürlich die jeweiligen Fachausdrücke für die einzelnen Magenabschnitte, damit wir uns orientieren konnten. Diese waren mir jedoch zu dem Zeitpunkt noch nicht bekannt. Schade, denn so wäre es wahrscheinlich doppelt interessant gewesen.
Zudem hat man während eines Semesters die Möglichkeit, in zusätzlichen Kursen, die von Studenten aus höheren Semestern angeboten werden, etwas „Praktisches“ wie z. B. Blutentnahmetechniken zu erlernen. Die Zeit im Praktikum könnte man dann zum Üben nutzen. Meistens, abgesehen vielleicht von den Universitätskliniken, wissen die Pfleger auch nicht so recht, was sie mit einem Medizinstudenten anfangen sollen. Da ist es schon hilfreich, dass man wenigstens etwas kann. So kann man das Pflegeteam tatkräftig unterstützen und fällt diesem nicht zur Last. Vielleicht haben die Mitglieder des Teams dann auch Zeit und Lust, einem noch etwas beizubringen.
Ein Krankenpflegepraktikum vor dem Studium, quasi zur Orientierung, halte ich persönlich für wenig sinnvoll. Während eines solchen Praktikums arbeitet man mit dem Pflegepersonal zusammen und erhält vor allem Einblicke in deren Aufgabenbereich. Zweifellos wird man sich dank der kleinen Botengänge auch ein Bild über die grundsätzliche Krankenhausorganisation und die Zusammenarbeit einzelner Abteilungen untereinander machen können. Doch wie der Arbeitstag eines Arztes aussieht, was seine Aufgaben auf der Station sind, erfahrt man eher nicht. Daher habe ich Bedenken, inwiefern die aus einem solchen Pflegepraktikum gewonnenen Informationen einem bei der Entscheidung für oder auch gegen ein Medizinstudium hilfreich sein sollen.
Das Krankenhaus Das Elbe-Elster Klinikum in Herzberg |
| Das Krankenhaus der Grundversorgung in Herzberg/Elster ist eines von drei Standorten des Elbe-Elster Klinikums. Es wurde vor ca. 11 Jahren errichtet und ist sehr übersichtlich gebaut. Auf der rechten Seite befindet sich der stationäre Bereich, auf der linken Seite – der Funktionsbereich und die Verwaltung.
Das Krankenhaus in Herzberg verfügt über mehrere Abteilungen, darunter zwei Stationen für Innere Medizin, zwei Stationen für Chirurgie, eine Intensivstation sowie Gynäkologie mit Geburtshilfe und eine Kinderabteilung. Der Funktionsbereich setzt sich zusammen aus Endoskopie, EKG/Sonografie, Radiologie, Labor, und Physiotherapie, wo stationäre und ambulante Patienten behandelt werden.
Ich hatte mich für dieses Krankenhaus entschieden, da ich es bereits vor dem Beginn meiner Studienzeit aus früheren Schulpraktika gut kannte. Zudem wohnen meine Eltern nicht weit davon entfernt, sodass ich mich nicht um eine Unterkunft und Verpflegung kümmern musste.
BewerbungMeine Bewerbung mit den Angaben zum geplanten Zeitraum hatte ich persönlich bei der Pflegedienstleitung eingereicht und erhielt gleich ein Formular, notwendiges ärztliches Attest für Praktikanten im Krankenhaus, welches von meinem Hausarzt ausgefüllt werden musste. Außerdem wurde von mir eine ärztliche Bescheinigung über den Antikörpernachweis verlangt. Diese bekam ich nach einer kostenlosen Untersuchung durch den Betriebsarzt im arbeitsmedizinischen Zentrum und einer ca. 6-wöchigen Wartezeit mit der Post. Am besten sollte man sich also schon vorher um die ärztliche Bescheinigung des AMZ kümmern, um unnötige Verzögerungen zu vermeiden. Da ich mich recht früh beworben hatte, konnte ich trotz der Wartezeit zum geplanten Zeitpunkt mit dem Praktikum anfangen.
Mein Krankenpflegepraktikum Blick auf das Elbe-Elster Klinikum in Herzberg |
| An meinem ersten Arbeitstag sollte ich mich so wie andere Praktikanten bei der Pflegedienst-leitung im Konferenzraum melden. Dort wurde dann der Praktikantenvertrag unterschrie-ben. Die pflegedienstleitende Schwester erklärte mir und den anderen Praktikanten als Nächstes die Regeln des Hauses. Die Freundlichkeit hat in diesem Krankenhaus einen hohen Stellenwert. Deshalb wurde die Pflicht, freundlich und zuvorkommend den Patienten und Krankenhausbesuchern gegenüber zu sein, besonders hervorgehoben. Anschließend gab es eine kleine Führung und Erklärung, wo sich die einzelnen Stationen befinden. Im Anschluss daran erhielt ich meine Arbeitskleidung und wurde auf meine Station gebracht. In der ersten Woche gab es dann noch einen vorschriftsmäßigen Termin zur Arbeitsschutzbelehrung.
Das Pflegeteam und die Ärzte waren von Anfang an alle sehr nett zu mir. Es herrschte durchgehend ein angenehmes Arbeitsklima. Nachdem ich mit dem Pflegepersonal abgeklärt hatte, welche Tätigkeiten ich ausführen kann, wurde ich in den Tagesablauf integriert. Meistens begleitete ich eine der Schwestern bei den Rundgängen und half ihr bei der Versorgung der Patienten. Die tägliche Kontrolle der Vitalwerte habe ich oft auch selbständig durchgeführt. Hin und wieder rief man mich zur Aufnahme der Patienten, die zur geplanten OP gekommen waren und stationär aufgenommen werden mussten. Dann durfte ich, während die Schwester die Aufnahmeformulare ausfüllte, die Vitalwerte messen und Blut abnehmen.
Für das Austeilen der Essen, das Bettenmachen und sonstige kleine Verrichtungen waren das Service-Personal angestellt. Natürlich half ich ihnen ab und zu, doch blieb mir noch genug Zeit, andere Dinge zu lernen oder bei der Visite mitzulaufen. Dabei wurde ich vom Chefarzt persönlich auch schon mal per Händedruck begrüßt. Ein paar Mal gab es sogar eine Erläuterung des Krankheitsbildes. Es freute mich sehr, dass ich von ihm wie eine zukünftige Kollegin behandelt wurde!
Oftmals war auch Eigeninitiative gefragt. Wenn ich der Meinung war, dass ich etwas selbständig machen konnte, habe ich mich nicht gescheut, die Schwester danach zu fragen. So durfte ich ein paar Mal, nachdem ich des öfteren zuvor zugesehen hatte, wie die Schwester es machte, eine Drainage von der OP-Stelle entfernen. Häufig aber fragten die Schwestern auch von allein, ob ich dies oder jenes machen könnte bzw. lernen möchte. So lernte ich viele praktische Dinge, die im Rahmen einer
OP-Vorbereitung und OP-Nachsorge durchgeführt werden.
Ein Zimmer auf der Station war für die ambulanten Patienten vorgesehen, die nach endoskopischen Untersuchungen auf der chirurgischen Station über zwei Stunden überwacht wurden. Mir wurde von Seiten des Pflegeteams ein großes Vertrauen entgegengebracht, sodass ich die Betreuung der ambulanten Patienten nach einer Endoskopie und Koloskopie inklusive Eintragung der Patientendaten für die EDV selbständig erledigen durfte. Ich kam mir vor wie ein vollwertiges Mitglied des Pflegeteams! Abgesehen davon, war es ein sehr angenehmes Gefühl, dass man nicht wegen jeder Kleinigkeit die Schwester rufen musste, sondern in der Lage war, selbständig zu arbeiten.
Von Seiten der Patienten habe ich ebenfalls nur Positives zu berichten. Sie haben es zugelassen und sich nicht geweigert, von einer unerfahrenen „Schwester“ versorgt zu werden. Auch bei den Blutabnahmen gab es diesbezüglich keine Proteste. Ich nahm mir Zeit, mich mit Patienten zu unterhalten und ihnen diverse Fragen zu stellen. Sie freuten sich über mein aufrichtiges Interesse und berichteten gern ihre Krankengeschichte.
Nach vorheriger Rücksprache wurde ich ein Wochenende für die Notaufnahme eingeteilt. Dabei konnte ich nicht nur Einblicke in die Arbeitsweise des dortigen Personals erhalten, sondern vor allem üben, wie man ein EKG schreibt. Da man in der Notaufnahme keinen geregelten Tagesablauf hat, sondern gänzlich vom Patientendurchgang abhängig ist, hatte ich, wenn gerade keine Patienten zu versorgen waren, die Möglichkeit, mich mit den Schwestern über ihre Arbeit zu unterhalten.
An meinem letzten Arbeitstag brachte ich einen selbstgemachten Kuchen mit, um mich auf diese Weise bei dem Stationsteam für die schöne Zeit zu bedanken. Ganz rührend fand ich es, als mir ein kleiner schlafender Engel als Geschenk überreicht wurde. Er hat jetzt einen Ehrenplatz auf meinem Bücherregal gefunden. Immer, wenn ich ihn ansehe, erinnere ich mich gern an die schöne Zeit während des Praktikums in der Chirurgie.
Fazit Idyllisches Stadtzentrum von Herzberg |
| Insgesamt kann ich mit absoluter Sicherheit sagen, das sich das Praktikum auf der chirurgischen Station in Herzberg für mich sehr gelohnt hat. Ich konnte nicht nur die Zeit für das Üben nutzen, sondern habe auch viel dazu gelernt.
So wie viele Studenten hatte ich mich vor dem Praktikum gefragt, wozu ich als zukünftige Ärztin dieses Praktikum absolvieren muss und mit einem anderen Berufszweig zusammenarbeiten soll? Während meiner Praktikumzeit auf dieser Station hatte ich aber keinerlei Probleme damit, meine Position zu definieren. Das liegt vermutlich daran, dass es nirgendwo genau vorgeschrieben ist, welche Aufgaben Medizinstudenten während des Krankenpflegedienstes haben.
So hängt es zu einem großen Teil von einem selbst ab, was man daraus macht. Meine positive Erfahrung in der Chirurgie schreibe ich deshalb nicht nur dem angenehmen Arbeitsklima zu, was natürlich ein wesentlicher Faktor war, sondern auch meinen eigenen Bemühungen, soviel wie möglich aus diesem Praktikum mitzunehmen.
Meine EmpfehlungenJemandem, der demnächst ein solches Krankenpflegepraktikum absolvieren wird, würde ich empfehlen, einige praktische Fertigkeiten vor dem Praktikum zu erlernen. Dazu eignen sich hervorragend Tutorien, die von Studenten aus höheren Semestern angeboten werden. Am Besten, meiner Meinung nach, sollte man sich für das Krankenpflegepraktikum ein kleineres Krankenhaus suchen.
Und zum Schluss vielleicht ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für ein gelungenes Praktikum: Zeigt Eigeninitiative! Glaubt nicht, dass alle nur auf Euch warten und den brennenden Wunsch haben, Euch alles beizubringen. Bereitet Euch bewusst auf dieses Praktikum vor. So macht es nicht nur mehr Spaß, sondern man zieht aus dieser relativ langen Zeit für sich den höchsten Nutzen.
Das Schlimmste aus meiner Sicht wäre, die drei Monate einfach verstreichen zu lassen, um am Ende nur die Bescheinigung zu erhalten. Das wäre wirklich verlorene Zeit. Also macht das Beste daraus!
S., J.
Berlin, Mai 2009 |