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Chirurgie, Charité – Universitätsmedizin Berlin
(Empfehlenswert für alle, die Spaß an diesem Fach haben, 25.04. - 12.08.2005)

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Wahl des Krankenhauses
Neurochirurgie
Fazit: Neurochirurgie
Allgemeinchirurgie
Fazit: Allgemeinchirurgie

Wahl des Krankenhauses

Ich habe mein erstes PJ- Tertial vom 25.04.05 bis zum 12.08.05 in der Chirurgie in der Charité am Campus Benjamin Franklin verbracht. Die Chirurgie in diesem Haus ist unter Berliner Studenten recht unbeliebt. So musste ich mich häufig der Frage stellen, wieso ich dies freiwillig gewählt habe. Um diesen Vorurteilen etwas entgegenzusetzen, habe ich mich entschlossen, diesen PJ- Bericht zu schreiben.

Zuerst zu der Frage, wieso ich dieses Krankenhaus gewählt habe. Ich wollte mein Tertial in einem großen Haus mit einem möglichst breiten Spektrum an Operationen verbringen und es sollte unbedingt eine neurochirurgische Abteilung vorhanden sein, da ich einen Teil des PJ dort verbringen wollte. Hinzu kam, dass ich mich generell in diesem Haus durch zahlreiche Kurse und Vorlesungen, die dort stattgefunden haben, sehr wohl und heimisch fühle. Für Neuankömmlinge: Lasst Euch nicht durch die fehlende Schönheit der Gebäudearchitektur verschrecken, das sieht man ganz schnell nicht mehr.

Nachdem ich nun vom PJ- Büro meine Zusage für den Campus Benjamin Franklin (CBF) bekommen habe, schrieb ich sogleich eine kurze Zusatzbewerbung an den Chefarzt Herrn Prof. Dr. med. Dr. h.c.mult. M. Brock der Neurochirurgischen Klinik des CBF. Die Zusage kam prompt.

Dieses Zusageschreiben gab ich dann im Sekretariat von Frau Haker, der für die PJ- Studenten im Fachbereich Chirurgie zuständigen Sekretärin, ab. Diesen Namen merken! Sie ist nämlich für die gesamte Organisation verantwortlich, z.B. auch Studientage, die streng gehandhabt werden und die man mit Ausnahme der Neurochirurgie, wo sie nicht zuständig ist und alles ganz locker gehandhabt wird, nicht sammeln oder an Urlaubstage hängen darf. Automatisch wird man nicht für die Neurochirurgie eingeteilt. Frau Haker verteilt die Studenten normalerweise auf die Allgemein-, Unfallchirurgie und Wachstation. Kaum einer wusste, dass man bis zu acht Wochen in der Neurochirurgie verbringen kann, wenn man sich, wie eben beschrieben, selbst darum kümmert.

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Neurochirurgie

Die ersten acht Wochen war ich nun also auf der Neurochirurgie eingeteilt, die sich über meine Ankunft freuten, da sie nicht regelmäßig PJ’ler haben.

Die Station umfasst ca. 44 Betten, das Ärzteteam ist in vier Gruppen unterteilt mit jeweils mind. zwei Assistenzärzten, die einem Oberarzt zugeordnet sind. Ich wurde zunächst auch einer Gruppe zugeteilt, sehr freundlich von meinem betreuenden Stationsarzt empfangen und in die Stationsabläufe sowie alles Wichtige und Wissenswerte eingeführt.

Der übliche Tagesablauf verlief folgendermaßen. Beginn morgens um 7.40 Uhr mit der Frühbesprechung, bei der neue Patienten vorgestellt werden, elektiv einbestellte Patienten auf die Gruppen verteilt werden und der aktuelle OP-Plan vorgelegt wird. Um 8.00 Uhr begeben sich die für den OP Eingeteilten in den Saal, der Rest auf die Station. Wenn ich nicht von vornherein ebenso eingeteilt war, konnte ich jederzeit sagen, dass mich eine Operation interessiert und ich gerne dabei wäre.

In der Neurochirurgie zum Assistieren zu kommen, ist nicht so einfach - es gibt einfach nicht so viel Haken zu halten. Bei ZNS-OPs darf man nichts selber tun, es ist jedoch ungemein spannend durch das OP-Mikroskop - ein unglaublicher Blick, als sitzt man mitten im Kopf - oder über den Monitor das Geschehen zu verfolgen. Bei Wirbelsäulen- OPs ergeben sich aber mehr aktive Möglichkeiten.

Auf der Station werden wie überall zuerst Blut abgenommen und Zugänge gelegt. Die Visite erfolgt zu unterschiedlichen Zeitpunkten, je nachdem wann die Stationsärzte aus dem OP-Saal zurückkehren. Um 14.00 Uhr erfolgt die Mittagsbesprechung mit der Besprechung der OPs des Tages und der Planung für den folgenden Tag. Der Tag ist beendet, wenn alles erledigt ist - für mich meist spätestens gegen 17.00 Uhr.

Zu meinen Aufgaben im Tagesverlauf zählte die Aufnahme von neuen Patienten mit Anamneseerhebung, internistischer und neurologischer Untersuchung. Meine Ergebnisse stellte ich dann meinen zuständigen Ärzten vor und gemeinsam wurde das weitere Procedere geplant. War ich mir in einigen Untersuchungsaspekten unsicher, so wurde dies gemeinsam überprüft. Nach kurzer Zeit bekam ich “eigene Patienten”, die ich bis zur Entlassung betreute, bei der einmal wöchentlichen Chefarztvisite vorstellte und für die ich den Entlassungsbrief schrieb, so dass ich mich in den wichtigen Standardaufgaben eines Stationsarztes üben konnte.

Es war jederzeit möglich, zu allen Untersuchungen wie zum EMG oder zur Angiographie mitzugehen. Dies war ein besonders interessanter Aspekt, da wir viele Patienten mit Aneurysmata oder arteriovenösen Malformationen der hirnversorgenden Gefäße hatten und die Neuroradiologie des CBF in diesem Gebiet deutschlandweit führend ist. So konnte ich auch bei Eingriffen wie dem Coiling mit dabei sein und erhielt genaue Erklärungen über die Vorgehensschritte.

Ich konnte an den Visiten auf der Intensivstation teilnehmen, durfte Lumbalpunktionen durchführen oder den Dienst habenden Arzt in die Notaufnahme begleiten. Dort konnte ich Kopfplatzwunden nähen und bei Polytraumata zusammen mit dem Arzt Pupillen- und Muskeleigenreflexe überprüfen.

Des Weiteren konnte ich einen Einblick in das Arbeiten in der Poliklinik gewinnen, sowie an zahlreichen interdisziplinären Sprechstunden wie der Gefäß-, Tumor- oder Schädelbasissprechstunde teilnehmen. Zudem gab es regelmäßig Fortbildungen, so dass man wirklich viel an Wissen mitnehmen konnte.

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Fazit: Neurochirurgie

Das gesamte Team ist ausgesprochen nett, locker und jederzeit bereit, einem zu helfen oder etwas zu erklären.

Ich habe mich in meinen acht Wochen sehr wohl gefühlt. In dieser Abteilung herrschte eine sehr freundschaftliche Atmosphäre, so dass man sich auch mal nach Feierabend im Biergarten traf.

Fazit: absolut empfehlenswert!


Allgemeinchirurgie

Die zweiten acht Wochen verbrachte ich dann auf der umstrittenen Allgemeinchirurgie, auf der ich ebenfalls einer festen Gruppe bestehend aus drei Assistenzärztinnen/-ärzten und einem Oberarzt, zuständig für max. 21 Patienten, zugeordnet wurde.

Dort begann der Tag um 7.00 Uhr mit der mehr oder weniger flotten Visite, die eigentlich bis zur Frühbesprechung erledigt sein sollte. Dies schafften auch alle bis auf mein Team - mit einer chronischen Verschläferin. Die Kürze der Visite darf man nicht falsch verstehen und urteilen, sie sei oberflächlich und patientenunfreundlich. Alle wichtigen Dinge wurden geklärt, für Vieles gibt es präzise Vorgehensweisen, anders als in der Inneren, und ich hatte nie den Eindruck, dass die Patienten flüchtig übergangen wurden. Gab es mehr Zeitbedarf, so wurde das Gespräch auf den Nachmittag verlegt.

Um 7.40 Uhr war dann der Frührapport - klingt etwas militärisch, läuft auch ein bisschen so ab. Kurze, klar strukturierte Vorstellung der Neuaufnahmen, Bericht von den OPs der Nacht sowie von Besonderheiten auf den Stationen. Auf der Station erledigt man das Übliche, Blut abnehmen, Zugänge legen, einen Durchgang mit dem Verbandswagen zum Verbandswechsel, Aufnahme neuer Patienten sowie das Schreiben von Entlassungsbriefen. Da meine Stationsseite die Gefäßchirurgie als Schwerpunkt hatte, musste häufig der Gefäßstatus mit Messung der Dopplerverschlussdrücke an den Beinen sowie der Bestimmung der Gehstrecke erhoben werden. War man zu späteren OPs eingeteilt, so wurde man telefonisch in den Saal gerufen.

Um 15.30 Uhr war Röntgenbesprechung mit Demonstration der aktuellen Bilder und Mittagsrapport. Es wurde vom Verlauf der Operationen des Tages berichtet sowie von wichtigen Neuigkeiten von den Stationen und der 1. Hilfe, außerdem wurde der OP-Plan für den folgenden Tag vorgelegt. Offiziell ist danach für PJ’ler Schluss, gegangen sind wir jedoch meist nicht vor 17.00 Uhr.

Einmal die Woche gab es ein gastroenterologisches Kolloquium, bei dem Internisten und Chirurgen zusammenkommen, um Patienten, die sich fachlich überschneiden, interdisziplinär zu besprechen und sich jeweils Rat vom anderen zu holen. Dies habe ich immer sehr interessant gefunden. Außerdem gab es einmal wöchentlich eine chirurgische und eine radiologische Fortbildung für PJ’ler, die ich beide sehr gut fand und die bemüht waren, einem relevantes klinisches Wissen oder auch praktische Fähigkeiten zu vermitteln. So konnte man sich z.B. einmal an einer Puppe im Hantieren mit laparoskopischen Instrumenten üben. Bei sonstigen Fragen konnte man sich jederzeit an einen Assistenz- oder Oberarzt wenden, die einem gerne alles erklärten.

Chef- und Oberarztvisiten waren unregelmäßig. Kannte man Patienten gut, so konnte man sie auch vorstellen. Patienten eigenständig von der Aufnahme bis zur Entlassung zu betreuen, war nicht gut möglich. Zu oft war man für den OP eingeteilt oder wurde zwischendurch bei einem Notfall wieder rein gerufen, so dass die Stationsarbeit sehr zerhackt war und man meist das tat, was gerade anfiel.

Darum war ich jedoch nicht traurig, da ich sehr gerne im OP bin. Ich konnte ein sehr großes Spektrum an vielen interessanten Operationen kennen lernen und man durfte auch mehr tun, als nur Haken zu halten. Überhaupt galt hier nie das Gerüchte-Motto “Haken halten und Maul halten”. Fragen wurden bereitwillig beantwortet, und fehlte mir die anatomische Übersicht bei laparoskopischen OPs, so erhielt man eine Erklärung. Ich wurde auch selbst etwas mit Fragen “gepiesackt“, aber es war nicht schlimm, wenn man die Antwort nicht wusste. So konnte man sein Wissen auffrischen und ergänzen.

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Fazit: Allgemeinchirurgie

Die Atmosphäre war meist gut, freundlich bis lustig. Manchmal gab es auch ein paar Machosprüche, die man jedoch nicht so ernst nehmen darf. Wichtig ist, ein gewisses Interesse zu zeigen. Dies ist auch der Punkt, wo sich entscheidet, ob es ein gutes oder ein schlechtes Tertial wird. Zeigt man Interesse und Engagement und geht man unvoreingenommen freundlich auf die Personen zu, so stößt dies auf Gegenseitigkeit. Hat man dazu noch ein gutes Basiswissen, kann man sogar Begeisterung wecken.

Die aufregendsten Momente im OP waren das erste Mal Nähen, die erste allein durchgeführte Amputation eines Zehs und das schockierende Erlebnis einer Not- OP bei einem polytraumatisierten Patienten, bei dem ich die Aufforderung erhielt, doch am offenen Herzen die Druckmassage zu übernehmen.

Insgesamt habe ich mich auch in der Allgemeinchirurgie sehr wohl gefühlt. Die Stimmung war gut, die Leute nett und hilfsbereit und durch regelmäßige gemeinsame private Unternehmungen wie ein Beachvolleyballturnier oder ein Grillabend wurde der Teamgeist gestärkt.

Kommt man dort von vornherein mit einer negativen Einstellung an, ist desinteressiert und versucht sich vor der Arbeit zu drücken, so kann es natürlich auch ganz anders laufen.

Für alle, die Spaß an diesem Fach haben, kann ich das CBF jedoch auf jeden Fall empfehlen. Viel Spaß!

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B., A.
Berlin, Oktober 2005
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