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Am Anfang möchte ich erwähnen, dass mein Bericht nicht die Studentinnen und Studenten ansprechen soll, die ihr Studium unter normalen Bedingungen absolvieren, sondern meine Lernsituation soll auch denjenigen Mut machen, die wie ich unter besonderen Umständen ihre erste Ärztliche Abschnittsprüfung machen müssen. Und dann kam Klara
Die Vorbereitung begann
Auf zur Schriftlichen!
Nur noch eine Hürde: die mündliche Prüfung
Mein Fazit
Und dann kam KlaraNach einem Wechsel von der RWTH Aachen an die Universität Hamburg wollte ich im Herbst 2008 mein Physikum machen, war aber zu jenem Zeitpunkt schon im 3. Monat schwanger, dementsprechend übel ging es mir. Daher beschloss ich, die Prüfung kurz vor der Geburt abzuschließen, was aber durch die Ankunft meiner lieben Tochter Klara zwei Wochen vor der Schriftlichen wieder daneben ging.
Hier muss ich noch erwähnen, dass die Damen des Landesprüfungsamtes Hamburg es geduldig akzeptiert haben, dass ich mich ständig anmeldete, um mich dann wieder abzumelden. Danke an dieser Stelle für die Geduld!
Die Vorbereitung begannNach kurzer Babypause fing ich dann Ende Mai mit Hilfe meiner Eltern an, auf die schriftliche Prüfung in Hamburg zu lernen. Es war gar nicht so einfach, nach so langer Zeit wieder in den Prüfungsstoff einzusteigen und dann die Pausen mit füttern und wickeln zu verbringen.
Zu Beginn hatte ich mich grob an einen vorgegebenen Lern-Plan des Thieme Verlags gehalten, der aber von mir zwischendurch immer wieder gekürzt und modifiziert wurde, eine Tatsache, die ich aus heutiger Sicht nicht noch einmal machen würde, denn erstens verliert man dadurch enorm viel Zeit und zum anderen auch leicht den Überblick.
Da ich nicht in Hamburg war und auch nicht in der Nähe einer Stadt mit entsprechend verfügbarer Bibliothek, konnte ich nur mit der „Schwarzen Reihe“, den „mediscript-Reihen“ und einigen wenigen Büchern lernen, die ich noch aus der Vorklinik hatte. Das hieß kein vernünftiges Biochemiebuch oder „Klinke-Silbernagel“, nur meine Anatomiebücher („Prometheus“), die aus einer jeden Physikums-Vorbereitung auch nicht wegzudenken sind.
Mein Lern-Plan war so gestaltet, dass ich zunächst Biochemie, dann Physiologie und Anatomie und zu guter Letzt die Fächer Biologie, Physik, Chemie und Psychologie lernte, wobei ich mich hauptsächlich auf die ersten drei konzentrierte.
Der Tagesablauf war im großen und ganzen immer der Gleiche: 6.00 Uhr aufstehen, eine Stunde lernen, mal mehr, mal weniger, je nachdem wie Klara wach wurde, dann ca. eine Stunde Klara füttern, wickeln und ein wenig Bespaßung für die Kleine und mich. Dann weiter im Lern-Plan, bis es auf meiner Seite eine Pause brauchte oder ich meine Mutter noch mal ablösen musste, zwecks Nahrungszufuhr für den Nachwuchs.
Nachmittags hatte ich teilweise gekreuzt oder einfach weitergearbeitet. Wie der Abend aussah, könnt Ihr Euch ja denken… Gerade am Anfang, wenn man noch nicht im Lernfluss drin ist, fällt es einem besonders schwer, abends nach einer Baby-Fütter-Wickel-ins-Bett-bringen-Pause, noch mal in den Stoff reinzukommen. Und an den Wochenenden, die ich auch nur mit Lernen verbracht habe, ist schon mal die eine oder andere Träne geflossen.
Natürlich wurde es, je näher der Prüfungstermin rückte, immer enger, da ich nicht einschätzen konnte, wie viel Zeit so ein kleiner Wurm zwischendurch verlangt. Und dies war wirklich nicht wenig, obwohl ich ohne die tatkräftige Unterstützung meiner Mutter gar nichts zustande gebracht hätte. Ich möchte mich daher auch bei ihr tausendmal bedanken und freue mich tierisch darüber, dass ich so eine tolle Mutter habe.
Das heißt, die Fächer Biologie, Chemie, Physik und Psychologie waren bei mir mit einer sehr, sehr kurzen Vorbereitungszeit absolviert worden, gekreuzt hatte ich alles übrigens ausschließlich mit der „Gelben Reihe“.
Auf zur Schriftlichen! Der erste schriftliche Prüfungstag ist eigentlich der schlimmere, schließlich ist man absolut nervös, man weiß nicht genau, was jetzt auf einen zukommt und ob man den Ernstfall auch, nicht wie bei den Probeläufen zu Hause, ohne plötzliche Heißhungerattacken und „ich muss erst mal aufs Klo“ übersteht.
Fakt ist, vier Stunden sind relativ betrachtet sehr wenig. Ich hatte mir eigentlich geschworen, bei kniffeligen Rechenaufgaben einfach irgendwo ein Häkchen zu machen, aber wenn einen dann doch der Ehrgeiz packt, sind die Minuten schnell vorbei.
Auch eine Sache, die ich nur jedem Physikanten mitgeben kann, ist: „Nicht aufhalten, wenn man es nicht sofort weiß“. Wenn im Anschluss noch die Zeit reicht, lieber zurückblättern und die noch nicht gelösten Aufgaben nacharbeiten.
Der zweite Tag läuft dann wesentlich relaxter und die Gefahr der Nachkorrektur besteht durch den o.g. Zeitgewinn, was mir auch einige Fehler eingeheimst hat. Wichtig ist auch zu wissen, dass immer mal wieder Fragen von Seiten des IMPP gestellt werden, die einen in riesiges Staunen versetzen. Nicht verrückt machen lassen, ist dann die Devise, schließlich ist man nach der ersten Abschnittsprüfung ja noch lange kein auf die Menschheit losgelassener fertiger Arzt!
Nach diesen zwei Tagen psychischer Anstrengung hatte ich erst mal eine Woche Pause gemacht, da der mündliche Termin noch einen Monat entfernt lag.
Nur noch eine Hürde: die mündliche PrüfungFür den mündlichen Teil hatte ich dann gar nicht mehr gekreuzt, sonder nur noch die Basics aus der „mediscript-Reihe“ für die mündliche Prüfung gelernt sowie natürlich alle Prüfungsprotokolle rauf und runter gelernt. Pech war nur, dass wir im Fach Physiologie einen „Neuling“ bekommen hatten und daher keinerlei Protokolle von dem guten Mann vorlagen. Abhilfe habe ich mir einfach mit anderen Prüfungsprotokollen geschafft.
Die Aufregung vor so einer mündlichen Prüfung ist von ganz anderer Natur, da ja das Feedback direkt kommt, denn schließlich freut sich kein Prüfer, wenn man totalen Schwachsinn von sich gibt. Aber diese Aufregung war ganz unbegründet gewesen. Erwartet hatte uns vier Prüflinge eine nette Prüfungskommission, die alle sehr jung waren und daher keine steife Prüfungsatmosphäre aufkommen ließen. Es entstand vielmehr eher das Klima einer ernsten Fachdiskussion, natürlich mit der Tatsache im Hinterkopf, dass es ja um einiges für uns ging.
Wichtig fand ich es, immer genau zuzuhören, wohin der Prüfer mit seiner Frage abzielte, um im Voraus vielleicht schon Antworten zu noch nicht gestellten Fragen zu geben. Aber ehrlich gesagt, war ich einfach nur froh, dass ich der deutschen Sprache mächtig war, mein Satzbau einigermaßen korrekt war und die Antworten im Groben und Ganzen richtig waren.
Schlussendlich hatten wir auch alle bestanden und ich war mit einer „Drei“ aus der Prüfung gegangen.
Mein FazitAls Fazit kann ich abschließend sagen, dass man, um das Physikum zu bestehen, im Minimum acht Wochen Vorbereitungszeit benötigt, ferner einige wenige gute Bücher und vor allem gute Nerven als auch ein fester Wille, es bestehen zu wollen. Mir hatten zudem vor allem die „mediscript-Reihe“ und die „Gelbe Reihe“ geholfen.
Um aber eine glanzvolle Prüfung mit einer wirklich guten Note zu machen, sollte man entweder hoch begabt sein oder volle zwölf Wochen Lernen einplanen.
Wichtig waren und sind für mich immer noch, egal ob es das Physikum oder irgendeine andere Prüfung ist, der eigene Wille, Disziplin und nicht zu vergessen, dass es auch Spaß machen sollte.
Ich wünsche allen weiterhin viel Erfolg beim Medizinstudium!
F., J.
Hamburg, Oktober 2009 |