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Für die Studierenden des ersten Jahrgangs des Reformstudiengangs Medizin der Humboldt- Universität zu Berlin beginnt im Wintersemester 2002 das 7. Semester. Die Studierenden haben nun, mit Ende des ersten klinischen Semesters, die Hälfte des Studiums absolviert. Erstes Klinisches Semester
Erste Famulatur
Fazit
Erstes Klinisches SemesterDas erste „Klinische Semester“ umfasste vier Wochen Praktikum auf einer Gynäkologischen Station, einen vierwöchigen Unterrichtsblock "Schwangerschaft, Geburt und Neugeborenes" sowie einen vierwöchigen Block "Säugling und Kleinkind". Die vier Wochen auf der gynäkologischen Station waren anfangs schwer. Es galt sich an den klinischen Alltag zu gewöhnen. Je nach Station und eigenem Interesse waren die Erfahrungen sehr unterschiedlich. Die Vormittage verbrachten wir in den verschiedenen Lehrkrankenhäusern und nachmittags beschäftigten wir uns mit Patientenfällen im "Problem-Orientierten Lernen-Seminar".
Wir konnten auf den Stationen viel lernen und die Verknüpfung von Theoretischem Lernen und Praktischer Anwendung für gut befinden. Bereits im POL-Seminar besprochene Fälle, wie z. B. über eine Patientin mit Endometriose, konnten manchmal bereits einige Tage später umgesetzt werden, wenn eine Patientin mit diesem Krankheitsbild auf die Station aufgenommen wurde. Die Begleitung einer solchen Patientin durch Diagnostik und Therapie war einprägsam.
Auf den Stationen kamen wir uns nicht verloren vor. Wie man eine Anamnese erhebt und dabei mit dem Patienten entsprechend kommuniziert, hatten wir seit Beginn des ersten Semesters trainiert. Auch die gynäkologische Untersuchung war uns bereits aus dem Block "Sexualität" (3.Semester) vertraut. Nun wurde auch die Lernspirale des Curriculums offensichtlich; sowohl theoretisches als auch praktisches Grundwissen wurde vertieft. Von Beginn des Studiums an war es uns möglich, im Trainingszentrum für ärztliche Fertigkeiten (TÄF) Blut abnehmen und das Legen von Verweilkanülen an Dummys zu üben. Aufgrund dieser Vorbereitung konnten wir bald die morgendlichen Blutabnahmen erledigen und die ersten Patientinnen aufnehmen.
Erste FamulaturNach diesen positiven Erfahrungen entschloss ich mich, in den Semesterferien eine Famulatur anzuschließen - sechs Wochen im "Accident & Emergency Department" in London. Nicht nur die Sprachbarriere sondern auch die Vorstellung von der klinischen Arbeit bereiteten mir zuerst etwas Magengrummeln. Doch nach den ersten Tagen hatte ich mich eingelebt und jegliche Befürchtungen erwiesen sich als unnötig.
Die Aufgabe der Studierenden bestand darin, bei den Patienten eine gezielte Anamnese zu erheben sowie sie zu untersuchen, um dann "seinen" Patienten dem jeweiligen Arzt (House Officer, Registrar oder Consultant) vorzustellen. Mit dem Arzt wurde dann der Patient "besprochen", offene Fragen wurden geklärt und die weiteren Untersuchungen/Therapien konnten mit verfolgt werden.
In den ersten Semestern sind die Studienblöcke im Reformstudiengang Medizin (RSM) nach Organsystemen geordnet. Die Lern- und Lehrinhalte der einzelnen Blöcke umfassen u.a. Organbezogene Untersuchungstechniken, spezifische Diagnostik und gezielte Anamnese . Dies ermöglichte mir die Anwendung zweier Vorgehensweisen: zum einen die spezifische konzentrierte "Untersuchung eines Organs" und zum anderen die Verknüpfung der Untersuchung des Abdomens, des Thorax und der neurologischen Untersuchung. Für meine Anamnesen hatte ich bald eine Struktur gefunden und im Umgang und während der Gespräche mit den Patienten fühlte ich mich wohl. Vielleicht haben dazu die - manchmal belächelten - Interaktionseinheiten der letzten Jahre beigetragen. Gerade in der Notaufnahme empfand ich gute Kommunikation als wichtig, denn in begrenzter Zeit musste eine gezielte Anamnese erhoben werden. Außerdem war es häufig wichtig, beruhigend auf die Patienten einzuwirken, um diesen Ängste zu nehmen.
Auf meinen Grundlagen konnte ich gut aufbauen und lernte schnell, welche Diagnostik und Fragen beim Brustschmerz, welche bei vaginaler Blutung und welche bei Bauchschmerzen wichtig sind. Die Anwendung der Methode des "Problem-Orietierten-Lernens" in den letzten Jahren erleichterte mir das Hineinfinden in das klinische Denken.
Im Laufe des bisherigen Studiums wurden wir immer wieder mit verschiedenen Röntgenbildern konfrontiert, so dass ich nicht ganz unerfahren vor dem Röntgenschirm stand und den ein oder anderen Knochenbruch identifizieren konnte. Darüber hinaus wurden in den letzten Semestern viele praktische Fertigkeiten wenigstens theoretisch durchgesprochen, wie z.B. die Punktion des Pneumothorax, Wundversorgung, Nähen von Wunden ( im Block "Haut" (5. Semester) bereits an Schweinefüßen geübt) und Gelenkpunktionen. Nun profitierte ich davon und konnte einiges, dank der Bereitschaft und Geduld der englischen Ärzte, in die Praxis umsetzen.
Da die englischen Studierenden kurz vor ihrem Abschlussexamen standen, verbrachte ich ein bißchen mehr Zeit in der Bibliothek, um auch bei den täglichen "Teachings" mitreden zu können. Das "Selbststudium", was im Reformstudiengang eine wichtigere Rolle spielt, kam auch in England nicht zu kurz und nun finde ich mich auch in der englischen Literatur besser zurecht.
FazitZusammenfassend ist zu sagen, dass ich mich nicht überfordert gefühlt habe, nicht unnütz in der Gegend herum stand und viel gelernt habe. Dies ist sicherlich zurückzuführen auf die gute Vorbereitung durch mein bisheriges Studium und auch die Bereitschaft der englischen Ärzte, Studenten mit Zeitaufwand und Freude zu unterrichten.
Ich bin neugierig auf die nächsten Blockpraktika auf den Stationen der Lehrkrankenhäuser und habe mir dafür bereits vorgenommen, die, bisher zu kurz gekommene, "Kunst des EKG Lesens" zu lernen.
N., A.
Berlin, Oktober 2002 |