Beweggründe
Ein herzliches Willkommen
Arbeit am Universitätsklinikum
Im „Kern“
Weitere Stationen
Die richtige Entscheidung
Mein Fazit
BeweggründeIch habe mein Wunschtertial im Institut für Radiologie in der Charité- Universitätsmedizin Berlin, Campus Mitte, im Zeitraum vom 14.02.2005 bis 03.06.2005 absolviert. Auf die Idee dafür wurde ich von einer Freundin gebracht, die ihr Tertial auch schon auf dieser Abteilung verbracht hatte und so begeistert davon war, dass sie nach ihrem 3. Staatsexamen auch in der Radiologie begonnen hatte. Trotzdem war ich zu Beginn ein wenig skeptisch, da ich eigentlich diesen Teil des PJ nutzen wollte, um in einem Bereich zu arbeiten, in dem ich mir hätte vorstellen können, auch später tätig zu sein.
Da ich bereits einen Platz für diesen Zeitraum in der Neurologie hatte, fiel mir die Entscheidung für die Radiologie recht schwer. So war es letztendlich das Telefonat mit dem radiologischen Oberarzt Herrn Enzweiler, der gleichzeitig auch der PJ- Beauftragte der Abteilung war, das mich dazu führte, mich zu bemühen, im nachhinein noch einen Platz in der Radiologie zu bekommen. Denn schon während des Gespräches am Telefon bekam man das Gefühl, willkommen zu sein, und ich war schon überrascht, wie zuvorkommend man behandelt wurde.
Pro Tertial werden zwei Plätze in dieser Abteilung vergeben, und da der Grad der Beliebtheit der Radiologie nicht gerade hoch ist, war es denn auch für mich kein Problem über das PJ- Büro der Charité- Universitätsmedizin einen freien Platz für diesen Zeitraum zu erhalten, da bis zu diesem Zeitpunkt sowieso nur einer vergeben war.
Ein herzliches WillkommenBereits der erste Tag zeigte, dass es wohl kaum ein Fehler gewesen sein konnte, sich für einen solchen Platz zu bewerben. Der für alle Fragen und Wünsche zuständige PJ- Beauftragte Oberarzt hieß mich willkommen und stellte mich gleich zu Beginn in allen Bereichen der Abteilung vor und fragte nach meinen Interessen, um mich für die dann folgenden vier Monate in die verschiedenen Bereiche der Radiologie für jeweils zwei bis vier Wochen einzuteilen. Schon hier zeigte sich das, was sich in der darauf folgenden Zeit immer wieder bestätigte. Alle Mitarbeiter, beginnend mit dem Chefarzt über die Assistenzärzte bis hin zu den MTRAs, waren überaus freundlich und zuvorkommend.
Arbeit am UniversitätsklinikumDie Arbeitstage in der Radiologie begannen stets um 7.30 Uhr mit der allgemeinen radiologischen Besprechung, während der immer ein Mitarbeiter aus seinem Bereich Fälle vorstellte und die dazu wichtigen Informationen gab. So wurde dies auch des Öfteren mit einem Fragespiel verbunden, zu dem besonders die jüngeren Ärzte und die Studenten aufgefordert waren, ihre Ideen für Lösungswege vorzutragen. Allein diese halbe Stunde zu Beginn eines jeden Tages konnte man nutzen, die unterschiedlichen Krankheitsbilder, die man bisher eher nur aus der klinischen Sicht der Stationsarbeit her kannte, zu wiederholen, um danach die Möglichkeiten zu sehen, radiologisch die Krankheiten zu erfassen und zu diagnostizieren.
Nach der Besprechung, die mehr als Fortbildung angesehen werden sollte, schloss sich an zwei Tagen der Woche eine spezielle Lehrveranstaltung für Studenten und junge Assistenzärzte an. Diese wurde dann von den einzelnen Oberärzten gegeben, die wiederum klassische Krankheitsbilder vorstellten. Es konnte aber auch sein, dass man während eines Termins die Grundlagen der Beurteilung von zum Beispiel klassischen Röntgen- Thorax- Bildern erklärt bekam, um den darauf folgenden Termin zu nutzen, innerhalb der 30 Minuten 60 Thorax- Bilder mit den am häufigsten vorkommenden Krankheiten zu sehen. Danach ging man zu den einzelnen Arbeitsplätzen, um die tägliche Routine zu erarbeiten.
Im „Kern“Begonnen habe ich mein Tertial im so genannten „Kern“, in dem die Befundung von Thorax- Bildern und Skelettaufnahmen im Vordergrund steht. Ich wurde einem Arzt zugeteilt, den man für zwei bis drei Tage begleiten konnte, um in die Arbeit an dem jeweiligen Platz eingeführt zu werden. Man nahm sich immer sehr viel Zeit, mir die Grundlagen bei der Befundung der einzelnen Aufnahmen zu erklären, was sich auch nicht änderte, wenn sich Arbeit anhäufte und man sicherlich den Betrieb eher aufhielt, als in zu beschleunigen.
Als ich mich sicher genug fühlte, eigenständig zumindest einfache Aufnahmen zu befunden, konnte ich selbstständig an einem eigenen Arbeitplatz Bilder begutachten und deren Befunde schreiben. Mit dem für dieses Gebiet jeweils eingeteilten Oberarzt konnte ich dann zweimal täglich die von mir zuvor befundeten Aufnahmen besprechen, was anfänglich dazu führte, dass mehr oder weniger alle Befunde vollkommen umgeschrieben wurden. Da sich aber alle Oberärzte immer sehr viel Zeit nahmen, mit mir die von mir gemachten Fehler zu besprechen, bekam ich mit der Zeit ein Gefühl dafür, wie man sich solchen Aufnahmen nähert und wie man sie letztendlich systematisch untergliedert, um geordnet einen Befund zu schreiben.
Es war auch hier für mich oft sehr überraschend, wie viel Zeit sich die Ärzte nahmen, um mich bei meiner Arbeit zu unterstützen. Da ich außerdem in der Regel immer die Möglichkeit hatte, meine Zeit eigenständig einzuteilen, hatte ich auch genug Zeit, neben der Routinearbeit Grundlagen nachzulesen, um diese darüber zu erarbeiten. Rückblickend kann ich deswegen ohne Zögern sagen, dass ich dadurch viel mehr gelernt habe als in den beiden anderen Tertialen, während der man so in der täglichen Routine eingebunden war, dass man kaum noch die Zeit fand, in Ruhe einzelne Fragen durch Nachlesen zu beantworten. Gerade die Zeit im „Kern“ hat mir letztendlich am meisten genutzt, da ich hier lernen konnte, mit Aufnahmen, die man auf Station zwar oft sieht, aber am Ende doch nicht richtig „lesen“ kann, richtig umzugehen. Und genau hier liegt wohl auch der große Vorteil, wenn man sein Tertial in der Radiologie verbringt, da man am Ende des Studiums noch einmal die Möglichkeit erhält, grundlegende Dinge wie die einfache Befundung von klassischen Röntgenaufnahmen zu erlernen, um zumindest essentielle Diagnosen eigenständig stellen zu können.
Weitere StationenNach sechs Wochen im „Kern“ wechselte ich in die Angiographie und konnte dadurch auch wieder etwas aufnehmen, was mir sicherlich nach den Wochen in der Dunkelheit vor den Röntgenbildern und vor dem Computer fehlte: den eigentlichen Kontakt zum Patienten. Da gerade der klassische Teil der Radiologie durch die Befundung von Aufnahmen eher passiv ist, war der Wechsel zum operativen Bereich wichtig, um zu sehen, dass die Radiologie gerade auch in der interventionellen Versorgung ihre interessanten Vorteile besitzt. In drei Sälen wurde hier operiert, so dass man sich zu Beginn des Tages die interessantesten Fälle heraussuchen konnte.
Die nächste Station war die CT- Abteilung. Durch die enorme Anzahl der Untersuchungen am Tag war es möglich, innerhalb eines kurzen Zeitraumes auch seltene Krankheitsbilder zu sehen. Da auch hier die Ärzteschaft immer ein offenes Ohr für Fragen hatte, konnte man sich in Ruhe interessante Aufnahmen durchsehen und sie später mit den Ärzten besprechen. Darüber hinaus bekam man die Aufgabe, vor den Untersuchungen die Aufklärungsgespräche mit den Patienten zu führen, die venösen Zugänge zu legen und letztendlich auch das Kontrastmittel zu geben. Der Vorteil dabei lag darin, dass man durch die Gespräche die Vorgeschichte des Patienten erfuhr und deswegen bei der späteren Befundung der Bilder besser die Zusammenhänge erkannte. Ein weiterer Teil im CT war die CT- gesteuerte Intervention, bei der hauptsächlich Punktionen durchgeführt wurden.
Nachdem ich die Basisstationen der Radiologie jeweils für mindestens zwei Wochen habe sehen können, entschied ich mich, den Rest der Zeit noch im MRT, in der Neuroradiologie, am Nierenplatz und in der Sonographie zu verbringen, wobei es hier dann aber aufgrund der kurzen Zeit nicht mehr möglich war, tiefer in ein Gebiet einzudringen.
Die richtige EntscheidungOffen gestanden war mir, wie bereits erwähnt, die Entscheidung, mein Wunschtertial in der Radiologie zu verbringen, nicht einfach gefallen. Zum einen wollte ich diese vier Monate eigentlich dafür nutzen, ein Praktikum im Ausland zu machen, und zum anderen war ich davon überzeugt, dass es für mich nützlicher wäre, für dieses Tertial in einen Bereich zu gehen, in den ich später auch hätte gehen wollen, um erste Erfahrungen dafür zu sammeln und um Kontakte zu knüpfen. Gerade der letzte Punkt gab für mich den Ausschlag, in Berlin zu bleiben, da ich auch nach meinem dritten Staatsexamen versuchen werde, einen Arbeitsplatz in Berlin zu finden und mir einen Vorteil darüber versprach, wenn ich über das Praktische Jahr schon die ersten Kontakte zu Berliner Krankenhäusern bekommen könnte. Schließlich sind die vier Monate auch immer die beste Möglichkeit, sich einem eventuell zukünftigen Chefarzt vorzustellen. Man würde zumindest die Gelegenheit, sich bei einem möglichen Arbeitsplatz in Deutschland schon einmal zu bewerben, verspielen, wenn man sich für ein Auslandstertial entscheiden würde.
Da ich später in die Innere Medizin gehen möchte, war ich des Weiteren zu Beginn nicht gerade richtig davon überzeugt, ob die Radiologie eine richtige Entscheidung für mich war. Jetzt kann ich aber aus voller Überzeugung sagen, dass es für mich kaum etwas besseres hätte geben können, da ich durch meine Zeit in der Radiologie auf der einen Seite viele Krankheitsbilder wiederholen und auf der anderen Seite Möglichkeiten der Diagnostik erlernen konnte. Es mag vielleicht banal klingen, aber für mich hat sich die Zeit allein deswegen gelohnt, da ich jetzt sicherer und aufgeschlossener zum Beispiel klassische Röntgen- Thorax- Bilder oder CT- Aufnahmen betrachten kann. Zu wissen, wie man diese Bilder systematisch befundet, um wichtige Merkmale nicht zu übersehen, empfinde ich als große Erleichterung, da man zumindest nicht mehr vollkommen auf die Diagnose des Radiologen angewiesen ist. Außerdem bekommt man wohl nur in der Radiologie die Gelegenheit geboten, über einen längeren Zeitraum in der Sonographie zu arbeiten. Und zu wissen, wie man wenigstens grundlegend sonographisch untersucht, kann sicherlich auch nicht schaden.
Mein FazitIch kann nach meinen vier Monaten in der Radiologie der Charité- Universitätsmedizin Berlin, Campus Mitte, ein durchaus positives Fazit ziehen. Hervorzuheben ist besonders die Hilfsbereitschaft und das Engagement aller Mitarbeiter der Abteilung und die Fortbildungsmöglichkeiten, die man als Student während dieser Zeit geboten bekommt.
Ich fühlte mich von Anfang an sehr willkommen und in die Gruppe integriert, denn wo bekommt man schon die Gelegenheit, täglich mindestens eine Stunde persönlich mit den entsprechenden Oberärzten der Abteilung seine Arbeit durchzugehen und zu besprechen. Der Lerneffekt war für mich auf alle Fälle ernorm. Ich bekam die Radiologie von Grund auf erklärt, so dass man sicherlich keine spezielle Vorbildung mitbringen braucht.
Je nach Interesse kann man seine Zeit individuell einteilen, um in die Bereiche zu gehen, die man als besonders wichtig erachtet. Da es pro Tertial nur zwei PJ- Plätze gibt, ist die Anzahl der Studenten in der Abteilung recht gering, was dann auch den Vorteil mit sich bringt, dass man mehr Freiräume für sich schaffen kann. Ich kann zumindest mit der Gewissheit, mich immer wieder dafür zu entscheiden, die dortige Radiologie nur empfehlen. Man erfährt in einer überaus freundlichen Atmosphäre einen großen Lernzuwachs.
B., P.
Berlin, August 2005 |