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Neurologie und Chirurgie, Unfallkrankenhaus Berlin (UKB), Berlin
(Unfallkrankenhaus Berlin ist absolut zu empfehlen, 28.04. - 07.12.2003)

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Eigene Gedanken zur Ausbildung
Unfallkrankenhaus Berlin – die richtige Entscheidung
Tertial in Neurologie
Tertial in Chirurgie
Fazit

Eigene Gedanken zur Ausbildung

Nach dem 2. Staatsexamen entschied ich mich, meine PJ- Tertiale in Deutschland zu absolvieren. Dies geschah im Wesentlichen aus persönlichen Gründen. Grundsätzlich hätten mich auch Auslandsaufenthalte im Rahmen des Praktischen Jahres z.B. in der Schweiz oder in Großbritannien usw. interessiert. Neben dem Interesse an diesen Ländern wird die Arbeit im PJ im Falle der Schweiz auch bezahlt. Da man in der Zeit des praktischen Jahres kein Geld verdient, aber auch nicht genügend Zeit hat, nebenbei zu arbeiten, dürfte dies für viele neben der allgemein schlechten Ausbildungsmoral in manch Deutschen Kliniken ein weiterer Grund sein, zum PJ Deutschland zu verlassen. Wer also nicht finanziell vorgesorgt hat oder anderweitige Unterstützung bekommt, dem wird es finanziell schwer fallen, diese Zeit zu überstehen. Da man auf den Stationen entsprechende Arbeit leistet, die z.T. in den ärztlichen Bereich fällt, wäre eine - wenn auch geringe - Entlohnung sicher angebracht.

Grundsätzlich habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Ausbildung sehr vom individuellen Engagement der einzelnen Ärzte auf den Stationen und den Chefärzten in jeweiligen Kliniken abhängt. Die Arbeitsbelastung der Ärzte und Schwestern auf den Stationen ist immens und bei immer höheren Patientenzahlen und immer schnellerem Durchlauf der Patienten wird aus Kostengründen am Personal gespart. Dazu kommen endlose Dokumentationsaufgaben und der tägliche Papierkrieg mit den Standardbriefen der Krankenkassen. Klinikärzte befinden sich so in dem Dilemma zwischen Patientenversorgung, Forschung und Lehre. Dass die Versorgung der Patienten im Vordergrund steht ist klar, dass hier die Ausbildung im Normalfall zu kurz kommen muss, ist nachvollziehbar. Persönliches Pflichtbewusstsein kompensiert dann ein insuffizientes Ausbildungssystem.

Ein insgesamt weiteres Manko ist meiner Meinung nach, dass man als Student kein Recht auf Ausbildung hat. Es existiert kein Gegenstandskatalog der vorschreibt, was zu lernen ist bzw. was gelernt werden muss. Hier nehme ich besonders Bezug auf die praktischen Tätigkeiten, die von einem abgefordert werden, sobald man den Statussprung zum Assistenzarzt hinter sich hat. Später versteht leider keiner mehr, warum man bestimmte Fertigkeiten nicht mit entsprechender Sicherheit in bestimmten Situationen beherrscht.

Das Erlernen von Intubationen, des Legens eines ZVK, von Lumbalpunktionen und entsprechenden Nahttechniken usw. ist davon abhängig, in wie weit die einzelnen Ärzte gewillt sind, die Zeit zu investieren, die bei Lernenden unter Anleitung nun einmal nötig ist. Die einzelnen Studenten gehen leider teilweise mit völlig unterschiedlichem Wissensstand und Fertigkeit aus dem praktischen Jahr heraus.

Im Übrigen steht natürlich Eigeninitiative im Vordergrund. Ist man interessiert und lernwillig, wird man - bis auf Ausnahmen - sicherlich offene Türen einrennen.

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Unfallkrankenhaus Berlin – die richtige Entscheidung

Ich möchte mich hier keineswegs in Pessimismus ergehen, da ich im Unfallkrankenhaus Berlin (UKB) überwiegend sehr positive Erfahrungen gemacht habe. Der Grund, zwei Tertiale des praktischen Jahres an diesem Krankenhaus zu absolvieren, liegt sicherlich mit darin, dass es als eines der modernsten Krankenhäuser Europas gilt. Es liegt in der östlichen Hälfte Berlins im Ortsteil Biesdorf des Bezirks Marzahn. Entgegen der allgemeinen Meinung von Personen, die dieses Haus nicht kennen, liegt es nicht inmitten von grauen Plattenbauten, sondern in einer sehr schönen weitläufigen Parkanlage.

Das Unfallkrankenhaus Marzahn ist voll digitalisiert. Röntgendiagnostik und Befunde, Labor, Arztbriefe usw. können jederzeit über den Rechner abgerufen oder angefordert werden. Alle Stationen und Abteilungen sind untereinander vernetzt. Hierdurch wird der Papierkrieg erheblich reduziert und das Schleppen und Suchen von radiologischer Diagnostik entfällt oder wird zumindest reduziert.

Im Wesentlichen ist das Unfallkrankenhaus, wie der Name schon andeutet, auf die Behandlung Unfallverletzter spezialisiert. Träger sind hier die Berufsgenossenschaften, deshalb auch die sehr gute Ausstattung in jeglicher Hinsicht - z.B. Spiral- CT, in 90 s. Schnittbilddiagnostik von Kopf bis Becken jederzeit verfügbar. Das UKB hat des Weiteren hoch frequentierte Hubschrauberlandeplätze für zwei Hubschrauber auf dem Dach mit direkter Verbindung in ein spezielles Zentrum für Brandverletzte, ferner diverse Schockräume und OPs jeglicher Fachdisziplinen. Polytraumen gehören dort zum täglichen Geschäft.

Das PJ sollte, wie bei den meisten Studenten, auch dazu dienen, sich für eine entsprechende Fachwahl für die Weiterbildung nach dem Studium zu entscheiden. Da mich die Intensivmedizin insgesamt interessierte und ich mein Tätigkeitsfeld später auf diesem Sektor sah, fiel die Wahl schnell auf das Unfallkrankenhaus Berlin. Zum einen waren hier alle Fachdisziplinen vereint, welche mich interessierten, zum anderen hat diese Klinik als Schwerpunktkrankenhaus für Unfallverletzte ein intensivmedizinisch entsprechend breites Spektrum. Ich absolvierte als erstes Tertial Neurologie und im zweiten Tertial Unfallchirurgie, Chirurgie und sechs Wochen auf der Neurochirurgie.

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Tertial in Neurologie

Meine spätere Fachwahl sollte - schon mal eingegrenzt - auf Neurochirurgie oder Unfallchirurgie/Orthopädie fallen. Aus fachlichem Interesse und um mir die entsprechenden Grundlagen hinsichtlich klinischer Untersuchung etc. anzueignen, hatte ich mir Neurologie als Wahlfach ausgesucht. Nach entsprechend allgemeiner Einführungsveranstaltung im Beisein von PJ’lern aller Stationen, ging es dann auf die neurologischen Stationen.

Auf der Neurologie waren wir vier PJ´ler. Da die Abteilung aus zwei peripheren Stationen, einer ‚Stroke Unit’ und ‚Intermediate Care’ sowie einer Frührehabilitation bestand, wurden wir aufgeteilt und rotierten entsprechend. Die dortigen Ärzte kümmerten sich trotz damaligen Personalmangels sehr gut um uns. Es wurden regelmäßige, interne Weiterbildungen durch den Oberarzt durchgeführt. Auch die Stationsärzte erklärten viel und ich habe gerade in der Zeit auf der Neurologie sehr viel gelernt. Auch der Chefarzt PD Dr. med. W. Haas erklärte selbst bei Visiten viel und es wurde insgesamt für einen fundierten fachlich theoretischen Hintergrund gesorgt. So lernte ich nicht nur die häufigen Krankheitsbilder der Neurologie kennen, sondern auch die sog. „Kolibries“. Besonderen Wert wurde auf neurologisch- topische Diagnostik gelegt.

Morgens wurde zuerst eine generelle Frühbesprechung aller Stationen zu Problemfällen und Neuzugängen durchgeführt. Auf der ‚Stroke Unit’ und ‚Intermediate Care’ befanden sich Patienten mit mehr oder weniger frischen Hirninsulten bzw. entsprechend intensivmedizinisch behandlungsbedürftigen neurologischen Krankheitsbildern. Hier wurde speziell die klinisch- neurologische Untersuchung bewusstloser Patienten vermittelt. Nach entsprechender Einarbeitung konnte man die Patienten selbständig untersuchen und so im Laufe der Zeit sicherlich recht hilfreich zur Seite stehen.

Insgesamt habe ich des Weiteren gelernt, lumbale Punktionen selbständig auch bei problematischeren Fällen durchzuführen und neurologische Arztbriefe korrekt zu erstellen. Auch die neurologische Diagnostik und Therapie wurde vermittelt. Wichtig ist es zu erwähnen, dass man dopplersonographische Untersuchungen der extra- und intracraniellen hirnversorgenden Gefäße unter Aufsicht durchführen konnte und auch Weiterbildungen zur EEG- Diagnostik durchgeführt wurden.

Die Mitarbeiter der diagnostischen Abteilungen verwendeten viel Zeit auf unsere Ausbildung und waren sehr freundlich und aufgeschlossen. Der Kontakt mit den dortigen Ärzten und Schwestern war auch auf persönlicher Ebene sehr gut. Ich kann sagen, dass ich in diesem Tertial mit am Meisten gelernt habe und es eine sehr gute Grundlage für die weitere Ausbildung darstellte.

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Tertial in Chirurgie

Mein nächstes Tertial war die Chirurgie. Das Tertial war in verschiedene chirurgische Subgruppierungen unterteilt. Ich absolvierte einen Teil bei Chefarzt Prof. Dr. med. A. Ekkernkamp auf der Unfall- und Wiederherstellungschirurgie auf der Normalstation und auf der Rettungsstelle, auf der Allgemein- und Viszeralchirurgie bei Prof. Dr. med. Lorenz und im Speziellen wählte ich noch sechs Wochen Neurochirurgie bei Chefarzt Priv.- Doz. Dr. med. U. Meier.

Die Arbeit auf der Unfallchirurgie, besonders auf der Rettungsstelle, war sehr interessant. Man sieht im UKB, wie schon erwähnt, viele Polytraumata und Verletzungsmuster, welche man an anderen Häusern in dieser Häufigkeit und Intensität nicht zu Gesicht bekommt. Hier war es interessant einen Eindruck vom Polytrauma- Management zu bekommen. Es bestand weiterhin die Möglichkeit an Notarzteinsätzen teilzunehmen. Des Weiteren assistierte man im OP der Unfall- und Wiederherstellungschirurgie bei den verschiedensten Eingriffen.

Man sollte im Rahmen eines solchen Tertials darauf achten, dass man die Grundlagen der Wundversorgung und Erstversorgung von Patienten lernt. Dazu gehört wie ich finde, dass man verschiedene Nahttechniken ausführen kann und das chirurgische Knüpfen beherrscht. Dies zu üben hatte man im UKB genügend Gelegenheit. Platzwunden, Schnittwunden, Frakturen, Prellungen, Verbrennungen, aber auch Schuss- und Stichverletzungen, Amputationsverletzungen und anderes kamen über die Rettungsstelle und wurden versorgt. Hier konnte man auch die Erstaufnahme von Patienten und die Logistik auf der Rettungsstelle kennen lernen.

Da der Alltag dort insgesamt sehr arbeitsintensiv war, ist es zum großen Teil von einem selbst abhängig, in wie weit man dort hilfreich ist und wie viel man lernt. Zum Teil ist „learning by doing“ angesagt. Kurz zeigen lassen und dann selber machen. Erst unter Anleitung und dann ohne - und langsam wird man selbstständiger. Man nimmt Patienten auf, untersucht und diagnostiziert, näht und versorgt einfach Platzwunden und Schnittwunden, legt Magensonden usw.

Wichtig ist, sich auch die technische Ausstattung anzuschauen (Notfallkoffer, Beatmungsgeräte, Instrumente, Nahtmaterial usw.). Klinikleitfäden sind geeignet zum schnellen Nachlesen. Pocket- PC/Palm sind eine wertvolle Hilfe. Es existiert geeignete medizinische Software (Arzneimittelpocket, Rote Liste, DDInnere, Laborwerte), die einem schnelles Nachlesen und Arbeiten ermöglichen. Sicherlich nicht ganz billig, aber es lohnt sich.

Auch hier aufgeschlossene Leute. Wie überall, kommt man mit den Einen besser klar als mit Anderen. Man muss hier viel Eigeninitiative zeigen und sich sein Wissen auch durch zuschauen aneignen. Das Personal hat schlicht und einfach gesagt oft keine Zeit, was absolut nachvollziehbar ist. Entweder man hilft oder man lässt es eben bleiben. In ruhigen Zeiten gibt es von dem Einen oder Anderen auch Erklärungen. Fragen werden, wenn es die Zeit erlaubt, sicherlich gern beantwortet. Alles in allem eine wertvolle Zeit und ich habe viel gelernt und gesehen.

Auf der Viszeralchirurgie wurde man in den normalen Stationsalltag und im OP eingegliedert. Man erledigte hier auch wieder die morgendlichen Blutentnahmen, legte periphervenöse Zugänge und versuchte dem damalig noch vorhandenen, frisch eingetroffenen AiP, der eine immense Arbeitsbelastung hatte, so gut wie möglich unter die Arme zu greifen. Trotz des ganzen Stresses versuchte er uns Erklärungen, Wissen und praktische Tipps zu vermitteln. Ich weiß nicht, ob er dies hier liest, aber auf jeden Fall nochmals vielen Dank dafür.

Die letzten sechs Wochen war ich auf eigenen Wunsch auf der Neurochirurgie eingeteilt. Da ich meine Facharztweiterbildung in der Neurochirurgie beginnen wollte, war dieser Abschnitt des Tertials besonders interessant. Morgens fanden die Frühbesprechung statt, danach die Visiten - zuerst auf den Intensivstationen und nachfolgend auf der Normalstation.

Dann ging es in den OP. Die Tätigkeit der Neurochirurgen umfasste die Versorgung hirntraumatisierter Verletzter. Hier konnte die Beurteilung der Schweregrade von Schädel- Hirntraumata erlernt werden. Es wurden intrakranielle Blutungen aller Art versorgt (epi- und subdurale Hämatome, SAB usw.). Ferner wurden diverse Ventrikulo- peritoneale.- Shuntoperationen bei NPH durchgeführt. Es wurden aber auch intrazerebrale und spinale Tumoren operiert. Hier bestand sehr oft die Möglichkeit der Assistenz bei intrakraniellen und spinalen Eingriffen. Im Rahmen von Bandscheibenoperationen wurden der Umgang und das Arbeiten mit dem Operationsmikroskop vermittelt.

Auch hatte ich auf der Neurochirurgie die Möglichkeit, lumbale Punktionen sowie lumbale Infusionstests unter Anleitung durchzuführen. Täglich wurden zudem radiologisch- neurochirurgische Falldemonstrationen durchgeführt. Insgesamt konnte hier theoretisches und praktisches Wissen zur klinisch neurologischen Untersuchung von Patienten mit neurochirurgischen Krankheitsbildern auf der Normalstation, der Rettungsstelle und im Schockraum vermittelt werden. Die Neurochirurgen des UKB erklärten viel und standen bei Fragen gern zur Verfügung.

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Fazit

Für alle, die sich auch später mit Notfall- und Intensivmedizin oder einer chirurgischen Disziplin beschäftigen möchten, ist das Unfallkrankenhaus Berlin absolut zu empfehlen.

Alles in allem bin ich sehr froh, diese beiden Tertiale meines Praktischen Jahres am UKB absolviert zu haben.


T., R.
Berlin, Januar 2005
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