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Chirurgie, Universität Leipzig, Klinik für Kinderchirurgie, Leipzig, Sachsen
(eine interessante Zeit, guten Gewissens weiter zu empfehlen, Prädikat: nachahmenswert, 08.10. - 08.12.2002)

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Meine Aufführung
Erster Akt
Zweiter Akt
Fazit

Meine Aufführung

Ich habe das Chirurgie-Tertial in jeweils zwei Monate gesplittet, also in einen allgemeinen und in einen speziellen Teil. Warum, wieso usw. würde hier sicher zu weit führen. Nur soviel, Kinder sind einfach anders und ich habe diese Faszination schnell zu schätzen gelernt.

Eigentlich war alles ganz einfach und doch wieder nicht, denn mit Kindern hatte ich bis kurz vor meiner definitiven PJ-Wahl nur peripher zu tun. Irgendwann im März, Uhrzeit vergessen, dann der Einschlag. Da fand ich mich also im OP und assistierte bei einer Analatresie. Einfach so, nicht geplant, kein Erlebnis, auf das man sich schon lange im Vorfeld freut oder aufgeregt ist. Auch post interventionell kein Anflug von egomanischen Hochgefühlen, à la „übrigens da habe ich diese und jene großartige Naht gesetzt“. Die kindliche Dermis ist zum Glück nicht so nachtragend. Aber nun einmal Spaß beiseite. Was war geschehen. Wie gesagt, eigentlich nix, denn alles war so normal, so natürlich, die Menschen im OP, die Stimmung, authentisch unverfälscht. Diese Momentaufnahme Kinderchirurgie hat meinen so toll ausgetüftelten Plan zum Wanken gebracht. Nein, nicht zum Einstürzen und ein Zwillingskonzept war es auch nicht. Denn das eine haben wir bei Leibe früh genug gelernt: seid flexibel. Nun wollte ich da hin und das war denkbar einfach. Ich habe mich direkt mit der zuständigen Professorin in Kontakt gesetzt. Kein nervtötendes: „Moment, ich verbinde...“ oder „Rufen Sie doch morgen noch mal an...“. Nägel mit Köpfen hieß die Devise. Ein kurzes persönliches Gespräch, damit wusste Sie, was ich mir erwarte und danach ein Rundgang durch die Klinik, damit ich sehe, was Sie mir bieten kann. Ein kleiner Aktenvermerk Ihrerseits und mehr war es nicht.

Als dann der Tag der Wahrheit nahte und wir unseren Einteilungsplan für das PJ zugestellt bekommen hatten, war ich für die Kinderchirurgie eingetragen, einfach so.

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Erster Akt

Szene: Montagmorgen, Frühbesprechung mit versammelter Mannschaft. Bis auf ein kurzes „Stellen Sie sich doch mal bitte schnell vor“ war ich schon integriert, doch diese Behaglichkeit hielt nicht lange an. Die schützenden Fittiche von der Professorin waren gerade im Urlaub und so harrte ich der Machtworte des Primarius. „Wohin soll ich nun?“ Zwischen Tür und Angel wurde dann beschieden, Station XY. Gut, das wäre also geklärt, aber ein Blick in die Runde meiner neuen Kollegen ließ den Verdacht aufkommen, dass da noch was im Busch ist. Beteuerungen, ich könne auch jederzeit auf eine andere Station wechseln, gipfelten in des Rätsels Lösung: Die XY Station und vor allem auch der betreffende Arzt genossen nicht den allerbesten Ruf unter Studenten. Wer also zwischen den Zeilen zu lesen weiß, dessen Fantasie interpretiert diese diplomatische Äußerung in entsprechender Form um. Nun, ich war noch voll in der Sturm und Drang Phase, endlich loslegen zu dürfen und dadurch ein Stück weit immun gegenüber derlei Suggestionen.

Was ich eigentlich als take-it-home-message loswerden will, ist ganz einfach. Macht Euch Euer eigenes Bild und erst dann sollte alles andere kommen. Wie sich herausstellte, verband mich mit dem Arzt ein gemeinsames Hobby - die optimale Grundlage für eine gute Zusammenarbeit. Was mir sehr gefallen hat, waren klare Worte gleich zu Beginn, wenn auch so was je nach Protagonist verschieden rüberkommen kann. Was erwartet er also von mir, weil hier wird es viel zu arbeiten geben. Bin ich bereit, das zu investieren und was erhoffe ich für mich. Ganz allgemein gilt natürlich, „wie man in den Wald hineinruft, so...“ und genauso haben sich die Schwestern verhalten. Ganz großes Dankeschön an dieser Stelle.

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Zweiter Akt

Szene: Alltag auf Station, im OP, in der Poliklinik und in den Funktionsabteilungen. Was war im Einzelnen passiert? Augen zu und durch, der Sprung ins Kalte Wasser. Mein erster Tag hat ziemlich viele Stereotypen erfüllt. Chaos eben. Kaum auf Station und sich allen vorgestellt, waren fünf Kinder aufzunehmen und zwischendurch noch schnell in den OP. Soviel war mir auch klar, dass die Schlümpfe anders zu untersuchen sind, aber worauf wird in dieser Klinik besonderer Wert gelegt und dergleichen. Diesbezügliche Nachfragen meinerseits wurden quittiert mit einem resoluten „Jetzt machen sie einfach mal“. Also machte ich. Und im Nachhinein bin ich für dieses Verhalten sehr dankbar. Jeder entwickelt seinen eigenen Stil und gerade für Kinder gilt, erst wenn man das Gesunde immer und immer wieder gesehen hat, bekommt man ein Gespür dafür, was nun krank ist.

Wann immer mir etwas unklar war, habe ich nachgefragt und dann bin ich auf allen Ebenen auf offene Ohren gestoßen. Will heißen, traut Euch selber etwas zu und erwartet nicht, dass Euch jemand von Anfang an bei der Hand nimmt. Mit der Zeit habe ich auf Station alles machen dürfen und habe ein sehr gutes Feedback für meine Arbeit bekommen. Im OP ist Engagement erwünscht und wird entsprechend honoriert, natürlich je nachdem, was man sich zutraut und auch Lust dazu hat.

Poliklinik war für mich der Puls des Lebens. Hier habe ich soviel gesehen und gelernt und es wird wohl lange dauern, bevor ich werde sagen können „alter Hut, kenn’ ich schon“. Kinder sind einfach in vielerlei Hinsicht äußerst kreativ – leider auch beim sich wehtun. Da wird dann mal in die Mülltonne gehüpft oder die Ziegelmauer stürzt dummerweise über einem zusammen, usw. usw. usw. und das sind beileibe keine Exoten an Beispielen. Ich glaube, dass ich jetzt so manche Situation mit meiner neuen Erfahrung unter einem anderen Licht sehen werde. Gut für die Nerven.

Funktionsabteilung ist schlicht von der Theorie zur Praxis. So manches hat man oft gelesen und denkt, man hat es drauf, weiß dann auch, in welcher Situation man welche Untersuchung durchgeführt haben möchte, aber... Wie sieht so eine Untersuchung dann aus, was bedeutet sie vielleicht für ein Kind. Sprich, man bekommt eine Anleitung für Fingerspitzengefühl und lernt ganz nebenbei, dass es natürlich wieder gravierende Unterschiede in den Resultaten von Kindern und Erwachsenen geben kann. Was beim einen pathologisch, ist beim anderen o.B.

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Fazit

„Kurze Zusammenfassung von Susi“, an dieser Stelle zwar nicht mit der wohlklingenden Stimme aus der Mattscheibe, auch egal. Kinder sind faszinierend und im Vergleich zu den diffizilen Problemstellungen der Pädiatrie war die Kinderchirurgie meistens klar umrissen. Eben Chirurgie, statt Innere - und immer grüßt das Murmeltier bei diesem Evergreen. An der Klinik herrschte eine gute Stimmung und man war meinen Wünschen gegenüber sehr offen und hilfsbereit. Rundum also eine schöne Sache.

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B., A.
Leipzig, April 2004
News-Alarm