Chancen im AuslandChancen im InlandAlternative Berufsfelder

Nephrologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin
(Den Wunsch gefestigt, Medizin zu studieren, 01.10.2002 - 08.01.2003)

  Sie sind hier:
Motivation - Krankenpflegepraktikum vor dem Studium
Wahl des Krankenhauses
Bewerbung und Vorstellung
Praktikumsverlauf
Mein Fazit

Motivation - Krankenpflegepraktikum vor dem Studium

Nach meinem Abitur im Sommer 2002 wollte ich ursprünglich ein halbes Jahr die Stadt Berlin erkunden und dann zum Sommersemester 2003 mit dem Studium beginnen. Da ich mich in der zweiten Hälfte der 13. Klasse näher mit den Richtlinien, Praktika, etc. des Medizinstudiums auseinandergesetzt hatte, entschied ich mich spontan, meinen Berlinaufenthalt mit dem Krankenpflegepraktikum zu verbinden. Außerdem wollte ich damit auch herausfinden, inwieweit ein Medizinstudium und der Arztalltag überhaupt das Richtige für mich sind.

Die Entscheidung, das Pflegepraktikum komplett vor Studienbeginn zu machen, kann ich jedem nur wärmstens empfehlen, denn viele fangen mit dem Studium an, ohne vorher einmal ein Praktikum im Krankenhaus gemacht zu haben bzw. Kontakt und Umgang mit Patienten gehabt zu haben und stellen dann fest, dass sie es sich doch ganz anders vorgestellt hatten.

Darüber hinaus bietet das Pflegepraktikum natürlich auch die Möglichkeit sich mit Ärzten, PJ’lern und Assistenzärzten auszutauschen und etwas von deren Erfahrungen mitzubekommen, die für ein Überleben in der Vorklinik teilweise sehr wichtige Stützen sein können. Mir haben die Erinnerungen an mein Pflegepraktikum und die Ratschläge der Ärzte über so manchen Lernfrust hinweggeholfen.

zurück nach oben

Wahl des Krankenhauses

In Berlin selbst kannte ich an Krankenhäusern nur die Charité und so entschied ich mich dazu, mich erst einmal umzuhören, bevor ich mit dem Bewerbungen schreiben begann. Die Tante meines Freundes hatte zufällig eine Bekannte, die als Ärztin am Campus Virchow-Klinikum der Charité tätig war. Über sie bekam ich den Tipp und auch die Adresse, um mich dort zu bewerben. Da ich keine persönlichen Kontakte zu anderen Kliniken hatte, entschied ich mich dafür, eine Bewerbung für die Charité Universitätsmedizin Berlin, Campus Virchow Klinikum, fertig zu machen.

Große Chancen dort einen Praktikumsplatz zu bekommen - wo die Charité doch so renommiert ist und ich nicht einmal eingeschrieben war - hatte ich mir jedoch nicht ausgerechnet. Was allerdings total unbegründet war, denn wenn man sich rechtzeitig bewirbt, bzw. noch genug freie Praktikumsplätze zur Verfügung stehen, dann bekommt man den Platz auch. Also wer nicht wagt, der nicht gewinnt, und darum traut Euch!

zurück nach oben

Bewerbung und Vorstellung

Ich habe ein formales Anschreiben mit der Anfrage um einen Platz für das Krankenpflegepraktikum sowie Lebenslauf und Abiturzeugnis einfach an die Adresse der Krankenpflegedirektion geschickt. Rund zwei bis vier Wochen später kam dann auch schon die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch. Damals war ich zufällig ein paar Wochen vorher in Berlin, um eine Freundin zu besuchen und habe dabei die Gelegenheit gleich wahrgenommen, um mir das Gelände des Campus Rudolf Virchow ein Bisschen näher anzusehen und mich dort umzuschauen.

Falls Ihr nicht aus Berlin kommt und wie ich, das Praktikum vor dem Studium machen wollt, dann empfehle ich Euch auch, auf jeden Fall vorher mal hierher zu kommen und sich umzusehen, ob es Euch überhaupt zusagt. Ich war damals wirklich positiv überrascht und natürlich beeindruckt von der Größe des ganzen Geländekomplexes, denn dies kann man sich, wenn man aus einer kleinen Stadt mit „normalem“ Kreiskrankenhaus kommt, wirklich nur schlecht vorstellen.

Wie oben bereits erwähnt, kam ca. zwei bis vier Wochen nach Bewerbung die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch bei der Krankenpflegedirektion. Vor diesem Vorstellungsgespräch braucht man aber absolut keine Angst zu haben, denn eigentlich geht es dabei nur um die Abklärung, auf welche Station man gerne möchte. Ich hatte die Auswahl zwischen fünf Stationen/Fachbereichen und entschied mich für die Nephrologie.

Nachdem wir dies besprochen hatten, teilte mir die Krankenpflegedirektorin die Nummer der Station sowie den Namen der zuständigen Oberschwester mit, mit der Bitte, mich vor Beginn meines Praktikums dort vorzustellen. Statt lange zu warten und das Vorstellen vor mir her zu schieben entschied ich mich, dort gleich vorbei zu gehen. Ich war schließlich auch neugierig, wo ich da gelandet war.

Auf der Station stellte ich mich dann kurz den anwesenden Krankenschwestern als Pflegepraktikantin vor und konnte mir somit auch gleich einen ersten Eindruck verschaffen.

zurück nach oben

Praktikumsverlauf

Am ersten Tag meines Praktikums wurde ich zuerst allen vorgestellt und durfte mir dann in der Wäscherei meine Arbeitskleidung abholen. Sie bestand aus einer weißen Hose und einem hübsch gestreiften Oberteil und wurde auch von allen Schwestern und Pflegern getragen. Danach sind wir kurz allgemeine Richtlinien und Dinge zum Ablauf durchgegangen und ich erfuhr, dass Pflegepraktikanten/innen auf der Station immer nur zum Frühdienst von 6.00–13.30 Uhr und auch nur unter der Woche eingeteilt werden.

Während meines Praktikums fand ich heraus, dass dies auch eigentlich die sinnvollste Einteilung ist, da man im Frühdienst wirklich am meisten mitbekommt, sowohl in der Pflege als auch von Seiten der Ärzte aus, die morgens Ihre Visite machen und beispielsweise Blutproben abnehmen.

Die Schwestern stellten mir frei, ob ich um 6.00 Uhr zu Dienstbeginn kommen wollte oder schon um 5.30 Uhr zur „Übergabe“, d.h. zur Ablösung der Nachschicht von der Frühschicht. Dabei gaben die Schwestern aus der Nachtschicht einen kurzen Bericht zu jedem Patienten und den Vorfällen in der Nacht sowie dazu, was für die/den jeweilige/n Patientin/en an diesem Tag anstand und deshalb entschied ich mich, mit einem eigenen kleinen Notizheftchen immer dabei zu sein. Das frühere Aufstehen lohnt sich, denn so seid Ihr Tag für Tag voll informiert und wisst was ansteht. Ansonsten fällt es schwerer, Krankheiten und angewandte Untersuchungen zu begreifen. Zudem freuen sich die Schwestern, wenn man Interesse zeigt. Ich wurde immer mit einem morgendlichen Kaffee und Keksen verwöhnt!

Zu Beginn meines Praktikums bin ich in der ersten Woche immer mit derselben mich betreuenden Schwester mitgegangen. Sie hat mir die Patienten vorgestellt und mir erklärt, was dort gemacht werden muss und auf was ich zu achten habe. Dabei konnte ich jederzeit Fragen stellen, ohne genervt angeschaut zu werden. Also traut Euch und fragt soviel Ihr wollt. Wenn man nicht fragt und es dann falsch macht, ist das viel blöder!

Ich durfte jedoch nicht nur zuschauen, denn dies wäre irgendwann sicher langweilig geworden, sondern am Anfang unter Anleitung und später für einige Patienten sogar alleine die kompletten Pflegemaßnahmen durchführen. Dadurch, dass ich vieles selbst machen durfte, konnte ich so manche Hemmungen und Berührungsängste ablegen und an den Reaktionen der Patienten wachsen. Wenn ich zwischendurch nicht weiter wusste oder mir nicht sicher war, konnte ich jederzeit jemanden fragen.

Mein Tagesablauf, sah folgendermaßen aus: Wie oben beschrieben, erschien ich jeden Tag um 5.30 Uhr zur Übergabe. Darauf folgte die erste Runde mit Puls-, Blutdruck- und Temperaturmessung, sowie einer kurzen Befragung der Patienten zu Stuhlgang und Beschwerden. Die einzelnen Messmethoden wurden mir zu Beginn des Praktikums genau gezeigt bzw. erklärt, auf was ich zu achten hatte. Im weiteren Verlauf meines Praktikums, durfte ich diese alleine mit Eintrag in die Patientenakte durchführen. Danach standen je nach Allgemeinzustand des Patienten entweder die komplette Körperpflege mit Gesichts- und Mundpflege sowie dem Waschen des Patienten oder nur kleine Hilfen bei der Körperhygiene auf der Tagesordnung. Wie bereits erwähnt, erhielt ich dafür genaue Instruktionen und durfte dann auch eigenständig alles durchführen.

Um 8.30 Uhr–9.00 Uhr war dann für alle eine Frühstückspause, bei der ich mich immer sehr nett mit den Schwestern unterhalten habe und so alle persönlich kennen lernen konnte. Nach dem Frühstück stand dann u.a. das Wechseln von Verbänden oder das Vorbereiten von Patienten auf bestimmte Untersuchungen auf dem Programm. Natürlich ebenso die morgendliche Arztvisite, bei der ich häufig mit dabei sein durfte. Für beide oben genannten Tätigkeiten stand mir immer jemand mit Rat bei der Tat zur Verfügung. Das Wechseln von Verbänden wurde mir so gut erklärt, dass ich auch dies nach einigen Wochen selbständig durchführen konnte und eine Schwester mein „Werk“ dann nur noch mal kontrolliert hat. Solche Kleinigkeiten haben mich extrem stolz gemacht, denn dabei hat man wirklich das Gefühl, etwas Sinnvolles gelernt zu haben.

Neben der Visite durfte ich, wenn ich wollte, auch bei allen möglichen Untersuchungen dabei sein - auch wenn diese z.B. der Oberarzt durchführte. So habe ich durch das Praktikum Einblick in zahlreiche Untersuchungsmethoden bekommen wie z.B. MRT, CT, Sonografien, Biopsien, Punktionen..., wobei immer Ärzte da waren, die man jederzeit dazu befragen konnte. Zudem waren ein sehr netter Assistenzarzt und PJ’ler auf meiner Station, die keine Gelegenheit verpassten, mir Interessantes zu zeigen. So durfte ich zum Beispiel unter fachlicher Anleitung Blut abnehmen, Fäden ziehen oder sie erklärten mir anhand von bestimmten Symptomen, warum diese auftreten und weshalb man eigentlich die angesetzten Untersuchungen durchführt.

Die Schwestern waren nie sauer, wenn ich mich für einige Zeit zu den Ärzten gesellt habe, wie ich es schon häufig von Kommilitoninnen und Kommilitonen, die in anderen Krankenhäusern Pflegepraktikum gemacht haben, gehört habe. Abschließend kann ich sagen, dass ich noch nie soviel in so kurzer Zeit an Erfahrungen dazu gewonnen habe! Die Schwestern und auch die Ärzte waren alle total nett und ich konnte immer Fragen stellen, ohne dabei genervte Blicke zu kassieren.

zurück nach oben

Mein Fazit

Ich bin absolut froh über meine Entscheidung, das Krankenpflegepraktikum im Uniklinikum am Campus Rudolf Virchow gemacht zu haben. Denn auch rückblickend kann ich sagen, dass die Charité ihren Lehrauftrag wirklich ernst nimmt und ich mit dem Gefühl abschließen konnte, einen Erfahrungs- und Wissensgewinn daraus gezogen zu haben.

Natürlich hatte ich auch viel Glück, auf eine so tolle Station zu kommen. Alle waren sehr nett und auch hilfsbereit und man stand garantiert nicht gelangweilt in der Ecke oder machte tagelang nichts anderes, als die Spülmaschine ein- und auszuräumen oder Laufbursche zu sein. Wenn das Krankenpflegepraktikum schon Pflicht ist und überwiegend unentgeltlich geleistet werden muss, dann mit Spaß und Wissenszuwachs!

Das Universitätsklinikum der Charité am Campus Rudolf Virchow kann ich hierfür nur jedem empfehlen. Durch das Praktikum hat sich mein Wunsch, Medizin zu studieren, auf jeden Fall gefestigt und die Erinnerungen an das Praktikum haben mir in so manchen stressigen Lernstunden über meinen Frust hinweggeholfen!

zurück nach oben

H., S.
Berlin, April 2005
News-Alarm