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Physikum 2009. Das nächste große Ziel. Das 4. Semester war zu Ende, alle Klausuren überstanden und auch bestanden. Die nächsten Schritte mussten nun heißen: Lernplan ausarbeiten, Lerngruppe bilden, Abstimmung untereinander. Und im Nachhinein betrachtet, kann ich sagen, dass ich vermutlich alles noch mal genauso machen würde. Erste Schritte zur Vorbereitung
Arbeiten in der Lerngruppe
Und los geht’s mit dem Kreuzen
Auf zum schriftlichen Teil
Und mein Fazit ...
Buchempfehlungen
Erste Schritte zur VorbereitungNach den Klausuren am Ende des 4. Semesters hat man in Berlin noch maximal neun Wochen Zeit bis zum mündlichen Physikum. Das Schriftliche folgt ca. drei Wochen danach. Als die Klausuren alle überstanden waren, fing ich also an, mir meinen Lernplan auszuarbeiten. Da ich mit einer Gruppe zusammen lernen wollte, stimmten wir unsere Pläne auch aufeinander ab. Unser gesamter Plan hat sich im Nachhinein betrachtet als sehr sinnvoll erwiesen. Ich ordnete jeder Woche ein Thema zu, ohne genaue Stundenzahlen pro Fach festzulegen. Außerdem gab es jede Woche einen freien Tag. Eine Grundlage für die Themenzuordnung gab uns der Vorlesungsplan. In den letzten sieben Wochen des Semesters bietet die Charité Vorlesungen unter dem Thema „Integrative Grundlagenmedizin“ an. Hierbei werden alle Themen von den besten Dozenten noch mal in Kurzform gelesen. Durch die Masse an Stoff kommen dabei ca. fünf Wochen mit täglich sechs Stunden Vorlesung zusammen. Ich suchte also die Vorlesungen aus, die ich besuchen wollte und gestaltete danach meinen Plan. Das Endergebnis der Themeneinteilung sah dann so aus: - Woche 1: Bewegungsapparat
- Woche 2: Intermediärstoffwechsel
- Woche 3: Herz, Lunge
- Woche 4: Blut, Immunologie
- Woche 5: Genitaltrakt, Harnapparat
- Woche 6: Verdauungstrakt
- Woche 7: Genetik
- Woche 8: Wiederholung
Bei dieser Themeneinteilung konnten wir in der Lerngruppe oft Physiologie, Biochemie und Anatomie miteinander verknüpfen.
Arbeiten in der LerngruppeIn den folgenden Wochen besuchte ich hauptsächlich Vorlesungen und traf mich mit meiner Lerngruppe. Die Vorlesungen waren sehr hilfreich, weil man durch sie den Blick fürs Wesentliche behielt und nicht in sinnloses Detaillernen verfiel. Ein Fehler, den viele meiner Kommilitonen gemacht haben.
Entgegen meiner eigentlichen Erwartungen verbrachte ich überraschend wenig Zeit in der Bibliothek, da ich schnell merkte, dass das Wiederholen in den Vorlesungen wesentlich schneller ging und das Lernen in der Gruppe effektiver war als allein. Ganz ohne selbstständiges Lernen ging es aber nicht. Die besten Bücher, um Wissen wieder hervorzuholen, sind definitiv die „Duale Reihe“ in Anatomie und Biochemie sowie der kleine „Silbernagl“ in Physiologie. In Histologie halfen mir vor allem meine tollen Aufzeichnungen aus den Seminaren, die ich allesamt mit dem „Lüllmann-Rauch“ ausgearbeitet hatte.
Wenn abends dann mein Kopf voll war und ich ein schlechtes Gewissen hatte, weil ich eigentlich nicht so viel gelernt hatte, wie ich wollte, holte ich meinen Laptop raus und kreuzte. Das konnte man nebenbei machen und ein bisschen lernte ich trotzdem noch dabei.
Eine Woche vor den Prüfungen hatten wir alle Themen einmal durchgesprochen und machten uns Gedanken, wie wir die letzte Woche noch möglichst sinnvoll nutzen könnten. Dabei herausgekommen ist die, meiner Meinung nach, beste Art und Weise, sich auf das mündliche Physikum vorzubereiten.
Wir schrieben alle kleinen Einzelthemen, die wir in Anatomie, Physiologie und Biochemie hatten, einzeln auf kleine Karteikarten. Dabei orientierten wir uns an den Fragenkatalogen der einzelnen Fächer. Bei unseren 3-stündigen Treffen jeden Tag war dann abwechselnd jeder an der Reihe, ein Thema zu ziehen. Derjenige, der das Thema gezogen hatte, war dann der Prüfling und die anderen vier die Prüfer. Der Prüfling bekam 10min Zeit, frei zu dem gezogenen Thema zu erzählen. Danach stellten die Prüfer offen gebliebene Fragen und gaben den Prüfling hinweise zu Vortragsart und Struktur.
Durch dieses System mussten wir alle lernen, vor Menschen strukturiert zu sprechen und merkten, wie wenig eigentlich 10min sind. Außerdem wurde uns so klar, dass jeder von uns zu jedem Thema etwas sagen konnte.
Wir stellten also das Physikum nach und nahmen uns so gegenseitig die Angst vor den Prüfern.
Am Abend vor dem mündlichen Physikum war ich überzeugt, dass ich durchfallen werde, aber alles ist weniger schlimm, als man erwartet. Meine Prüfer waren sehr nett, haben jeden aussprechen lassen und Hilfen gegeben, wenn man nicht weiter wusste. Man sollte in der mündlichen Prüfung nur auf eine Sachte achten. Wenn man etwas nicht weiß, dann sollte man es einfach sagen und nicht drum herum reden. Wegen einer Sache fällt man noch lange nicht durch und die Zeit ist begrenzt. Also einfach sagen, dass man es nicht weiß, dann hat man noch genug Zeit, auf andere Fragen zu antworten.
Und los geht’s mit dem Kreuzenvor dem schriftlichen Physikum tatsächlich fast 4.000 Fragen geschafft. Insgesamt hatte ich alle Fragen einmal durchgekreuzt und nach richtig und falsch sortiert. Diejenigen, die ich falsch beantwortet hatte, habe ich dann, nach Themen geordnet, noch einmal beantwortet. Das Ganze hat zweieinhalb Wochen gedauert. Ich machte zwei Tage frei, um dann noch zwei Tage die für mich schwierigen Themen zu kreuzen.
Im Nachhinein habe ich gemerkt, dass ich mir Physik und Chemie wirklich hätte sparen können, da es jeweils nur ca. 10 Fragen zu diesen Fächern gab und ich für jedes Fach über einen Tag gebraucht habe, um die Fragen auf der „mediScript“-CD zu beantworten. Man sollte diese Fächer einfach auslassen.
Die „Schwarze Reihe“, die mir in den MC-Prüfungen bis zum Physikum immer geholfen hatte, habe ich fast überhaupt nicht benutzt. Einzig den Teil für Psychologie und Soziologie habe ich komplett durchgearbeitet.
Auf zum schriftlichen TeilZur schriftlichen Prüfung war ich dann auch gar nicht wirklich nervös. Wir haben in kleinen Räumen zu je 25 Personen geschrieben. Man erhält ein Aufgabenheft und einen Antwortbogen und hat dann vier Stunden Zeit, um die Fragen zu beantworten und in das Lösungsheft zu übertragen.
Am ersten Tag waren Biochemie, Chemie, Physiologie und Physik dran. Es gab einiges zum Rechnen, so dass ich die vier Stunden auch gebraucht habe. Am zweiten Tag lösten wir die Aufgaben zu Anatomie, Biologie und Psychologie. Da gab es wesentlich weniger zum Rechnen und ich war schon nach 90min fertig und bin gegangen. Das mag den Meisten sehr schnell vorkommen, aber ich war schon immer schnell im Kreuzen.
Man steht am Anfang der Prüfung vor der Frage, ob man den Antwortbogen parallel zu den Fragen ausfüllt oder erst einmal alle Fragen beantwortet und dann die Lösungen überträgt. Die erste Variante ist sinnvoller, weil man beim Übertragen am Ende leicht durcheinander kommt und man unter Umständen vielleicht auch gar nicht fertig wird.
Das Aufgabenheft durften wir am Ende der Prüfung mit nach Hause nehmen. Das war sehr praktisch, weil auf der Homepage von „Medilearn“ Tutoren die Aufgaben mit Literatur lösen und dann die Lösungen im Laufe des Abends online stellen. Man kann dies dann mit seinen eigenen Lösungen vergleichen und kann so schon mal ungefähr abschätzen, wie gut oder schlecht man war. Dadurch bin ich am zweiten Tag völlig entspannt zur Prüfung gegangen, weil sich schon am ersten Tag abzeichnete, dass meine Punktzahl zum Bestehen auf jeden Fall reichen würde.
Und mein Fazit ...Ich habe beide Prüfungen mit „3“ bestanden. Ein bisschen ärgere ich mich darüber, weil ich zugegebenermaßen mehr hätte lernen können. Andererseits ist vor allem die Notenvergabe in der mündlichen Prüfung nicht gerade sehr aussagekräftig und sehr Prüfer abhängig. Schaffen kann es aber auf jeden Fall jeder, der richtig lernt.
Würde ich jetzt noch mal das Physikum machen, wäre ich vor der mündlichen Prüfung schon noch ein bisschen entspannter. Ansonsten würde ich vermutlich alles noch mal genauso machen. Das Wichtigste ist wirklich, sich schon vorher klarzumachen, dass man nicht mehr machen kann als lernen und die Zeit auf jeden Fall reicht. In unserer Gruppe hatten wir uns am Ende folgendes gesagt: Wir haben auf jeden Fall viel gelernt und theoretisch können wir es schaffen. Wenn wir durchfallen, dann hätte uns ein Tag mehr oder weniger auch nicht geholfen, sondern es ist dann eben einfach Pech. Und dieses Pech haben glücklicherweise nicht viele.
BuchempfehlungenAbschließend gesammelt im Überblick noch einmal meine Bücherempfehlungen:
- Duale Reihe Biochemie
- Duale Reihe Anatomie
- Kleiner Silbernagl
- Schwarze Reihe Psychologie/Soziologie
- CD MediScript
- Histologie Lüllmann-Rauch
F., A.
Berlin, Juni 2009 |