Die Wahl des Zeitpunktes
Bewerbung
Mein Krankenpflegepraktikum
Vergütung
Mein Fazit
Die Wahl des ZeitpunktesMedizinstudent? Das heißt nicht nur Theorie in Form von Anatomievorlesungen oder Terminologievokabeln, sondern auch Praxis – gemeint ist das Krankenpflegepraktikum. Wie? wann? wo? und warum? Ich werde versuchen Antworten zu geben und ein wenig Licht ins Dunkle zu bringen.
Eigentlich gibt es zwei Möglichkeiten, wann man das Praktikum absolvieren kann. Entweder vor dem Studium oder währenddessen. Viele entscheiden sich für den ersten Weg. Schulferien oder die Zeit zwischen Abitur und Studienbeginn eignen sich ideal dafür. Man hat die Chance, in aller Ruhe mal in die Pflege „reinzuschnuppern“, Erfahrungen zu sammeln und einen realen Einblick ins spätere Berufsleben zu bekommen. Außerdem wird man nicht von wieder anstehenden Klausuren, Seminaren oder Kursen „verfolgt“ und hat den Kopf frei, um mal die praktische Seite der Medizin kennen zu lernen.
Verlegt man das Praktikum in die Semesterferien und stellt dann fest, dass es doch nicht so toll ist, wie man es sich vorgestellt hat, muss jeder zugeben: schade um die bis dahin eigentlich unnütz verstrichene Zeit.
BewerbungDa ich nach dem Abitur nicht sofort einen Medizinstudienplatz bekommen hatte, absolvierte ich mein Krankenpflegepraktikum im Rahmen eines sozialen Jahres. Also bewarb ich mich in kurzer Form im Klinikum Niederlausitz in Senftenberg, meiner Heimatstadt, und kam leider erst einmal auf eine Warteliste.
Nach ca. zwei Wochen wurde ich dann zu einem Bewerbungsgespräch bei Frau Dethloff eingeladen. Sie fragte mich nach meinen beruflichen Perspektiven, sowie meiner Einstellung zur Arbeit mit Patienten, Krankheit und Tod. Es war relativ schnell klar, dass ich bald anfangen durfte. Anschließend stand mir noch eine Belehrung über Schweigepflicht und persönliches Auftreten bevor. Diese Aspekte sollten jedoch von Beginn an als selbstverständlich gelten.
Mein KrankenpflegepraktikumAlso machte ich mich am 01.09.2004 auf den Weg zur Krankenpflegeschule des Klinikums, um ein einwöchiges Seminar über Pflege, Recht und erste Hilfe zu besuchen. Dort wurde mir auf einer so genannten Probestation beigebracht, wie man Betten macht, Patienten wäscht oder die allseits beliebten Bettpfannen säubert.
Mit dem abschließenden „erste Hilfe“ Kurs wurde die erste Woche beendet und ich war startklar für meinen Einsatz auf der Station 25 („Unfall- Hand- und plastische Chirurgie) sowie der Station 26 („Wirbelsäulenchirurgie“).
Schnell fiel mir auf, dass Spontaneität groß geschrieben wurde – da ich ursprünglich für die psychiatrische Station eingeteilt war. Es war in diesem Klinikum also leider nicht möglich die Station frei zu wählen. Wie ich Frau Dethloff jedoch kennen gelernt habe, ist es kein Problem, Wünsche zu äußern.
Als Praktikant hat man viele Pflichten, aber auch einige Rechte. Meine Aufgaben bestanden zum größten Teil aus Patientenbetreuung in Form von Essensausgabe und -reichung, Waschungen, und hier und da ein kleines, aufmunterndes Schwätzchen mit den oft sehr dankbaren Patienten.
Selbstverständlich kommt man um gewisse Reinigungsarbeiten nicht herum, aber es liegt auch an einem selbst, das Aufgabenspektrum zu erweitern. So sollte man immer wieder fragen: „Kann ich helfen? Gibt es noch etwas zu tun? Wie funktioniert das? oder „Darf ich mal zuschauen?“ Ich habe die Erfahrung gemacht, dass dies Vertrauen schafft und sich einige Schwestern, Therapeuten oder sogar Ärzte gerne mehr Zeit nehmen, um Verbände, Blutabnahmen, Dokumentationen, andere pflegerische Tätigkeiten oder Therapieformen genauer zu erklären.
So hatte ich z.B. auch die Möglichkeit, einen Tag im OP-Saal zu verbringen. Da durfte ich eine Hüft - Totalendoprothese (kurz TEP), eine Knie-TEP sowie eine Arthroskopie live mitverfolgen. Auch die Anästhesistin nahm sich kurz Zeit und erklärte mir einige Verfahren.
Für die Betreuung waren die beiden Mentoren der Station verantwortlich, sie waren kompetente Ansprechpartner und waren immer darauf bedacht, mir so viel wie möglich zu zeigen. Der Dienstplan wurde von der Oberschwester geschrieben. Frühschichten, Spätschichten und so genannte Zwischendienste standen auf der Tagesordnung und ermöglichten es mir, voll ins Team integriert zu werden und Alltag in einer Klinik zu erleben.
Nach 11 Monaten, am 31.07.2005, wurde ich dann herzlich verabschiedet und beendete mein Krankenpflegepraktikum mit einigen sicher nützlichen Erfahrungen über Pflege, aber auch über Kontakt zu Patienten und Kollegen.
VergütungPraktisch, aber nicht immer Vorraussetzung, ist die Möglichkeit der Vergütung, die sich manche Kliniken offen lassen. Ich bekam jeden Monat 150€ als so genannte „Aufwandsentschädigung“. Außerdem wurde mir die Arbeitskleidung gestellt, was nicht immer als selbstverständlich gilt.
Mein FazitInsgesamt kann ich nur empfehlen, das Krankenpflegepraktikum zusammenhängend und vor dem Studium zu absolvieren. Wer will, kann ja innerhalb des Krankenhauses zwischen mehreren Stationen in regelmäßigen Abständen wechseln, um einen größeren Überblick zu erhalten.
Ich habe mit der oben genannten Variante sehr gute Erfahrungen gemacht und bin mit Sicherheit froh, später auch mal ein paar freie Tage in meinen Semesterferien genießen zu können, wenn andere ihr Praktikum absolvieren.
Als kleiner Tipp am Rande: kümmert euch rechtzeitig! Viele Krankenhäuser werden in den Ferien oder nach dem Abitur regelrecht überrannt und es gestaltet sich äußerst schwer, einen Praktikumplatz zu ergattern, um nicht auf einer Warteliste zu enden.
Dann wünsche ich Euch viel Spaß, genießt die Zeit und denkt dran: jeder Patient freut sich über ein kleines Lächeln!
B., K.
Berlin, Mai 2006 |