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Reformstudiengang Medizin, Charité - Universitätsmedizin Berlin
(Eine Alternative, Medizin problemorientiert zu studieren, 01.10.2000 - 30.09.2001)

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Die Idee
Wie soll das aussehen?
Wie lerne ich im Reformstudiengang?
Die Praktika sind ähnlich den im Regelstudiengang.
Wie werde ich geprüft?
Wie komme ich zu einem Studienplatz im RSM der Humboldt-Uni?
Wo kann ich sonst noch problemorientiert studieren?
Noch Fragen?
Zu guter letzt

Die Idee

das deutsche Medizinstudium zu reformieren, ist nicht neu: Seit Beginn der Approbationsordnung gibt es Diskussionen über eine Anpassung an die Bedürfnisse der Medizinstudenten und Lehrenden. Vor ca. 10 Jahren gingen Studenten in Berlin für mehr Praxisbezug im Medizinstudium auf die Straße. Aus diesen Streiks entstand die AG Reformstudiengang, die nach 10-jähriger hartnäckiger Arbeit eine Gesetzesänderung bewirkte, die sogenannte Modellversuchsklausel, welche den Reformstudiengang (RSM) im Oktober 1999 ermöglichte: Eine Ausbildung, die in gleicher Studienzeit mit gleichem Abschluß den Studenten von Beginn an praktische Fertigkeiten vermittelt. Dafür wurde die strikte herkömmliche Trennung von Vorklinik und Klinik aufgehoben, Physikum und erstes Staatsexamen wurden durch neue Prüfungsformen ersetzt.

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Wie soll das aussehen?

Der Reformstudiengang dauert 6 Jahre, die in 3 Studienabschnitte aufgeteilt sind:
Der erste Studienabschnitt (1. bis einschl. 5. Semester) orientiert sich mit seinen Ausbildungsinhalten an organ- oder systembezogenen Problemstellungen.

Der zweite Studienabschnitt (6. bis einschl. 10. Semester) baut auf dieses Wissen auf, bezieht sich nun aber auf typische Krankheiten und Gesundheitsprobleme verschiedener Lebensphasen, steht also im Bezug zum Lebensalter.

Diese 10 Semester sind jeweils in Themenblöcke und Blockpraktika unterteilt. Zum Beispiel setzt sich das 6. Semester aus einem Blockpraktikum Gynäkologie und Geburtshilfe (4 Wochen), einem Themenblock Schwangerschaft/Geburt/Neugeborenes (4 Wo) und einem Themenblock Säugling/Kleinkind (4 Wo) zusammen.

Der dritte Studienabschnitt ist, wie auch im Regelstudiengang, das Praktische Jahr (PJ).

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Wie lerne ich im Reformstudiengang?

Das Ausbildungsangebot umfaßt überwiegend fächerübergreifende Veranstaltungen, deren Inhalte entsprechend dem Ausbildungsstand der Studierenden in zunehmender Tiefe wiederholt behandelt werden. Bezüglich dieser Systematik werden folgende Lehr- und Lernveranstaltungen von Studienbeginn an angeboten:
Das Problemorientierte Lernen (POL) stellt die zentrale Unterrichtsform dar, in der sich 7 Studenten zu Beginn einer Woche treffen, um gemeinsam ein humanmedizinisches Problem zu bearbeiten. Im Selbststudium erarbeiten die Studenten die sich daraus gewählten Lernziele und treffen sich am Ende der Woche wieder, um ihr gewonnenes Wissen zu präsentieren und gemeinsam zu diskutieren. Während dieser Kleingruppensitzungen ist ein Dozent dabei, der als Moderator fungiert.

Die Seminare ergänzen das Selbststudium, indem ein Vorkliniker und ein Kliniker gemeinsam zum aktuellen POL-Thema Wissen vermitteln. In dieser Gruppe von 20 Studierenden beantworten die beiden Dozenten Fragen aus ihrem jeweiligen Blickwinkel.

Die Übungen finden zu siebt unter Anleitung eines Klinikers statt und vermitteln die praktischen ärztlichen Fertigkeiten zum aktuellen Blockthema. Die Kleingruppe geht hierfür entweder auf eine Station zum Patienten oder arbeitet im Trainingszentrum für ärztliche Fertigkeiten (TÄF), das im Zusammenhang mit dem Beginn des Reformstudiengangs mit Untersuchungsgeräten errichtet wurde.

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Die Praktika sind ähnlich den im Regelstudiengang.

Der Praxisvormittag ermöglicht dem Studenten einmal wöchentlich im ersten Studienabschnitt dauerhaft den Ablauf in einer Praxis mitzuerleben und die erlernten Fertigkeiten anzuwenden.

Vorlesungen in klassischer Form gibt es nicht, da in der Ideologie des RSM Wert auf die aktive Mitarbeit der Studierenden gelegt wird.


Wie werde ich geprüft?

Wie zuvor beschrieben, gibt es im RSM Prüfungsformen, die das vorklinische und klinische Wissen miteinander verbunden überprüfen. Dafür ist am Ende eines jeden Semesters eine Semesterabschlussprüfung abzulegen, die nicht wie bisher nur aus theoretischen Teilen, sondern auch aus einem praktischen Teil besteht, der die erlernten ärztlichen Fertigkeiten überprüft. Eine bestandene Semesterabschlussprüfung berechtigt zum Übergang ins nächste Semester. Alle 10 abgelegten Semesterabschlussprüfungen sind Teil der Zulassung für das 2. Staatsexamen, welches dann gemeinsam mit den Regelstudenten ansteht. Das 3. Staatsexamen folgt schließlich dem PJ.

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Wie komme ich zu einem Studienplatz im RSM der Humboldt-Uni?

Der Reformstudiengang beginnt immer nur zum Wintersemester. Ein Quereinstieg ist nicht möglich. Es gibt zwei Hürden zu überwinden: Als erstes benötigt man einen Studienplatz im Wintersemester für Humanmedizin an der Humboldt-Uni (über ZVS oder direkte Bewerbung an die Uni). Hat man diesen, gibt man innerhalb der Uni den Wunsch auf einen der jeweils 63 RSM-Plätze bekannt. Meist äußern mehr als 63 Personen ihr Interesse, dann erfolgt eine Auslosung der Plätze. Daraus wird klar: Bei der ZVS zählen Leistungen, beim Verlosen Glück. Was die Studiengebühren angeht, die auf den Studenten zukommen, unterscheidet sich der RSM-Berlin nicht vom Regelstudiengang Medizin.

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Wo kann ich sonst noch problemorientiert studieren?

Es gibt weltweit nicht nur in medizinischen Fakultäten problemorientiert ausgerichtete Studiengänge. In Deutschland findet sich neben dem Reformstudiengang in Berlin auch an der Privatuniversität Witten-Herdecke ein vergleichbarer Modellstudiengang. Zudem gibt es an vielen deutschen Universitäten zunehmend POL-Veranstaltungen, die teils freiwillig, teils als fester Bestandteil im Studienablauf angeboten werden.

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Noch Fragen?

Wer konkrete Fragen hat oder sich in Berlin vor Ort ein Bild vom RSM machen möchte, wendet sich am besten direkt an das Sekretariat:

Reformstudiengang Medizin
Augustenburger Platz 1
13353 Berlin
Telefon: 030 / 450-5-76112
Telefax: 030 / 450-5-76912


Zu guter letzt

sei noch aus eigener Beobachtung gesagt: Medizin so praxisnah und selbständig zu lernen, erscheint sinnvoll und macht Spaß, wer jedoch beim Lernen einen inhaltlich klar definierten Rahmen mit dem Leistungsdruck ständiger kleiner Prüfungen schätzt, dem fällt das Medizinstudium im Regelstudiengang möglicherweise leichter.


G., T.
Berlin, Juli 2001
News-Alarm