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Arzt bei der Bundeswehr, Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt am Main, Hessen
(1. Teil: Auf dem Weg zur Bundeswehr, 01.07.1991 - 31.01.2001)

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1. Teil: Auf dem Weg zur Bundeswehr

Zunächst ein kurzes Statement in eigener Sache: Dieser Erlebnisbericht basiert nur auf den Erfahrungen, die ich als Sanitäts-Offizier-Anwärter bei der Bundeswehr gesammelt habe. Es sind rein subjektive Eindrücke, die hier wiedergegeben werden und alle Aussagen spiegeln nur mein eigenes Empfinden und meine eigene Bewertung wieder. Die Aussagen, die in diesem Bericht getroffen werden, sind auf keinen Fall als die Meinung oder als offizielle Bekundungen der Bundeswehr oder ihrer Führung zu werten.

Wie kam ich auf die Bundeswehr
Die Hürden auf dem Weg zur Bundeswehr
Die OPZ in Köln
Die Entscheidung
Das Abitur

Wie kam ich auf die Bundeswehr

Mein Name ist Mario Hantke, ich wurde 1971 in Frankfurt/Main geboren und wuchs dann in der größeren Umgebung dieser Großstadt auf. Schon früh war in mir der Berufswunsch "Arzt" zu einem festen Ziel geworden, das ich mit sicherer Zielstrebigkeit verfolgte.

1988, zu Beginn der Oberstufenzeit, wurden aus bisher eher vagen Gedanken an die be-rufliche Zukunft langsam konkretere Pläne. Als Schüler mit den Leistungskursen Mathe-matik und Chemie wußte ich, daß es recht schwer werden würde, den Numerus Clausus für die Medizin zu erreichen. Ebenso machte ich mir Gedanken darüber, wie ich ein Studium über mindestens 6 Jahre finanzieren sollte. Als eine Lösung des zweiten Problems kam für mich durchaus in Frage, mich bei der Bundeswehr für zwei oder vier Jahre zu verpflichten und das dabei verdiente Geld als Grundstock für die Studiumsfinanzierung zu sparen.

Ein Zufall wollte es, daß ein neu zugezogener Mitschüler dann eines Tages erwähnte, daß er nach der Schule über die Bundeswehr Luft- und Raumfahrttechnik studieren werde. Ich unterhielt mich mit ihm über die dortigen Chancen und Modalitäten, wobei er mir dann erklärte, daß auch ein Studium der Medizin bei der Bundeswehr möglich sei.

So darauf aufmerksam geworden, erkundigte ich mich bei der Offizier-Prüfzentrale (OPZ) in Köln, deren Adresse er mir gegeben hatte, nach den Bedingungen für das Medizinstu-dium bei der Bundeswehr.

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Die Hürden auf dem Weg zur Bundeswehr

Die Herren der OPZ in Köln waren am Telefon sehr freundlich und schickten mir fast um-gehend umfangreiches Informationsmaterial über die Laufbahn eines Sanitäts-Offizier-Anwärters (SanOA) und späteren Sanitätsoffiziers in der Bundeswehr. Außerdem erhielt ich eine Aufstellung über die Bedingungen und Voraussetzungen für eine Aufnahme in die Laufbahn der Offiziere.
Zunächst forderte diese Liste, daß ich entweder die Hochschulreife schon haben müsse oder zumindest auf dem Weg dorthin schon weit fortgeschritten sein mußte. Dies zu er-füllen war kein Problem, da ich mich mittlerweile schon in der zwölften Klasse befand und alles darauf hin deutete, daß ich das Abitur auf jeden Fall bestehen würde.

Als nächste Bedingung erschien der Hinweis, daß man als Antragsteller schon gemustert sein müßte. Dies wiederum war ein Problem, denn obwohl ich schon über 18 Jahre alt war, hatte das Kreiswehrersatzamt noch keine Notiz von mir genommen, oder es hatte dies zumindest mir noch nicht mitgeteilt. Also klemmte ich mich ans Telefon und organi-sierte über meine Heimatgemeinde und das zuständige Kreiswehrersatzamt einen Termin für die Musterung. Diesen Termin erhielt ich dann für in ca. drei Monaten.

Im Kreiswehrersatzamt wurde ich dann Anfang 1990 gemustert, zum Glück reichte mein Gesundheitszustand für die Stufe T2. Dies ist Bedingung für die Möglichkeit, sich als Offizier bei der Bundeswehr zu bewerben. Bewerber mit einer Tauglichkeitsstufe 3 oder hö-her können nur mit einer Ausnahmegenehmigung angenommen werden, haben aber kaum eine Chance, das Auswahlverfahren zu überstehen.

Mit dem Bescheid der Musterungsbehörde und anderen Unterlagen, wie z.B. polizeiliches Führungszeugnis (von der Gemeinde) und bisher erreichte Noten, reichte ich meine Be-werbung bei der OPZ in Köln ein.
Wenige Tage später erreichte mich ein Brief von der Bundeswehr, in dem ich aufgefordert wurde, im August 1990 an einem 3-tägigen Prüfungsgespräch teilzunehmen, das in der OPZ in Köln stattfinden sollte. Ich bestätigte diesen Termin kurz schriftlich und fieberte diesem Termin entgegen.

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Die OPZ in Köln

In Köln angekommen, hieß es erst einmal, die OPZ zu finden. Dies gestaltete sich aber leichter als zunächst angenommen. Dort angekommen wurde man zunächst von einem Soldaten empfangen, der anhand der Einladung zunächst die Erlaubnis kontrollierte, das Gelände der Kaserne zu betreten. Danach folgte die Zuweisung eines Bettes für die nächsten zwei Nächte in einem Sechs-Bett-Zimmer.

Die anwesenden Testkandidaten waren nicht nur Bewerber für das Medizinstudium, sondern quer durch alle Studienfächer, welche die Bundeswehr anbietet.

Nach der Erledigung der Formalia traf man sich in einem Unterrichtssaal, dort wurden einem die Regeln erklärt, nach denen die nächsten beiden Tage ablaufen sollten. Es wurde klar gemacht, daß es keine einfachen Aufgaben sein würden, die man erledigen mußte, aber auch keine unmöglichen. Danach wurden alle Bewerber in verschiedene Gruppen eingeteilt, scheinbar willkürlich.

In den nächsten beiden Tagen wurden wir dann in verschiedenen Richtungen Prüfungen unterzogen. Es erstreckte sich von Synonym-Tests, Aufsatz-Prüfungen, Mathematik-Tests, über Allgemeinwissen-Tests bis hin zu Belastungstests mit psychologischer Beobachtung und einem psychologischen Gespräch.

Am Ende des zweiten Tages wurden dann einzelne Bewerber aufgerufen und diesen wurde dann mitgeteilt, daß der Test für sie beendet sei und sie nach Hause fahren könnten. Die Übriggebliebenen wurden am nächsten Tag einem Fitneßtest unterzogen, der sich zunächst schwierig anhörte, dann aber doch nicht so schwierig war, wenn man vorher ein wenig Sport getrieben hatte.

Danach wurde jeder Kandidat einzeln zu den leitenden Personen dieser Prüfung gerufen und es wurde eröffnet, wie die Prüfung gelaufen ist und wie die Chancen standen, als Offizieranwärter angenommen zu werden. Außerdem wurde kurz geklärt, ob man zu einer bestimmten Teilstreitkraft (Heer, Marine, Luftwaffe) wollte und ob man örtlich auch eine Einschränkung hatte.

Einzelne Kandidaten hatten die Prüfung so gut absolviert, daß sie direkt mitgeteilt bekamen, zum nächsten Termin eingezogen zu werden. Andere Kandidaten bekamen die Mitteilung, ihre Leistungen seien zwar gut gewesen, aber ihre Chancen seien schlecht, ge-nommen zu werden. Zum Glück gehörte ich wenigstens zur dritten Kategorie, den Kandidaten, denen erklärt wurde, zur sofortigen Einstellung hätte es zwar nicht gereicht, es müßten noch die Ergebnisse der weiteren Prüfungsgruppen abgewartet werden, aber man sei noch nicht völlig aus dem Rennen. Die Benachrichtigung sollte erfolgen, sobald die Entscheidung gefallen sei.

Damit begann die Zeit des großen Wartens.

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Die Entscheidung

Wenige Tage nachdem ich mich für den "Medizinertest" angemeldet hatte, rief der zuständige Sachbearbeiter der Bundeswehr bei mir zu Hause an und bat dringend um Rückruf. Er teilte mir mit, die Testergebnisse der anderen Gruppen seien jetzt so weit ausge-wertet, daß man mir mitteilen könne, daß ich als Bewerber angenommen sei.

Etwa eine Woche später erhielt ich die endgültige Bestätigung per Post. Darin wurde auch mein zukünftiger Standort für die Grundausbildung (Rennerod im Westerwald) festgelegt und als Termin meiner Einberufung der 01.07.1991.

Somit standen zwischen mir und meinem Traum, dem Medizinstudium, nur noch das Abitur und wenige Monate.

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Das Abitur

Im Frühjahr 1991 absolvierte ich die Abiturprüfungen und war sehr froh, daß ich nicht unter dem extremen Druck stand, den NC unbedingt schaffen zu müssen, um mir die Möglichkeiten des Studiums nicht zu verbauen. Dies erleichterte das ganze Unternehmen ungemein.

Nachdem ich die Urkunde des bestandenen Abiturs in den Händen hielt, schickte ich eine Kopie an die Bundeswehr, wodurch die Einstellung zum 01.07.1991 endgültig festgeschrieben wurde.

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Der Autor dieser Reihe ist Mario Hantke, geboren am 25.08.1971 in Frankfurt am Main. Er absolvierte sein Medizinstudium an der J.W. Goethe-Universität in Frankfurt am Main als Sanitätsoffizieranwärter und ist seit dem 01.12.1999 Arzt im Praktikum bei der Bundeswehr im Bundeswehr Zentralkrankenhaus Koblenz, z.Zt. in der unfallchirurgischen Ambulanz, insgesamt in der Weiterbildung zum Arzt für Allgemeinmedizin.

Das Stethosglobe-Team bedankt sich ganz herzlich beim Autor unserer Serie zur 'Medizinischen Aus- und Weiterbildung bei der Bundeswehr', Herrn Mario Hantke.
Ein besonderer Dank gilt ebenso der verantwortlichen Stelle der Bundeswehr, die die Veröffentlichung dieses Artikels freundlicherweise genehmigt hat.
(Anm.d.Red.).

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H., M
Koblenz, Januar 2001
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