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Gastroenterologie und Unfallchirurgie, Klinikum Prenzlauer Berg, Berlin
(Vor- und Nachteile des Pflegepraktikum vor dem Studium, 04.10.2005 - 03.01.2006)

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Geschichte und Allgemeines
Bewerbung
Ablauf, Aufgaben und Tätigkeiten
Krankenpflegepraktikum vor dem Studium – Vor- und Nachteile
Mein Fazit

Geschichte und Allgemeines

Das Klinikum Prenzlauer Berg KPB ist eines von neun Vivantes Klinika in Berlin. Es hat ca. 280 Betten, ist sehr zentral gelegen und seit 1940 in Betrieb. Es ist kein akademisches Lehrkrankenhaus. Der Gebäudekomplex steht unter Denkmalschutz und wurde Ende der 90er komplett saniert. Es gibt eine hübsche Grünanlage inkl. Biogarten – der natürlich im Sommer eher zu bewundern ist als im Winter. Die Schwerpunkte liegen in der Gastroenterologie, Chirurgie, Geriatrie und Kardiologie.

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Bewerbung

Mein Praktikum leistete ich im Herbstquartal ab (04.10.06 bis 03. 01.06), also zu einer Zeit, in der Medizinstudis im Hörsaal sitzen. Es lag wohl daran, dass ich auch mit meiner sehr kurzfristigen Bewerbung - ca. zwei Wochen vor Praktikumsbeginn - noch Glück hatte. Mein Tipp an alle, die das Praktikum vor dem Studium absolvieren möchten: keine Bewerbung in der vorlesungsfreien Zeit!

Aus studienorganisatorischen Gründen entschied ich mich dafür, das Praktikum am Stück abzuleisten. Es gab keine besondere Vorbereitung. Einsatzorte waren die Innere Medizin / Gastroenterologie und die Unfallchirurgie, für jeweils ca. sechs Wochen.

Ich hatte mich nicht explizit für diese Stationen beworben, wollte meine Präferenzen aber im persönlichen Gespräch vorbringen. Dann fiel aber sowieso das Zauberwort „Chirurgie“ und ich war hochzufrieden. Mit der Gastroenterologie konnte ich zunächst nichts anfangen, aber dies hat sich in den ersten sechs Wochen meines Praktikums dann stark geändert.

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Ablauf, Aufgaben und Tätigkeiten

Ich war fast ausschließlich im Frühdienst eingesetzt, also von 07.00 bis 15.30 Uhr. Im Frühdienst gibt es immer viel zu tun, aber man kann auch viel beobachten bzw. ansehen. Los ging es mit der Bettenrunde. Dabei wurde die Bettwäsche gewechselt, den Patienten wurde ggf. beim Waschen geholfen, es wurden Blutdruck, Temperatur und Puls gemessen - auf der Chirurgie passierte dies am Vormittag - und in den Kurven eingetragen. Die Sache mit dem Blutdruck war am Anfang etwas trickreich, aber man begreift es schließlich doch und dann ist es schon cool, mit dem Stethoskop durch die Gegend zu rennen…

Morgens und mittags wurde das Essen ausgeteilt. Besonders pflegebedürftige Patienten wurden gefüttert. Ich hätte es nicht gedacht, aber gerade das Füttern hat mir besonders viel Spaß gemacht. Man konnte sich für einen einzelnen Menschen mal etwas Zeit nehmen und sich ihm uneingeschränkt zuwenden. Es war schön zu beobachten, wie sich das auswirkte, wie das Vertrauen wuchs und jemand am zweiten oder dritten Tag schon viel mehr aß als am Anfang oder - in einem Fall - sogar wieder anfing zu sprechen.

Zum Alltag gehörten weiterhin kleine Gänge zum Bringen und Holen von Röntgenbildern, Proben aus dem Labor, der Post, oder das Erledigen kleiner Besorgungen für die Patienten. Der Kaffee musste natürlich auch gekocht, der Tee- und Kaffeewagen der Patienten befüllt und in Ordnung gehalten werden. Nachmittags räumte ich die Apothekenlieferung ein, was ich ziemlich interessant fand, weil man die ganzen Medikamente ein bisschen kennen lernte. Manchmal half ich einem Patienten beim Duschen oder Baden, dies war körperlich anstrengend, aber auch ziemlich lustig. Die älteren Patienten waren immer sehr nett und halfen gut mit, wenn es darum ging, sicher in die Wanne zu kommen.

Nachmittags wurde die Station an die nächste Schicht übergeben. Dies war immer sehr interessant, weil man hier viel über die Patienten und ihre Krankheiten erfuhr. Natürlich durfte man auch in die Akten reinschauen, aber weil es doch immer ziemlich viel zu tun gab, blieb dafür leider ziemlich wenig Zeit.

Wenn die Patientenklingel ertönte, ging ich natürlich auch nachsehen, was los war. Ggf. rief ich dann eine Schwester oder löste das Problem selbst, wenn es sich bloß um eine zu wechselnde Windel handelte, und der Patient halbwegs mobil war. Manchmal war auch bloß eine Heizung hoch- oder runterzudrehen.

Ein kleines Highlight waren die Patientenaufnahmen, bei denen man ein kleines Interview zu Grunderkrankungen und Allergien führt sowie Blutdruck, Puls und Temperatur misst. Auf der Chirurgie gab es noch eine kleine Extraaufgabe, nämlich das Verteilen von Eispäckchen. Fehlt noch der Klassiker: Essenkarten aufnehmen. Der Horror eines jeden Pflegepraktikanten blieb auch mir nicht erspart: Zeitaufwändig und eintönig, aber eine Sache, die halt erledigt werden muss - und nicht nur Nachteile hat, siehe unten.

Neben den allgemeinen Tätigkeiten konnte ich den Ärzten und Schwestern bei ihrer Arbeit zusehen, z. B. beim Blutabnehmen, bei Infusions- und Verbandswechseln. Auch eine Visite durfte ich auf jeder Station mitlaufen, wobei die Visiten auf der Chirurgie natürlich sehr kurz ausfallen. Richtig klasse waren die Möglichkeiten, bei Untersuchungen zuzusehen. Auf der Gastroenterologie durfte ich eine Koloskopie und Gastroskopie ansehen, dazu Ultraschall-Untersuchungen, EKGs, eine Beckenkamm- und eine Aszitespunktion. Es war sehr interessant, zu beobachten, dass auch Gastroenterologen viel handwerklich arbeiten. Und auf der Chirurgie durfte ich sogar den OP betreten, was natürlich das Beste am ganzen Praktikum war. Da ich mich besonders für die Unfallchirurgie interessiere, war es einfach zu perfekt, mal der Entfernung einer Metallplatte am Knöchel beizuwohnen. Die Rettungsstelle war für Praktikanten leider tabu.

Insgesamt betrachtet kann ich sagen, dass mir der Kontakt zu den Patienten am meisten Spaß gemacht hat. Als Praktikant kann man immer mal, z. B. bei der Essensaufnahme, ein paar Minuten mit ihnen plaudern, und erfährt ganz interessante Dinge darüber, wie sich Patienten so fühlen und die älteren haben natürlich eine Menge Lebenserfahrung. Es war auch interessant zu beobachten, wie unterschiedlich die Menschen mit ihren Erkrankungen umgehen. Besonders viel Spaß hat es mir, wie gesagt, gemacht, wenn ich mich einem einzelnen Patienten etwas länger widmen konnte, z. B. mit einer älteren Dame eine kleine Spazierfahrt im Rollstuhl machte.

Natürlich wird man auch mit schlimmen Krankheiten konfrontiert, mit Krebs oder Demenz oder mit Angehörigen, die sich nicht kümmern. Wenn man die Blutsenkung abliest, ist man möglicherweise der erste, der darüber informiert ist, dass der betreffende Patient eine bösartige Erkrankung hat. Man muss lernen, damit umzugehen bzw. sieht in der Realität, ob man seine Berufswahl noch einmal überdenken sollte. Das gleiche gilt für das Windeln oder die Entsorgung der Exkremente. Wir Praktikanten wurden darauf hingewiesen, dass wir nicht dazu verpflichtet waren, diese Arbeiten zu erledigen, aber irgendwie gehörte es doch zum praktischen Berufstest.

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Krankenpflegepraktikum vor dem Studium – Vor- und Nachteile

Die Ableistung des Pflegepraktikums vor dem Studium hat Vor- und Nachteile. Die Vorteile:
Man schafft sich einen Freiraum und hat, insbesondere Richtung Physikum andere Dinge im Kopf als Schieber von A nach B zu tragen.

Man kann seinen Berufswunsch in der Realität einer Prüfung unterziehen, da man selbst arbeitet und aber auch viel beobachten kann bzw. Gespräche mit dem Personal führt. Wer kein Blut sehen kann und/oder bestimmte Gerüche schlecht verträgt, oder die Nähe zu Mitmenschen eher unangenehm findet, wird hier schnell an seine Grenzen stoßen.

Außerdem lernt man u. U. andere Praktikanten kennen, die man dann an der Universität wieder trifft. Das gleiche gilt für höhere Semester, die im Krankenhaus jobben. Man fühlt sich an seinem ersten Tag an der Uni also nicht ganz verloren, wenn man im Hörsaal das eine oder andere bekannte Gesicht entdeckt…

Die Nachteile: Mit etwas Vorbildung kann man aus einem Pflegepraktikum sicher mehr „rausholen“, z. B. bei den Visiten, wenn man die Termini versteht, man kann seine Fragen selbstbewusster stellen bzw. detaillierter.

Ein besonderes Problem kann auftauchen, wenn man noch keinen Studienplatz hat und beim Praktikum feststellt, das ist alles noch viel besser, als ich es mir vorgestellt habe. Dann kann die Zeit hart und lang werden…

Andererseits ist der Weg zum Physikum eben auch mit vielen Hürden gepflastert und ich bin sehr froh, dass ich mir wegen des unbezahlten und zeitaufwändigen Pflegepraktikums keine Sorgen mehr machen muss. Schlussendlich muss jeder selbst entscheiden, worauf er die Schwerpunkte legt.

Meine grundsätzliche Empfehlung ist aber, mehrere Stationen zu durchlaufen, weil man einen breiteren Einblick in das Berufsbild erhält und möglicherweise seinen Horizont erweitert und Vorbehalte gegenüber einem Fachgebiet abbaut. Der Ablauf ist auf den Stationen auch z. T. ziemlich unterschiedlich. Chirurgen sind bedingungslose Frühaufsteher, das war z. B. eine wichtige Erkenntnis dieses Praktikums.

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Mein Fazit

Das Personal war auf allen Stationen sehr nett. Dies gilt für die Schwestern, Pfleger und Ärzte gleichermaßen. Alle waren bereit, Fragen zu beantworten und auch die Ärzte nahmen sich diese Zeit, egal ob bei der Blutabnahme oder beim Koloskopieren. Und den meisten war es auch völlig egal, dass ich noch gar keinen Studienplatz hatte. Dies fand ich besonders nett.

Auf meiner Station gab es auch noch jeweils einen anderen Praktikanten und einen Zivi. Das war z. T. echt lustig und wir hatten neben der ganzen Arbeit auch einigen Spaß auf der Station.

In vielen Krankenhäusern, besonders den großen, kann man sich - nach meinem Kenntnisstand - gar nicht die Station aussuchen, auf der man arbeiten möchte. Im KPB kann man durchaus Wünsche äußern. Wenn Kapazitäten frei sind, werden diese auch berücksichtigt - in meinem Fall war dies halt nicht nötig. Ein großes Krankenhaus ist natürlich aufregender, ein kleines dafür übersichtlicher und vom Umgangston sicherlich etwas familiärer.

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S., S.
Berlin, Mai 2006
News-Alarm