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Die Hürde Abitur ist geschafft, was nun? Traumberuf Arzt? Welche Chancen habe ich, einen Studienplatz zu bekommen und falls ja in welcher Stadt? Wie werden meine ersten Tage als Medizinstudent an einer Universität fernab von Zuhause in neuer Umgebung sein? Wer hilft mir vor Ort bei Problemen? Wer kann mir vielleicht einen Tipp geben? Fragen über Fragen, die sich Medizinstudierende des 1. Semesters überall und vor Beginn ihres Studiums immer wieder stellen.
Auf was lässt man sich da nur ein?
Bevor man sich an die eigentlichen Vorbereitungen für ein Medizinstudium macht, sollte man sich über einige Dinge im Klaren sein: die grundlegende Einstellung einem solch bekanntlich anspruchsvollen Studium gegenüber sollte stimmen. Es ist kein Gerücht, die Devise lautet wahrhaftig: viel lernen und kaum Freizeit. Gerade wenn man die Heimat verlässt, bleibt für Freunde und Familie meist nur das Wochenende und wenn der Studienplatz ganz weit weg ist, nicht einmal das.
Weiterhin sollte man sich mit der eigenen Einstellung bezüglich Krankheit und Tod, der Rolle des Arztes und sein Verhältnis zum Patienten, sowie der Motivation, die Lernleistungen an die persönliche Grenze zu bringen, auseinandersetzen. Die Vorklinik, mit dem 1. Abschnitt der Ärztlichen Prüfung - dem „Physikum“ - als erste große Hürde, ist nicht zu unterschätzen.
Medizinstudent bzw. Arzt ist man schließlich nicht nur Dank des weißen Kittels, es ist ein aufwändiger Weg. Schließlich ist es Beruf und für manchen Berufung zugleich. Die Entscheidung ist gefallen, nun heißt es sich gegen etliche Mitbewerber durchzusetzen.
Bewerbung Medizinstudienplatz – welche Möglichkeiten gibt es?
Wer Medizin studieren will, kommt an einer Institution nicht vorbei – der zentralen Vergabestelle für Studienplätze, kurz ZVS genannt (siehe Weiterführende Links). Beim Studiengang der Humanmedizin wird zwischen zwei Verfahren unterschieden. Zum einen das ZVS-interne: hierfür sind das Abiturzeugnis und der ausgefüllte Antrag der ZVS, in welchem man bis zu fünf Wünsche bzgl. des Studienortes angeben kann, einzureichen. Nun gilt es den jeweiligen NC des eigenen Bundeslandes zu „knacken“. Dieser ist in jedem Bundesland verschieden, um eine Gleichberechtigung in ganz Deutschland zu gewährleisten. Ist dies geschafft, so erwartet einen noch die Hürde der jeweiligen Universität, welche meist einen internen NC vorzuweisen hat.
Ist man durch dieses doch sehr weitmaschige Netz gefallen, gibt es aber eine weitere Möglichkeit: die speziellen Auswahlverfahren der Hochschulen. Diese sind ZVS unabhängig, werden jedoch über diese mit abgewickelt. Hierbei sind Faktoren wie Leistungskurse während des Abiturs, Auslandsaufenthalte, Sprachkenntnisse, eventuell schon vorhandenes Latinum, bereits gemachte Erfahrungen während eines sozialen Jahres oder Praktikums im medizinischen Bereich, Berufserfahrungen bzw. Wartesemester mit entscheidend – nach wie vor gilt die Abiturnote als ausschlaggebend. Genaueres ist auf der Homepage der Universitäten bzw. der ZVS beschrieben.
Kleiner Tipp: viele Universitäten immatrikulieren auch im Sommersemester. Wer viele Wartesemester gesammelt hat, sollte sich zu diesem Zeitpunkt bewerben, schließlich ist da die Anzahl der frisch gebackenen, studierwilligen Abiturienten weitaus geringer.
Und nun – was gilt es, im Vorfeld zu beachten?
Geschafft, die Zusage ist da! Nun heißt es, gut organisiert zu sein, ein Dach muss über den Kopf und für Kleingeld sollte auch gesorgt sein. Bei der Wohnungssuche erweisen sich die Studentenwerke (siehe Weiterführende Links) immer als recht hilfreich. Jedenfalls sollte man sich schnell entscheiden, ob man sich eine eigene Wohnung mietet, in eine WG zieht oder im Studentenwohnheim unterkommt – das Semester beginnt bald, da haben viele dieselbe Idee.
Um die Miete auch bezahlen zu können, sollte man sich seinen Anspruch auf BaföG berechnen lassen. Fällt diese Option auch weg, so gilt es zu überlegen, den Wohnsitz beim Einwohnermeldeamt als neuen Hauptwohnsitz eintragen zu lassen, denn manche Städte zahlen ein so genanntes Begrüßungsgeld. Eine gültige Krankenversicherung, ein Stadtplan und ein Monatsticket für die öffentlichen Verkehrsmittel - sollte der Studentenausweis dieses nicht ersetzen - können ebenfalls hilfreich sein.
Frisch immatrikuliert im 1. Semester - wer, wo, was?
Nicht verzweifeln – aller Anfang ist schließlich schwer. Der Punkt, an dem alles nicht mehr so chaotisch erscheint und man sich schließlich auskennt, kommt von ganz allein, und damit der Alltag schon schnell genug.
Ohne was ist das Studium so gut wie unmöglich? Klar, Bücher. Aber Vorsicht, es gibt Studenten, die schnell in eine Art Panik verfallen und sich alle Bücher kaufen, die sie für wichtig halten. Am Besten ist es, wenn man sich zunächst bei den höheren Semestern erkundigt, welche Bücher geeignet sind bzw. nach welchen die Professoren lehren. Grundsätzlich gilt es die Bibliothek zu nutzen, wenn da nicht wieder das Problem auftauchen würde, dass alle zur selben Zeit, dasselbe Buch ausleihen wollen.
Um ein gekauftes Buch kommt man jedoch schlecht umhin – ein guter Atlas der Anatomie ist schon die halbe Miete. Weiterhin braucht man einen Kittel und ein Präparierbesteck zum Präparierkurs, da kommt keiner drum rum, es gilt nur wieder: gebraucht ist immer noch gut genug.
Im ersten Semester gibt es jede Menge neue Leute, auch wenn das viele zu Beginn nicht glauben, aber eine Lerngruppe hat schon so manchen vor dem Durchfallen bewahrt – geteiltes Leid ist ja bekanntlich halbes Leid. Um in Kontakt zu bleiben, eignet sich zum Beispiel ein Semesterverteiler, den man bei diversen Internetanbietern einrichten kann. Jeder, der möchte, kann sich dann in solch einer Gruppe mit seiner Email Adresse anmelden und Mails werden automatisch an alle Mitglieder versandt. So lässt sich die nächste gemeinsame Lernstunde super planen und wer an Altklausuren der höheren Semester rankommt, kann sie über den Verteiler schicken.
Ich habe eine Frage – wer hilft?
Eine für alle Fragen gerüstete Anlaufstelle ist immer das Studentenwerk. Dort sitzen Leute vom Fach, die für alle Fragen ein offenes Ohr haben. Weiterhin gibt es an so gut wie allen Universitäten Fachschaftsräte für die entsprechende Studienrichtung, welche meist von Studenten für Studenten arbeiten. An jedem Campus findet man ebenfalls diverse Studentenorganisationen, Arbeitsgruppen, Studenten aus höheren Semestern, natürlich Professoren, Tutoren und Dozenten, die einem gern weiterhelfen, wenn man mit seinem Anliegen an sie herantritt. Mütter und Schwangere finden Hilfe bei Beratungsstellen, die meist Lösungen und Pläne für diese - sicher nicht so leicht zu bewältigende - Situation bereit haben.
Sollte der Druck für den einen oder anderen zu groß werden, kann man sich vertrauensvoll an die meist uni-internen psychologischen Beratungsstellen wenden.
Nur keine falsche Scham, Fragen kostet schließlich nichts und ein bisschen Hilfe kann jeder
gebrauchen.
Auf die Plätze, fertig, los - welche Veranstaltungen zu Beginn?
Zu Beginn jedes Semesters organisieren einige Universitäten in der ersten Woche eine so genannte „Orientierungseinheit“. Diese wird von Studenten aus höheren Semestern geleitet, welche dabei als Tutoren die „Neuen“ in die Geheimnisse ihrer Uni einweihen, z.B. wo findet man das Gebäude, wovon sollte man in der Mensa lieber die Finger lassen, welches Buch ist empfehlenswert u. s. w.
Man muss jedoch nicht an allen Veranstaltungen teilnehmen. Die meist kommerziellen Veranstaltungen von diversen Buchhandlungen kann man sich getrost schenken, diese spielen nur mit der Angst einiger Studenten etwas zu verpassen oder nicht die aktuellste Auflage des neuen Anatomiebuches zu besitzen. Führungen durch die Bibliothek, Studententreffs oder Geheimtipps bzgl. des Cafés um die Ecke sollte man nicht verpassen.
Ein gemeinsamer Abend mit der neuen Seminargruppe macht es einfacher, sich kennen zu lernen und einen ersten Eindruck voneinander zu gewinnen.
Fassen wir zusammen
Man muss nicht stolzer Besitzer aller empfohlenen Bücher in der neusten Auflage sein, das Geld lässt sich besser mit der neuen Lerngruppe und dem eigenen Atlas der Anatomie in der Mensa bzw. im Café nebenan ausgeben.
Wichtig ist es, immer nachzufragen, wenn etwas unklar ist. Nichts ist schlimmer, als irgendwann den roten Faden zu verlieren, dies lässt sich gut vermeiden.
Letztendlich kommt mit genügend Motivation und einer gewissen Portion an Aufnahmevermögen die Gewissheit, dass ein Medizinstudium mit viel Fleiß und Geduld gut zu schaffen ist. Also ran an das Skalpell und den Atlas und viel Spaß – damit der Wunsch und die Berufung in Erfüllung geht.
B.,K.
Berlin, April 2007
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