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Physikum, Charité – Universitätsmedizin Berlin
(Döner im Endspurt, Endorphine und Sekt, 15.11.2008)

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Vielleicht die wichtigste Erkenntnis meines Rückblicks gleich zu Beginn: Natürlich kann ich nicht beurteilen, ob die dozentenvermittelte Angst vor „DEM“ Physikum eine Berliner Spezialität ist oder ob sie nicht vielmehr ein allgegenwärtiger und vielleicht sogar notwendiger Teil dieser großen Prüfung ist, aber ich kann in jedem Fall nur dazu anraten, Augenmaß zu bewahren.

Und zwar in alle Richtungen: Wohl kaum jemand wird diese Prüfung ohne einige Vorbereitung brillant bestehen. Aber genauso sollten sich zukünftige Prüflinge vor Augen halten, dass es zumindest in größten Teilen eben doch ein Test des Basiswissens ist und dass es viele, viele Studenten schon gut überstanden haben.

Die Prüfungen oder Technisches
Vorbereitung oder ein Leben zwischen Bett und Schreibtisch
Die Zeit danach oder Die Endorphine blubbeln

Die Prüfungen oder Technisches

Meine mündliche Prüfung war in einer Vierergruppe gestaltet und bestand klassischerweise aus Anatomie mit einem theoretischen Teil am Modell und einem praktischen an der Leiche sowie Physiologie, Biochemie und dem Erkennen und Aufzeichnen von zwei histologischen Präparaten.

Ich begann die Prüfung mit einem klassischen Fehlstart. Da es sich bei dem Physikum ja doch immerhin um ein Staatsexamen handelt, besteht der ziemlich nahe liegende Verdacht, dass man seine Vorladung sowie einen Personalausweis bereithalten sollte. Nicht so allerdings bei mir. So fing meine Prüfung mit 10 Minuten Verspätung an, da ich einmal um das gesamte Anatomiegebäude sprinten musste, um meinen Personalausweis aus dem Spint zu holen.

Nachdem die Frage meiner Identität dann hinreichend geklärt war, wurden die Fächer in vier Runden geprüft. Die Themen beinhalteten im Groben den Uterus und den Gastro-Intestinal-Trakt bzw. deren Entwicklung (Anatomie), LDL und Fettstoffwechsel, Genetik (Biochemie), Blutgase, glatte Muskulatur und Geburt (Physiologie) sowie Tonsilla palatina und einen Illeumschnitt als Histopräparate. Die thematischen Schwerpunkte setzen verschiedene Prüfer natürlich völlig unterschiedlich; dies soll nur zeigen, dass das Physikum ganzheitlich konzipiert ist. Man sollte sich in jedem Fall über seine Prüfer informieren, und es schadet nicht zu wissen, auf welchem Gebiet der jeweilige Prüfer ein Spezialist ist.

Ich empfand die Atmosphäre der Gespräche überraschend positiv. Meine Prüfer waren fair und nett, gaben den Studenten Zeit zum Überlegen und haben angemessen reagiert, wenn mal jemand etwas Falsches sagte. Insgesamt hielten fast alle, mit denen ich im Nachhinein gesprochen habe, auch ihre Note für gerechtfertigt. Das ist natürlich nicht repräsentativ, aber es wäre beruhigend, wenn die überwiegende Mehrheit dies so sehen würde. Allerdings muss man sich auch darüber im Klaren sein, dass die Noten tatsächlich nur das Bild innerhalb der Prüfungsgruppe widerspiegeln. Eine „Zwei“ in Gruppe A wäre vielleicht eine „Eins“ in Gruppe B gewesen.

Es ist übrigens keine schlechte Idee, am Prüfungstag ausgiebig zu frühstücken, zu joggen oder es sich sonst irgendwie gut gehen zu lassen. Mir hat das geholfen, etwas entspannter an die Sache heranzutreten. Ein ähnlich trivial anmutender, aber vielleicht wichtiger Tipp: Die mündliche Prüfung ist ein Gespräch und wie in jedem Gespräch entwickelt der Gesprächspartner einen bewussten oder unbewussten Eindruck von seinem Gegenüber. Obwohl es mir auch etwas oberflächlich vorkommt, heißt das, man sollte sich vielleicht doch ordentlich anziehen, d.h. nicht Jeans und Sneakers, aber auch keinen Anzug. Hemd, schwarze Hose und Anzugschuhe waren genau richtig. Die Mädels hatten meistens etwas mittelschickes Dezentes an - und oft lange Hosen, denn man steht im - gut gebügelten! - Kittel und bis zu vier Stunden im kalten Präp.-Saal.

Nun ja, dann gab es da ja noch die schriftliche Prüfung. Hier bestand diese Vergleichbarkeit natürlich, da sie ja deutschlandweit einheitlich geschrieben wird, dafür ergab sich – wie immer bei Multiple Choice – das dringende Problem der Relevanz mancher Fragen. Unser Semester schrieb in einem angemieteten Bürogebäude. Ich war am ersten Tag relativ müde, weil ich schlecht geschlafen hatte, und das Frühstück hatte ich auch etwas vernachlässigt. Traubenzucker, Wasser, Kaffee und Kaugummis helfen mir dann immer. Ich lerne oft abends oder nachts, und ich würde beim nächsten Mal versuchen, meinen Schlafrhythmus schon früher darauf umzustellen, morgens um 8.00 Uhr fit zu sein.

Man bekommt ein Heft mit allen Fragen und den dazugehörigen Antwortbogen, wie man das aus der Uni meistens schon kennt. Ich finde es besser, die Antworten immer gleich zu übertragen, denn bei über 100 Fragen pro Tag kann man sich am Ende leicht mit der Zeit verschätzen.

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Vorbereitung oder ein Leben zwischen Bett und Schreibtisch

Natürlich gibt es keine Prüfung ohne Vorbereitung. Ich habe ungefähr sechs Wochen vorher angefangen und es hat zeitlich relativ genau gepasst. In gewisser Weise ist es auch besser früher anzufangen, aber man sollte mit einkalkulieren, dass man auch einiges wieder vergisst und dass man irgendwann einfach keine Lust mehr hat. Ich habe mich mit zwei Freunden in einer Lerngruppe vorbereitet, obwohl ich sonst eigentlich lieber allein gelernt habe. Beides hat Vor– und Nachteile.

Wenn man allein schneller vorankommt, sollte man dies auch nutzen. Andererseits kann ich nur empfehlen, mit anderen in den Präpariersaal zu gehen, um Strukturen zu benennen, und es lohnt sich auch, zu zweit zu mikroskopieren, sodass man sich gegenseitig Präparate zum Erkennen geben kann. Wir haben uns anfangs dreimal in der Woche getroffen, was fast ein bisschen zu viel war. Die Lerngruppe hat aber auf jeden Fall den Zweck erfüllt, das fließende Sprechen über medizinische Zusammenhänge vor anderen zu üben.

Zur grundsätzlichen Vorbereitung der Mündlichen habe ich für Biochemie und Physiologie den kleinen „Löffler“ bzw. den „Schmidt-Thews“ und die Kurzlehrbücher von Thieme benutzt sowie das „Benninghoff-Kompendium“ als auch den „Witt“ für Anatomie und den „Lüllmann-Rauch“ für Histologie. Wenn man dann seine Prüfer bekommen hat, muss man unbedingt im Internet oder an der Uni die Altfragen durchgehen! Das beinhaltet natürlich die Gefahr, dass man sich zu sehr auf die Fachgebiete oder oft gestellten Fragen der Prüfer einschießt. Also den Blick für das große Ganze nicht verlieren. Man darf sich außerdem nicht von den persönlichen Kommentaren in diesen Protokollen verrückt machen lassen. Man sollte sich dabei klarmachen, dass jemand, für den die Prüfung gut gelaufen ist, wahrscheinlich etwas zu positiv darüber berichtet, und dass das Gegenteil für jemanden gilt, der in seiner Prüfung Pech hatte.

An der Charité in Berlin sind die Termine für die mündlichen Prüfungen vor der Schriftlichen gewesen, was für mich sehr gut funktioniert hat. So blieben mir nach dem mündlichen Teil noch mehr als zwei Wochen zum Kreuzen. Ich habe festgestellt, dass man echt Zeit spart, wenn man die „Gelbe Reihe“ am Computer kreuzt und nicht mit den Büchern arbeitet. Es lohnt sich definitiv, die Physika der letzten drei, vier Jahre in allen Fächern einmal gemacht zu haben, da doch relativ viele Fragen oder Gegenstände in der einen oder anderen Form wieder auftauchen.

Ich habe verhältnismäßig viel Zeit für die kleinen Fächer (Biologie, Physik, Chemie) investiert, was sich nur dann anbietet, wenn man das Gefühl hat, in den anderen Fächern halbwegs sicher zu sein. Anfangen würde ich wieder mit Psychologie/Soziologie, da man hier viele Punkte gewinnen, aber auch lassen kann.

Aber jetzt noch etwas echt Wichtiges: Ich hatte Tage, an denen ich von morgens bis abends lesen konnte und wollte; aber auch solche, an denen wenig funktioniert hat. Manchmal wollte ich einfach nur an den See fahren. Wenn ich dann trotzdem versuchte, es zu erzwingen, endete dies meistens in Frustration. Jeder hat solche Tage und man muss sie fest mit einplanen. Lieber mal rausgehen oder mal einen Tag ganz und gar gammeln. Das ist in der Summe viel effektiver und man fühlt sich besser.

Irgendwie habe ich auch ein bisschen gelernt, meine Motivation zu pflegen. Ein Leben zwischen Bett und Schreibtisch gehört dazu, funktioniert aber nicht im Dauergang. Übrigens hatte ich meistens aus (gefühltem) Zeitmangel keine Lust zu kochen, sodass sich meine Ernährung im Endspurt mit kleinen Ausnahmen auf Pizza, Pasta und Döner beschränkte, neben dem sowieso schon erhöhten Kaffee- und Nikotinkonsum. Dies würde ich vielleicht im Rückblick ein bisschen anders machen.

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Die Zeit danach oder Die Endorphine blubbeln

Dann aber der Tag, an dem die letzte Frage gekreuzt war. Dafür unter Anderem macht man es. Nach der Schriftlichen war ich eigentlich ziemlich fertig. Man spürte einfach bei allen die Erleichterung, trotz Regen und einem frustrierten Hausmeister, der uns von dem Bürogebäude wegscheuchen wollte. Zwei Wochen vorher nach der Mündlichen war es noch besser. 30 Grad und Sekt vor der Anatomie.

Das Pflichtprogramm besteht dann aus Feiern und erstmal nichts tun. Das Tolle an den Ferien nach dem Physikum ist, dass man sie absolut zur freien Verfügung hat. Es gibt keine Praktika, keine Famulaturen oder Semesterarbeiten. Wie die meisten Anderen bin ich dann weg gefahren, um mich zu belohnen und um Abstand zu gewinnen.

Im Nachhinein denke ich über das Physikum ein bisschen wie über das Abitur. Es war zum gegebenen Zeitpunkt „DIE“ schwerste Prüfung bis dahin schlechthin. Noch nie hatte ich mehr für eine Prüfung gelernt. Und obwohl es anspruchsvoll war, ist es rückblickend irgendwie der Panikmache doch nicht so ganz gerecht geworden. Ich habe in beiden Prüfungsteilen eine „Eins“ bekommen und mich natürlich sehr darüber gefreut.

Man muss aber festhalten, dass sich später wohl kaum jemand explizit für die Physikumsnote eines Arztes interessiert, und dass sie einen relativ kleinen Teil der Gesamtnote ausmacht.

Ich würde mich freuen, wenn ich jemandem ein bisschen weiterhelfen konnte, und wünsche den zukünftigen Kandidaten viel Erfolg.

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K., S.
Berlin, August 2009
News-Alarm