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Kaum ein Thema wird unter den Medizinstudierenden Deutschlands zurzeit heißer diskutiert als das Thema „Hammerexamen“. Die Diskussionen sind einerseits geprägt von einer Art „Pionierfreude“, andererseits aber auch – und das wiegt schwer - von Sorgen und Fehlinformation. Letztere beiden sollen durch diese Frage-Antwort-Checkliste zerstreut werden.
Was bedeutet der Begriff Hammerexamen? Wird es wirklich ein "Hammer" werden?
Mit der neuen Approbationsordnung von 2002, welche 2003 bereits novelliert wurde (AiP-Abschaffung, Vorziehen des Praktischen Jahres um drei Monate), werden die bisherigen vier Staatsprüfungen (Physikum, erstes, zweites und drittes Staatsexamen) auf nunmehr nur zwei große staatliche Prüfungen reduziert. Ein erster Abschnitt der ärztlichen Prüfung (erstmals Herbst 2005) tritt an Stelle der bisherigen ärztlichen Vorprüfung. Inhaltlich ändert sich hier kaum gravierend etwas.
Erstes, zweites und drittes Staatsexamen werden zusammengefasst zum neuen zweiten Abschnitt der ärztlichen Prüfung, welche am Ende des Studiums nach dem praktischen Jahr stattfindet. Hieraus resultiert auch der Begriff "Hammerexamen", fürchten doch die Studierenden, dass einfach die Inhalte des ersten, zweiten und dritten Staatsexamens nun zu einer einzigen, gigantischen Prüfung zusammengefasst werden. Dass dem aber so nicht ist, werden wir im folgenden Artikel erläutern. Wir wollen im Folgenden den Begriff "Hammerexamen" deshalb auch nicht mehr verwenden, da dadurch die neue Prüfung bereits begrifflich negativ besetzt wird.
Wann findet zunächst einmal das "neue" praktische Jahr statt? Was hat sich verändert?
Das neue praktische Jahr findet erstmals ab Mitte August 2005 bis Mitte August 2006 statt. Es wird ebenso in 3 mal 16 Wochen aufgeteilt (Innere Medizin, Chirurgie, Wahlfach) werden. Eine Neuerung - außer den neuen Terminen - ist unter anderen, dass man aus den klinisch-praktischen Fachgebieten nun auch die Allgemeinmedizin als Wahlfach belegen kann.
Wie lauten die Zugangsvoraussetzungen zum neuen zweiten Abschnitt der ärztlichen Prüfung?
Es werden Leistungsnachweise gefordert werden, die in §27 der neuen Approbationsordnung nachzulesen sind, es muss das erfolgreiche Belegen der neuen "Querschnittsbereiche" (Gesundheitsökonomie, klinische Umweltmedizin etc.) nachgewiesen werden, sowie das Absolvieren eines geprüften Wahlfaches, fünf Blockpraktika, des Praktischen Jahres und Nachweis aller vier Pflichtfamulaturen.
Wann findet das neue Examen (ÄAppO 2002) erstmals statt?
Es findet erstmals vom 17. bis 19. Oktober 2006 statt.
Was soll Inhalt der schriftlichen und mündlichen Prüfung des neuen zweiten Abschnittes der ärztlichen Prüfung sein?
Bei der Auswahl der Themen sollen insbesondere "Aspekte der allgemeinen ärztlichen Tätigkeit" als Richtschnur dienen. Die Fokussierung der Fragen soll auf die "wichtigsten Krankheitsbilder" abgestellt sein. Die Krankheitsbilder, welche abgeprüft werden, sollen "praxisrelevant" sein.
Diese Absichtserklärungen, die der neuen Approbationsordnungsordnung zu entnehmen sind, sind begrüßenswert und lassen hoffen, dass nun die "berufspraktischen Anforderungen", die "Fallbezogenen" Fragen (Fallstudien), "Grundlagenkenntnisse, Fähigkeiten, Fertigkeiten" in den Fächern ab dem Physikum mehr Gewicht erhalten, als die bisherigen, "Detailversessenen" Altfragen.
Wie läuft das schriftliche Examen praktisch ab?
Das Examen findet an drei aufeinander folgenden Tagen mit jeweils fünf Stunden Prüfungszeit statt. An diesen drei Tagen gilt es insgesamt 320 Multiple-Choice Fragen zu beantworten. Eine von fünf Antwortmöglichkeiten wird - wie gewohnt - richtig sein. Mehr als der Hälfte der Fragen sollen Kasuistiken (Fallbeispiele) Voranstehen. Unklar ist noch, welche Frageabfolge angewendet werden soll, wobei aber bisher alles darauf hindeutet, dass Variante A Anwendung finden wird:
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Variante A: (Analytischer Modus)
Nach Vorstellen einer Kasuistik (15-30 Sätze), sollen die Fragen radiär, "sternförmig" um diesen Fall gestellt werden. Dabei können Fragen aus allen klinischen Fachgebieten gestellt werden, einschließlich der Querschnittsbereiche. Sie sollen "fächerübergreifend" und "problemorientiert" gestellt werden. Diese Variante ist mit konventionellen Prüfungsheften durchführbar.
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Variante B: (Linearer oder "progressiver, sequenzieller" Modus)
Nach Vorstellen einer Kasuistik ("Dossier"), werden aufeinander aufbauende Fragen gestellt (Diagnose, Differentialdiagnose, Therapie, Prognose). Gefahr bei diesem Fragetypus besteht darin, dass Fehler zu Beginn der Fragekette sich nachteilig auf die weitere Beantwortung nachfolgender Fragen auswirken könnten. Zudem würde dieser Prüfungsmodus noch einige technische Probleme bereiten: Man erhielte nach einer beantworteten Frage neue Informationen für die nächste Frage, ein Zurückblättern und Vorblättern müsste unterbunden werden, was praktisch nur PC-gestützt möglich wäre.
Positiv an den bisherigen Nachrichten zum neuen Examen ist, dass auch die schriftlichen Examensfragen nun an "berufspraktischen" Gesichtspunkten und am Grundlagenwissen zu den häufigsten Krankheitsbildern orientiert sein werden.
Wie läuft der mündlich-praktische Teil des Examens ab?
Der mündlich-praktische Teil des ersten zweiten Abschnittes der ärztlichen Prüfung findet erstmals im Zeitraum Oktober bis Dezember 2006 statt. An zwei Tagen werden maximal vier Prüflinge (je mindestens 45, höchstens 60 min) geprüft.
Am ersten Tag findet eine praktische Prüfung mit Patientenvorstellung statt, es folgen Patientenbezogene Fragestellungen aus der Inneren Medizin, der Chirurgie und dem belegten Wahlfach des praktischen Jahres. Die Prüfungskommission teilt dem Prüfling einige Zeit vor dem Termin einen oder mehrere Patienten zu Anamnese und Untersuchung zu. Der Prüfling verfasst einen Bericht (Anamnese, Diagnose, Prognose, Behandlungsplan, Epikrise), welcher mit in die Bewertung des mündlichen Examens mit eingeht.
Wie werden schriftliches und mündliches Examen gewichtet werden? Wie setzt sich die Endnote des Studiums zusammen?
Die beiden Noten (mündliche Prüfung, schriftliche Prüfung) des zweiten Abschnittes der ärztlichen Prüfung werden addiert und durch zwei geteilt.
Die Gesamtstudiennote setzt sich zu einem Drittel aus der Note des ersten Abschnittes (nicht für "Übergängler") und zu zwei Dritteln aus der Note des zweiten Abschnittes der ärztlichen Prüfung zusammen. Die Noten der Leistungsnachweise und auch des Wahlfaches werden im Zeugnis gesondert ausgewiesen (nicht vollständig bei "Übergänglern"), gehen aber nicht mit in die Endnote ein.
Was passiert wenn man die schriftliche oder mündliche Prüfung des neuen zweiten Abschnittes nicht besteht?
Die einzelnen Teile der Prüfungen des zweiten Abschnittes können bei Fehlversuchen getrennt wiederholt werden, d.h. ein bestandener Abschnitt muss nicht mehr wiederholt werden, was eine Erleichterung darstellen dürfte im Vergleich zur alten Approbationsordnung. Mündlicher wie praktischer Teil können je zweimal wiederholt werden.
Wann gibt es einen neuen Gegenstandskatalog und wie sieht er aus?
Der neue GK 2 orientiert sich nicht mehr an Fächergrenzen, sondern wird "nosologisch" aufgebaut sein. Er enthält demnach eine Liste von etwa 300 – 350 häufigen Krankheiten und ebenso vielen Syndromen oder Befindlichkeitsstörungen. Diese häufigen Krankheitsbilder wurden durch viele Ärzte und andere Expertengremien erarbeitet, gestützt von Krankenkassenstatistiken und Daten des statistischen Bundesamtes. Es gelang angeblich, den Umfang des bisherigen GK2 und 3 auf etwa die Hälfte zu reduzieren. Nach Verlautbarungen des IMPP soll der neue GK ab Frühjahr 2005 öffentlich gemacht werden. Praktisch orientiertes Grundlagenwissen mit Schwerpunkt "allgemeinärztliche Relevanz" soll Leitziel des neuen GK werden.
Wird den ersten Teilnehmern am zweiten Abschnitt der ärztlichen Prüfung außer dem Gegenstandskatalog weiteres Material zur Vorbereitung vorliegen?
Eine Art "Generalprobe" des neuen Examens soll im Frühjahr 2005 mit bereits prüfungserfahrenen Studierenden durchgeführt werden. Das Material dieser Prüfung soll dann eventuell publiziert werden, um es der ersten Kohorte, die im Herbst 2006 in den "Ernstfall" muss, als Anschauungsmaterial zur Verfügung stellen zu können. Ob dies ein komplettes "Altexamen" sein wird, oder nur einige exemplarische Fragen vorgestellt werden sollen, war zum Redaktionsschluss nicht bekannt.
Mit welcher Literatur bereite ich mich auf den neuen zweiten Abschnitt der ärztlichen Prüfung vor?
Die neue Approbationsordnung ändert viel, sie ändert aber nicht das wichtige Grundlagenwissen und Kernwissen der klinischen Fächer, welches in vielen auf dem Markt befindlichen Büchern hervorragend wiedergegeben ist. An den "klassischen Lehrbüchern", wird sich demnach auch nur wenig verändern, bereits auf dem Markt befindliche, gute Lehrbücher sind nach wie vor "gültig".
Bisher stark auf die alten, schriftlichen Examina ausgerichtete, "prüfungszentrierte" Bücher allerdings, enthalten natürlich eine Fülle an Detailwissen, auf das es unter Umständen in den künftigen, neuen Prüfungen nicht mehr ankommen wird. Dies gilt in besonderem Maße für die Prüfungsbezogenen Staatsexamenskompendien, aber auch für viele Kurzlehrbücher. Diese werden zunehmend wertlos.
Die Verlage arbeiten derzeit mit Hochdruck an neuen Kompendien, welche den neuen GK sorgfältig berücksichtigen werden. Die Erfahrung von Altexamina kann freilich erst dann in Bücher eingehen, wenn solche auch gestellt wurden, was bedeutet, dass Altfragenwissen erst ab 2007 in neue Bücher Eingang finden kann und dann auch erst mit einiger weiterer Verzögerung publiziert werden kann. Durch die Zunahme der Bedeutung universitätseigener Prüfungen zum Erwerb der Leistungsnachweise, erhalten während des Semesters uninterne Lehrveranstaltungsunterlagen (Vorlesungsskripten, Praktikumsunterlagen, elektronische Vorlesungsunterlagen, lokale Prüfungssammlungen) deutlich mehr Gewicht.
Die Medizinstudierenden werden sich Information künftig verstärkt auf zwei Ebenen suchen müssen:
- Ebene 1 - "Universitätsebene": Lehrveranstaltungsunterlagen, Lokale Altfragen der Institute
- Ebene 2 - "staatliche Ebene": Kommerzielle Bücher, v.a. zur Vorbereitung am Studienende auf die abschließende staatliche Prüfung, vertiefende Literatur zu den einzelnen Fächern während des Semesters
Neue Bücher zu Fächern, die bislang nicht unterrichtet wurden (Querschnittsbereiche), sind schon in Kürze von den Verlagen zu erwarten.
Ab wann werden die so genanten "kommentierten Altfragen" zum neuen Examen zur Verfügung stehen?
Die Verlage sind immer wieder verblüfft über Anfragen von Studierenden nach Altfragen von Examen, die aber noch gar nicht stattgefunden haben. Da das neue, abschließende zweite Staatsexamen erstmals Herbst 2006 stattfinden wird, können wir mit kommentierten Prüfungsfragen erst Anfang 2007 rechnen. Die Altfragen werden aber wie gewohnt vom IMPP zur Veröffentlichung freigegeben werden. Ein bekannter süddeutscher Verlag wird diese vermutlich wieder kommentiert publizieren (Altfragen CDs, Examensbände). Eine Orientierung an Altfragen bei Kurzlehrbüchern und Kompendien kann erst ab Ende 2007, Anfang 2008 erwartet werden.
Wie bereite ich mich am besten auf das Examen vor?
Das Grundlagenwissen aller klinischen Fächer und Querschnittsbereiche sorgfältig erlernen und sobald der neue Gegenstandskatalog verfügbar ist, insbesondere die dort erwähnten Krankheitsbilder und Syndrome vertiefend studieren.
Wie lerne ich in den Monaten vor dem Examen?
Gute, eigene Aufzeichnungen sollten bereits in den Semestern vor dem PJ angelegt werden, die Grundlagen müssen erlernt werden, so dass in den wenigen Monaten vor dem Examen nur noch repetiert werden muss. Es ist nicht empfehlenswert, sich erst im PJ oder gar danach die Grundlagen zu erarbeiten.
Muss ich Sorge vor dem neuen zweiten Abschnitt der ärztlichen Prüfung haben?
Ein klares Nein! Auch das bisherige zweite Staatsexamen galt für die Studierenden als "kaum abzutragender Berg". Die Durchfallquoten sprachen aber immer eine andere Sprache: Sie lagen mit etwa 3-5% im Vergleich zum ersten Staatsexamen und v.a. dem Physikum immer im unteren Bereich der staatlichen Medizinerprüfungen. Vom IMPP verlautete, dass beim neuen zweiten Abschnitt keine größere Durchfallquote angestrebt werden soll, als beim bisherigen 2. Staatsexamen.
Wer sorgfältig und gewissenhaft die neuen Leistungsnachweise (Scheine) an seiner Universität erworben hat und erwerben wird, sich eigene gute Aufzeichnungen des Erlernten macht und in den Monaten vor dem neuen Examen noch einmal das Grundlagenwissen, gestützt durch den neuen Gegenstandskatalog, repetieren wird, wird auch diese und dann letzte Hürde des Medizinstudiums gelassen nehmen. Was dann winkt ist - seit der Abschaffung des AiP - die sofortige, volle Approbation zur Ärztin/zum Arzt. Mit diesem schönen Ziel vor Augen, dürfte man auch diese letzte Phase des Studiums gut überstehen.
F., U.
Würzburg, Dezember 2004
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